02 - Ralf “Rava” Denz

April 1st, 2006 by St.Kleinkrieg

Die Mutter aller Karteien

Die Kartei der Ehemaligen! Teil 2


Ralf “Rava” Denz

„Rava“, Ralf Denz, war Mick Jagger wie aus dem Gesicht geschnitten. Auf Fotos kommt das noch nicht mal so rüber, aber wer ihn jemals hat tanzen sehen, wird mir recht geben. („Wer“ ist auch ein Tastaturlieblingswort von mir.)

Rava kopierte den Rolling Stones Sänger beim Tanzen nur zu gerne. Am allerliebsten natürlich, wenn auch die Stones die Tanzmusik lieferten. Er war musikalisch und konnte sich gut bewegen, die Texte der Gruppe, die auch meine Lieblingsband waren, beherrschte er aus dem efef, und so sang und tanzte er sich oft in die Herzen und Betten der anwesenden weiblichen Gäste der „Partys“, oder „Feten“ wie es zu der Zeit noch häufiger hieß.

Ralf

Cäpt´n hatte Rava getroffen und ihm erzählt, dass er mit mir eine Band aufmachen wolle. Rava hatte sofort Feuer gefangen, was nicht allein an unserer Idee lag, sondern auch in der Tatsache beheimatet war, dass die Ramblers mit Rava`s Art und Trinkgewohnheiten nicht so recht zufrieden waren. Rava war ein schlimmer Junge. Das Wort Depression war mir nur aus den G-Akten des Sanitätswesens ein Begriff und es sollten noch Jahre vergehen, bis ich Bekanntschaft mit der dunklen Krankheit machen sollte. Rava wußte schon was das war. Mit ihm erlebten wir oft unser blaues Wunder. Zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt lag manchmal nur ein Atemzug.

Aber am Anfang unserer Freundschaft war es durchaus zu ertragen, und man hielt es für einen lästigen Spleen des Rambler Bassisten, über den die Musikpresse einmal schrieb „...dann war da noch der grinsende Sportsfreund am Bass, der sein Instrument am besten im Liegen beherrscht.“ So ging es also los, unser Unternehmen. Ich war immer noch beim Bund, der Cäpt´n bereitete sich auf sein Theologiestudium vor, und Rava spielte bei den Ramblers. Alles deutete darauf hin, dass es schiefgehen mußte.

Die Mutter aller Karteien

Unser erster und eigener Übungsraum war in der Fabrik Gökke in der Färberstraße. Jeder, der in Hagen in diesen Tagen ernsthaft an eine musikalische Karriere glaubte, oder irgend wie mit Musik zu tun hatte, weiß wo das ist. Abends, so nach 18.00 Uhr, strömten alle diese Träumer in die stillgelegten Büroräume und betäubten sich mit Gitarrenlärm, Baßgewummer und Gehämmer von Schlagzeugen. Keyboards kamen erst mit der Erfindung des Horrorgerätes MS20 von Korg in unseren Dunstkreis. Im alten Rom sind Menschen wegen weitaus geringerer Verbrechen gevierteilt worden. Ein Schicksal, das Herrn oder Frau Korg erspart blieb, von mir aber für den Erfinder des Billigkeyboardes oft gewünscht wurde.

Ralf Denz in AktionWenn man sich dem Gelände der Fabrik Gökke auf mehr als 50 Schritt näherte, war es wie eine Schallglocke, die sich über alles legte und die immer lauter wurde, je näher man kam. Die Bands probten in ausgeräumten Büros, die alle beidseitig zu einem etwa 20 m langen Flur lagen. 3 Proberäume auf der linken Seite, 2 rechts und einer vor Kopf. Der vor Kopf hatte aber soviel Platz wie alle anderen zusammen und wurde teilweise von 2-3 Gruppen im Wechsel benutzt. Später teilten wir ihn uns auch mal eine Zeit mit den „Stripes“, Nenas erster Band.

Jetzt aber waren wir 2/R. Also der 2. Raum auf der rechten Seite. Wir haben, so wie auch alle anderen Bands, immer unsere ganzen Klamotten in dem Übungsraum gelassen und vor der Glastür hing lediglich ein Stück Stoff als Sichtblende. Nicht ein Mal wurde eingebrochen. Unglaublich!

Diese Anordnung der Räume war aber nur der erste Stock, dazu kamen noch ein bis drei Proberäume in dem anderen Flügel dieses Gebäudes und soweit ich mich richtig erinnere, hielt das gegenüberliegende Haupthaus auch noch einige Bands beherbergt. Ob im Erdgeschoß auch Bands probten, weiß ich nicht. Manche Typen leisteten sich einen Übungsraum um Mädchen zu imponieren und dann an Ort und Stelle flachzulegen. Die waren im Erdgeschoß. “Will`s ma unsere Anlage seh´n? Wir sin`ne Band!“

Es gab Tage, an denen alle Bands gleichzeitig ihre Repertoirs runterspulten ohne eine Pause zu machen. Das hatte seinen Grund. Wenn man selber in dem Gebäude war, ohne an der Schallkulisse beteiligt zu sein, wurde man auf der Stelle von dem Lärm, der sich in den Räumen wie in einer Bassfalle fing, umgebracht.
Es war gefährlich! Also üben, üben, üben…

Hierhin hatte Rava nun einen ihm gut bekannten Sänger eingeladen und ihn bei uns mit den Worten vorgestellt.: „ Der ist total bedient und so´n Öko, macht aber so total gute, bediente Texte, oder so!“

Eine unserer Lieblingsvokabeln in dieser Zeit war „bedient“. Alles war irgendwie „bedient“. Wenn eine Droge besonders gut ihrer Pflicht nachkam hieß es: „ Mann, bin ich bedient“ oder wenn eine besonders gutaussehende Frau auftauchte: “Was für eine mordsbediente Schnalle!“

Rava krönte diese Nummer immer und zwar immer mit einem,“...oder so!“ Am Ende eines Satzes, egal ob das paßte oder nicht, kam: „....oder so!“

„Ich muß mal pissen, oder so!“

Tic Trick und Track

Oder so trat also nun Horst – Werner – Wiegand in unsere kleine Welt und jetzt waren wir erstmals komplett.

Horst ist mit weitem Abstand die absolute Nr. eins auf seinem Gebiet, aber hier, in unserer Kartei, ist er jetzt die Nr. drei.

Die Mutter aller Karteien

F O R T S E T Z U N G - F O L G T

4 Responses to “02 - Ralf “Rava” Denz”

  1. Uwe meint:

    Versteh ja noch, wenn der Heesters in alten Vorkriegs-Erinnerungen kramt, aber so alt bist du noch lange nicht. Mach hin, Junge!

  2. Michael meint:

    Was macht “RAVA” heute? Noch Kontakt?

  3. Thomas B. meint:

    Rava lebt mit seiner Frau und 2 Kindern zufrieden in der Nähe von D-Dorf. ER hat danach nur noch in kleinem Rahmen Musik gemacht und sich aus der ganzen Szene bewusst zurückgezogen. Ich glaube, der Schritt war aus seiner Sicht richtig und für Ihn gut. Für mich einer der besten Hagener Musiker mit einem wahnsinnigen Zukunftsriecher. Interessanterweise war er Ralf Teuwens Nachfolger bei den Ramblers, während dieser Ihn dann bei Extrabreit ablöste.

  4. Martin Schmidt meint:

    War mal mit Ralf bei einem Konzert verabredet (Gabriel 1993 Dortmund), es ging um sehr seltene Aufnahmen einer britischen Gruppe; bei diesem Treffen wollten wir uns zwecks Tauschs verschiedener Aufnahmen beschnuppern. Seine damalige Freundin hatte die Idee, dass wir uns dort kennenlernen könnten. Kurz darauf trennten sie sich. Zu dem Treffen in Dortmund ist es nicht mehr gekommen. Ich hoffe sehr, auch nach all den Jahren einmal die Chance zu einem Kontakt zu bekommen, denn die Aufnahmen sind immer noch interessant, und das Tauschmaterial ebenso.
    Ich würde mich sehr freuen (Stichwort: Münster-Angelmodde)
    Martin

Gib Deinen Senf dazu

You must be logged in to post a comment.


stats7598