24 - Freiheit fuer EXTRABREIT

April 7th, 2007 by webregierung

DWDZ

Wir verlangsamten die Geschwindigkeit abrupt und der Vertreter der Regierung musste sich festhalten um nicht von den Beinen gerissen zu werden.

„Meine Fresse, geht das schon wieder los?“ murmelte der Fahrer des Nightliners vor sich hin, Bubi, Rolf und ich reckten uns in Richtung Windschutzscheibe und sahen Hunderte von Menschen. Es war eine Demonstration der „Menschenfreunde“ , die, die sofortige Abschaffung von der Fernsehshow „Klinik Roulette“ forderten und auch auf unsere Freiheit bestanden. Sie hielten Plakate hoch auf denen stand „Freiheit für Extrabreit“. Das rührte mich schon ein wenig an, denn diese braven Leutchen wussten ja nicht was hinter den Kulissen wieder für ein schmieriges Spiel gespielt wurde und opferten ihre Zeit um dem gesunden Menschenverstand Gehör zu verschaffen.

DemonstrantUnser Bus rollte unbarmherzig durch die Menschen und wurde dabei von Sicherheitskräften der Agentur begleitet, die sich mit dem Gummiknüppel Respekt verschafften. Die Agentur glich einem Fort. Die Mauern waren mit Sandsäcken und MG-Nestern, sowie Natodraht gesichert und alle 10 Meter war ein leistungsstarker Suchscheinwerfer angebracht, der ständig in Bewegung war. Das ganze Szenario stimmte mich abgrundtief traurig, denn ich wurde mir meiner Schäbigkeit durch diese Umstände voll bewusst.

1.Diese Menschen waren moralisch im Recht.
2.Wenn ich jünger gewesen wäre, würde ich jetzt da unter ihnen stehen.
3.Ich war alt, auf der falschen Seite und konnte an nichts anderes mehr denken als an diese Düsen die mir die verlorene Jugend zurückbringen sollten. Egal um welchen Preis.

Ich hatte Rolf ja gesehen, als er dem Missbrauch des Brune-Hammers verfallen war. Ein absolutes menschliches Wrack. Jetzt sah er zwar älter aus, aber doch ungleich besser als dieser Showpapagei, als den ich ihn im Studio des Grauens nach all den Jahren wiedertraf.

Mich schreckte das nicht ab, ich warf ihm einen bedeutungsschweren Blich zu als wir den Bus verließen, der jetzt im Hof der Agentur seine endgültige Parkposition eingenommen hatte.

„Das wir uns noch mal wiedersehen und dann auf solche Art und Weisen, hätte wohl keiner jemals zu denken gewagt, was Stefan?“

Es war Kai, aka Biff, der jetzt den Bus neben mir verließ.

„Nein, das konnte keiner ahnen. Nach all den Jahren und dann so etwas. Vielen Dank auch noch für die Bauchspeicheldrüse, das war echt in letzter Sekunde, ohne dieses Organ würde mir wahrscheinlich diese ganze Sache nichts mehr ausmachen. Ich meine, dann wäre ich wohl dahin!“ Vielleicht wäre das besser , das sagte ich aber nicht; das dachte ich!

„Nichts zu danken, das gehörte zum Job, den ich jetzt ,Gott sei dank, los bin. Waren auch für mich keine leichten Jahre, seit Magdeburg 7.“

Er erzählte mir seinen gesamten Werdegang, von der Zeit an, als sein Buch und die darauffolgenden literarischen Veröffentlichungen Mega Erfolge wurden und er als Moderator Karriere machte. Angefangen hatte alles mit einer Verpflichtung als MC bei der Werbeshow eines Telekommunikationsherstellers und endete, als man ihn als Nachfolger von Thomas Gottschalk einstellen wollte.

Leider rauchte Kai immer noch wie ein Schlot einer Zeche aus den 60ger Jahren und Gottschalk fiel beim Castinggespräch, wegen einer Feistaubvergiftung ins Koma. Havaii wurde sofort wegen des Verstoßes gegen die Nichtrauchergesetze und der Haager Landkriegsordnung ins Nichtrauchergefängnis Magdeburg 7 eingeliefert und entzogen. Dort hatten wir uns ja kurz gesehen. Ich habe darüber berichtet. Während seiner Haft machte man ihn mit den Plänen der Regierung vertraut und schulte ihn um. Er benutzte dann den Künstlernamen Biff Kravallo und wurde der Medienstar der 20ger Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Wohl fühlte er sich dabei auch nicht, aber die Regierungskräfte übten massiven Druck auf ihn aus. Vor allem wegen des unglücklichen Abgangs des Showmasters Gottschalk, der immer noch wie ein Damoklesschwert über Kais Kopf hing.

Jetzt hatten wir das Gebäude erreicht und ich erinnerte mich an diese endlosen Gänge und Flure.

„Herzlich Willkommen in der Agentur“ sagte der Regierungsvertreter, das ist ab jetzt ihr neues Zuhause, sozusagen ihre neue Rockranch!“

Fortsetzung folgt

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