23 - Rolfs Reserven

April 3rd, 2007 by St.Kleinkrieg

DWDZ

Ich lehnte mich zurück und guckte in das Fenster des Nightliners das von innen natürlich wie ein Spiegel wirkte, konnte aber keine Verjüngung an mir feststellen. Ich sah immer noch aus als ob ein ganzes Altersheim in meinem Gesicht geschlafen hätte. Jahrzehnte des Raubbaus und der Rücksichtslosigkeit gegenüber der eigenen Physiognomie waren auch durch den Brune-Hammer nicht wegzukloppen.

„Richtig Fun wird das erst, wenn du anstatt des Riffelschlauches, das Düsenventil einer Acetylenflasche mit einer medizinischen Mundmaske benutzt! Das schafft was weg!“

Rolf hatte mich die ganze Zeit beobachtet und sich jetzt in die Sitzreihe hinter Bubi und mir gesetzt.

„Obacht, Larson und der Regierungsspecht gucken sich die Augen scheckig nach uns!“ tuschelte er verschwörerisch und ließ sich nach hinten in den Sitz sinken, während er leise vor sich hinsang:

„Wer wird den hier weinen,
wer wird den hier jammern…..!“

Ich guckt zu Bubi rüber, der ein Augenlied hochhob und sagte:

„Laßt mich aus der Nummer raus, ich habe genug mitgemacht. Die Beine haben sie mir abgenommen, die Schweine!“

„Wir brauchen diese Düsen, komme was wolle. Los, Möller, wo gibt es den Scheiß, du hast doch ewig damit rumhantiert.“ Meinte ich jetzt nach hinten, zu Rolf.

Rolfs private Lagerstätte„Ich habe einige Ersatzdüsen in der Agentur für “Ehemalige Gaukler/Komödianten und Kapellenmusiker“ deponiert, als Notersatz. Wenn wir, was ich nicht weiß, dorthin fahren, kann ich sie gefahrlos holen. Plus mehrer Mundatemmasken.“ sagte Rolf begeistert. Wer ihn kannte wusste, dass man ihn, was Vorräte betrifft niemals mit heruntergelassenen Hosen erwischte. Er hatte mit Sicherheit ein Reservedepot.

Wir hatten unsere Unterhaltung zwischen zusammengepressten Lippen geführt, um so leise wie möglich zu sein, was aber nichts hieß da wir schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausend, sehr harthörig waren.

„Na, tauscht ihr Erinnerungen aus? Sehr schön! Euch so zusammen zu sehen, lässt mir das Herz übergehen!“

Larson hatte seine Unterhaltung mit Kai und dem Jungen mit der Gitarre beendet und war zu uns rübergeschlendert, um zu plaudern.

„Ja das haben wir in der Tat gemacht.“ sagte ich, “Ich wollte gleich mal zu Kai, habe mich noch gar nicht für die Bauchspeicheldüse, äh, drüse bedankt. Lohnt das noch, oder sind wir bald in der Agentur?“ fragte ich scheinheilig und sah wie Rolf für den Bruchteil einer Sekunde das Gesicht zu einem fiesen Grinsen verzog.

„Wir sind gleich da. Dann wartet ein schickes Abendessen auf uns und ihr könnt euch alle so richtig ausquatschen.“ War die Antwort von Lars Larson, dem Arglosen.

Jetzt wussten wir das wir auf dem Weg zu den Düsen waren und Bubi flüsterte:

„Nein, ich ahne es schon. Ihr setzt wieder alles auf`s Spiel und wir verlieren wieder. Es hört nie auf! Nie, nie, nie!!“

„Ach, keine Bange, lass den alten Möller mal machen. Das klappt schon. Jetzt hier als Tattergreis noch so kuriose Runden drehen, nein, nicht mit mir. Ich habe das Zeug doch schon gesaugt, solange du genug davon hast; Spitze! Du musst nur genug haben! Wir kochen den Prof. schon weich, dann geht es wieder ab, Jung`s! Schackalacka Bums die Kuh!“ er war in Hochform.

„Meine Damen und Herren, wir nähern uns dem Ziel unserer Reise. Es wartet jetzt ein ausgiebiges Abendessen auf sie und danach werde ich ihnen Ihre Zimmer zuweisen in denen Sie die Nacht verbringen, bevor wir Morgen um etwa 09:30 mit dem Programm anfangen. Medizinische Tests. Studio besichtigen und dann erste Proben. Nur mal ganz locker sich wieder mit den Instrumenten vertraut machen, spielen, Spaß haben. Ha, Ha, Ha,!”

Ich dachte so bei mir:
„Wenn du wüsstest!“
FORTSETZUNG FOLGT

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