03 - Horst Werner Wiegand

April 21st, 2006 by St.Kleinkrieg

Die Mutter aller Karteien

Die Kartei der Ehemaligen! Teil 3


Horst Werner Wiegand

Horsti en DetailHorst Werner oder Horsti war ein großer Kerl. Wir hatten ein Treffen mit ihm verabredet und ich hatte mir von meiner Mutter den Ford Fiesta ausgeliehen, um mit den Jungens zum Proberaum nach Hohenlimburg Färberstraße fahren zu können. Ich war in den letzten Tagen beim Bund und hatte auch noch Urlaub. Wir kümmerten uns jetzt intensiver um unsere „Karriere“.

Horsti kam in einem Mopedgummimantel, der bis auf den Boden reichte und einer Aktentasche, die er mit einem Stück Strick um seinen schmächtigen Körper geschnallt hatte. Am Revers des Mantels war ein grüner Stern angebracht. Das war der gleiche Stern, den ich schon häufiger in rot oder schwarz bei politisch interessierten jungen Leuten gesehen hatte. In grün sagte er mir aber nichts. Horsti hatte aber meinen Blick gesehen und legte gleich los: “Grün ja, ja, grün. Das ist das Leben. Ich bin am Leben interessiert, genauso wie an der Musik; das eine geht ohne das andere nicht. Deshalb grün, wachsen, wachsen!“

„Halt`s Maul, Horsti, oder so! Ich kann diesen Scheiß nicht mehr hören, oder so!“- Rava!

Hallo Stefan, willkommen in einer neuen Welt, der Welt der Wohngemeinschaften und Psychogruppen. Diese Art war mir völlig unbekannt. Ich will nicht unbedingt behaupten, dass ich noch nie etwas von der “ Alternativen Subkultur“ gehört hatte, aber so nahe hatte ich sie noch nicht erlebt. Ich fand es ausgesprochen nervig, diesen Psychoscheiß zum Thema jeden Gespräches zu machen. Baaahh

Diese Teppiche! Das war mein Ausdruck für diese “mindestens-2-Stunden-Frühstücker”.

Wir setzten uns in Bewegung und auf der Fahrt zum Proberaum wurde klar, dass Rava und Horsti sich nicht wirklich leiden konnten, nein Haß wäre zuviel, aber nicht viel zuviel!

Wir kauften noch Bier an der Bude und Zigaretten. Rava holte noch ein paar Jägermeister Wuppdichs, diese kleinen Fläschchen und dann gingen wir in den Übungsraum.

Horsti in AktionIch hatte schon angefangen Lieder zu schreiben und mein erstes Werk war „Lottokönig“. Ich gab Horsti den Text und erklärte ihm die einzelnen Teile. Die Gesangsanlage waren zwei alte Gitarrenboxen und ein 200 Watt Verstärker unbekannter Herkunft und Marke. Wir legten los und es war ein Gefühl, dass ich nicht oft beim Musik machen habe. Alles war auf einmal super. In diesem Moment hätte ich alle umarmen können. Horsti sang wie ein Weltmeister und wir spielten wie die einzige Rockband des gesamten Universums. Die Mühen und der ganze Stress mit dem besorgen von Anlage und Übungsraum und aussuchen und überreden von Mitspielern hatte sich gelohnt. Da waren wir. Wir spielten ein eigenes Lied. Unbeschreiblich!

Das hört sich heute vielleicht komisch an. Aber zu der Zeit, über die wir jetzt sprechen, war es nicht so selbstverständlich selber Musik zu machen. Du brauchtest erstmal Instrumente, Anlage, Proberaum und Leute die genauso wie du Lust hatten, eine bestimmte Form von Musik zu machen. Dann mußtest du auch noch üben, um überhaupt dem verdammten Instrument die Töne zu entlocken, die du hören wolltest.

Horsti holte aus seiner Aktentasche einen Haufen Schreibpapier raus und meinte: „Ich habe da auch noch so ein paar Lieder, die hier bestimmt passen würden!“
Ich gab ihm die Gitarre und er spielte uns die „Alptraumstadt“ vor und noch einigen anderen Stoff, an den ich mich aber nicht mehr so erinnere.

Der erste Live Gig

Er war ein abgefahrener Typ, der es verdient hätte, eine große Karriere zu machen. Ich habe noch einige seiner Texte im Ohr und auch auf Extrabreit Platten sind sie gut vertreten. Ich persönlich halte ihn für einen großen Dichter. Leider konnte er sich nie so weit diziplinieren, dass es für Soloplatten oder andere Aktivitäten im großen Stil gelangt hätte. Das Talent und die Begabung hätten allemal gereicht. Es fehlte am Willen.

Es gibt Anekdoten zuhauf über ihn, die möchte ich aber gar nicht wiedergeben, weil es den Blick auf einen großen Künstler verstellen würde. Bevor er Extrabreit Sänger wurde, war er eine Art Folk Sänger und trat alleine mit einer akustischen Gitarre auf. Das macht er, wie ich hörte, auch heute noch ab und zu.

Wir probten nun regelmäßig und durch Horsti lernte ich Jörg A. Hoppe kennen. Jener Jörg, der die Geschicke der Band dann noch in höchste Höhen und auch tiefste Täler begleiten und leiten sollte.

Jetzt aber stand erst einmal die Taufe der Band bevor. Cäpt´n und ich…. Filzstift…...........Tusch ! !! EXTRABREIT Tusch! !!(JaJa – ist aber dramaturgisch an dieser Stelle nochmals nötig – Sorry sonst funktioniert der nächste Absatz nicht richtig).

Die Mutter aller Karteien

Wir kamen zu den Proben, ich glaube es war ein Samstag. Ich war mittlerweile vom Bund entlassen und Rava spielte nicht mehr für die Ramblers. Horn hatte das Theologiestudium in Münster aufgegeben. Er hatte da in einem alten Kloster gewohnt, in dem ich mich auch mal vor den Feldjägern versteckt hatte – als ich fahnenflüchtig geworden war. Das würde aber den Rahmen einer „Kartei der Ehemaligen“ sprengen und gehört hier nicht hin. Horsti machte irgendwelche Therapien und Horn und ich stellten jetzt unseren Mitspielern den Namen der Band, in der sie zukünftig spielen sollten, vor: EXTRABREIT !

Rava fand es „Echt scheiße, oder so. Wenn schon so, dann nur XTRABREIT, oder so!“

Horsti meinte wir sollten uns „KANTHAKEN QUELLFRISCH“ nennen!
! !! ! ! ! ! ! ! ! ! !! ! ! ! ! ! ! !

Ich traue es mich kaum zu sagen, aber so übel fand ich das gar nicht. Gott sei Dank brauste sofort ein Sturm der Entrüstung auf. Cäpt`n, weil er an Extrabreit jetzt schon, drei Tage nach Entdeckung des Namens, die besten Erinnerungen hatte und Rava, weil er einfach nicht unter einem Namen von Horsti spielen wollte. Egal wie der hieß.

Das erste offizielle Bandfoto

Die Band stand. Programm hatten wir auch schon. Es fehlte die Herausforderung eines öffentlichen Auftritts. Der Bestie Publikum ins Auge sehen. Das Geübte vor Leute zum Besten geben, anfangen mit berühmt werden!

Hier nun treffen wir auf den hervorragenden Jörg A. Hoppe. Einer der wichtigsten Files in dieser Kartei. Obwohl zu diesem Zeitpunkt war auch Jörg A. noch ein Teppich. Das sollte sich aber in Sturmwindeseile ändern. Freuen Sie sich auf Teil 4. Freuen Sie sich auf Jörg A. Hoppe!

Die Mutter aller Karteien

F O R T S E T Z U N G - F O L G T

11 Responses to “03 - Horst Werner Wiegand”

  1. Thorsten meint:

    Hammer! Ich bin immer wieder dankbar für diese Zeilen und dieses Bildmaterial, was sich anscheinend doch durch Leben gerettet hat. “Haben wollen…!”

    Gruß
    Thorsten

  2. Thomas B. meint:

    Genial Stefan, wo hast Du denn die Bilder noch aufgetrieben? Steinbruch Berghang und Kaufmannsschule ??

    Grüsse

    THomas

  3. Kai meint:

    ey hallo ihr…extrabreiten, ich bin schon seit ddr-zeiten fan von euch. meine erste platte von euch ist die “rückkehr der phantastischen fünf”. das war,glaub´ ich, 1982 oder so. und weil solche musik ja verboten war, konnte man die platten nur auf dem schwarzmarkt kriegen, für massig geld. ich weiß noch, daß ich damals 150,- ostmark für die platte gelöhnt hab´. die musik hat mir dann dermaßen gefallen, daß ich mir dann später die geile scheibe “welch ein land – was für männer” gekauft hab´- zum selben preis. irgendwann später gings nach der wende dann ja auch hier mit cd´s los. und weil ich die wertvollen schallplatten schonen wollte, war eine meiner ersten cd´s auch die “welch ein land – was für männer”. aber die “rückkehr der phantastischen fünf” hab´ ich nie auf cd erwischt. das ärgert mich, denn die schallplatte springt irgendwo. könnt ihr mir vielleicht helfen, diese spitzenscheibe als cd zu beschaffen? wäre absolut geil, wenn ihr mir da helft! macht ansonsten weiter so – eure musik ist total einmalig und spitze euer kai (nicht “hawaii”)

  4. St.Kleinkrieg meint:

    Hallo Kai,
    die “Rückkehr der …” gab es nur ganz kurze Zeit auf CD. Heute werden die wenigen Exemplare für teuer Geld auf E-bay versteigert.

    (Über 450,-€ wurden schon bezahlt! Wie vor der Einheit.)
    Der Tag wird kommen…..! Wir warten auch darauf
    Ich gebe dir in allem recht.Es stimmt das unsere Musik einmalig und spitze ist, und ich danke dir für dein Interesse an unserer Arbeit.
    Wir werden weitermachen.
    Gruß
    St.Kleinkrieg

  5. Frank Wiegand meint:

    Gratulation für diese Seite !!
    War ganz überrascht als ich den Namen Horst-Werner Wiegand las!
    Ich habe (Groß)Onkel “Horsti”, leider erst nach der “Wende” kennenlernen dürfen und habe da erst etwas über seine Vergangenheit erfahren!
    Ein Dank gilt den/dem Macher dieser Seite !!
    Danke auch für die Bilder, aus dieser Zeit kenne ich kein einziges von ihm!
    Gruss Frank

  6. St.Kleinkrieg meint:

    Danke für die schönen Blumen.Die Webregierung weint vor Glück.
    Und einen schönen Gruß an den lieben Onkel!
    St.Kleinkrieg

  7. Klaus Baberg meint:

    Schöne Weihnachten an Stefan. Bin per Zufall auf deiner Seite gelandet und wurde spontan an deine Anfänge erinnert, als wir noch gemeinsam im Kaufhof in die Lehre gegangen sind. Habe letztens erst noch ein paar Fotos aus der Zeit in die Finger gekriegt. War schon ‘ne wilde Zeit.

    Gruß Klaus

  8. St.Kleinkrieg meint:

    Hallo Klaus,
    ich hoffe das Leben hat es gut mit dir gemeint. Das Ausgangsmaterial war ja sehr gut.
    Ich denke auch hin und wieder an die Lehrzeit in Fenster und Ladendeko. Auch Herr Ehrenputsch? kommt mit Plakatmalerei in diesen Gedanken vor.
    Hast recht; es war richtig Klasse.
    Ich wünsche dir ein gutes Fest und alles was es sonst so braucht um glücklich zu sein.

  9. horst werner wiegand meint:

    habe die kleine aufgabe meinen willen mit dem Gottes abzustimmen.
    ansonsten knorke. seit drei tagen besitze ich ein klavier marke Steinfels.
    darauf habe ich 51 jahre gewartet.-so alt könnte das klavier auch sein-
    und bists nur du in meinem reim
    dann bild dir bitte was drauf ein
    Danke Stefan Grüße an die Jungs

    Wieso ungültige Webadresse

  10. Uli Vorberg meint:

    Horsti, tu mal Deine Mail-adresse raus! Die Website funktioniert nicht.-

  11. Olli Cremer meint:

    Horsti, ich hörte du bist auf´m Weg nach Berlin, Gabi war bei meinen Eltern, meld Dich mal!!
    @ Stefan-> Geile Geschichte hier

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