21 - Die Kanzlerin wars

März 28th, 2007 by St.Kleinkrieg

DWDZ

„Dem lässt sich ja abhelfen.“ sagte der Herr und zog seinen Ärmel etwas zurück um auf seine Armbanduhr zu schauen.
„Laut Plan sollten wir diese Räumlichkeiten sowieso jetzt verlassen, um in das für Sie vorbereitete Trainingscamp zu fahren. Die Transporter der Agentur sind schon auf dem Hof. Herr Kleinkrieg, auch Sie sollten jetzt mit den ersten Gehversuchen beginnen. Sie sind medizinisch jetzt in Ihrem wohl besten Zustand, seit sie leben.“

Er schaute ein bisschen angewidert in meine Richtung und drehte sich dann zu Professor Brune herum. Ich hingegen kam seiner Aufforderung zu Fortbewegungsübungen nach und erhob mich aus dem Krankenbett, in dem ich jetzt 10 Tage ohne Besinnung verbracht hatte. Es ging sich ganz hervorragend, abgesehen von einem Schwindelgefühl das aber durch den schon bemerkten Hunger hervorgerufen worden war.

Die Gesellschaft setzte sich langsam in Bewegung und hielt nur kurz an, als man mich absonderte und mir meine eigenen Kleidungsstücke zum anziehen gab.

„Deine Botoxspritze wirst du vergeblich suchen. Das ist doch alter Kaffee! Hättest die schönen Goldplomben behalten sollen. Na ja, wir haben dich auch dental auf Vordermann gebracht. Bist sozusagen runderneuert!“ bemerkte der erstaunlich launige Professor Brune und erntete einen Lacher der übrigen Leute meiner Gesellschaft.

Der NightlinerEndlose Gänge und Flure und dann der bekannte Wirtschaftshof auf dem ein mit abgedunkelten Fenstern wartender Reisebus der Agentur stand. Wir stiegen ein. Ich setzte mich neben Bubi der mit seinen neuen Prothesen erstaunlich gut zurechtkam und in der Tat seine echten Beine nicht im geringsten zu vermissen schien.

„Diese High-Tech Prothesen sind sogenannte Show-Pros. Ich kann mit ihnen 4mal höher springen, als mit menschlichem Gebein aus Fleisch und Blut, selbst untrainiert bin ich jedem anderen Musiker auf der Bühne immer eine bis vier Nasenlängen voraus!“ trötete er jetzt mit seiner unnachahmlichen Stimme direkt in mein Ohr und es fing ganz, ganz langsam an unangenehm zu werden.

„Sag mal Bubi, in der Zeit wo ich weg war; im Koma, was ist denn da so geschehen?“

„Na ja, die haben dann ein riesen Fass aufgemacht wegen unserer zufälligen Zusammenführung und so weiter, alles natürlich abgekartet , von Anfang an. Erst hat das so keiner verstanden. Hatten halt alle die alten Hits von damals vergessen, aber als dann im Fernsehen die Bundeskanzlerin Gülcan sich zu der Sache äußerte und sagte das „Nicht ist für immer“ ihr Lieblingsoldie wäre, da gab es einen Serverzusammenbruch bei der Downloadadresse des Titels und wir sind auf Platz drei in den nationalen Charts. Dann vermeldeten die Agenturen das sich der Wiederstand gegen die „Klinik Roullete Show, aus den Reihen der „Menschenfreunde“ immer breiter entfalten würde und die Demonstranten standen zu 10 000enden vor dem TV Studio. Sicherheitskräfte waren Tag und Nacht damit beschäftigt sie von einer Erstürmung der Räumlichkeiten abzuhalten. Diese „Menschenfreunde“ sind eine Bewegung von humanistisch, sozialen jungen Leuten, die dafür einstehen, die Alten nicht als Schmarotzen, sondern als Bewahrer von Wissen und Menschsein zu sehen !“

„Ja, ja, jetzt auf einmal will es mal wieder keiner gewesen sein!“ das sagte ein, auf Normalmaß gealterter Rolf Möller, der in der Reihe hinter mir und Bubi Platz genommen hatte.

„Es war eine Top Profi Show!“ fuhr er fort,“ Einschaltquoten von denen diese Schmocks von jetzt ab nur noch träumen können. Ein Jammer das alles zu zerstören. Man hätte doch behutsam, langsam die ganze Sache entschärfen könne. So Leute wie Doc Snyder sind natürlich nicht tragbar, aber mein Gott das ganze Ding hatte auch seine guten Seiten! Diese verfluchten Dieletanten. Alles umsonst, die ganze Arbeit!“

„Sie haben ihn von seinem unbehelligten Zugriff auf das Botoxgas abgeschnitten. Er bekommt jetzt nur noch die übliche stabilisierende Dosis, wie wir auch. Das geht ihn natürlich schwer an, er war ja sehr hochdosiert!“ flüsterte Bubi mir verschwörerisch ins Ohr.

Larsson unterhielt sich mit Kai und der Junge mit der Gitarre saß neben den beiden und nickte, oder fiel ab und zu in das Gespräch ein.

“ Der ist dabei, weil sie meinen das 2003 die Kombination von Liedermacher vor unserem Auftritt, absolut das beste war, was wir so angeboten haben.“ Meinte Bubi und zuckte mit den Achseln.

“Außerdem hat der mit dem Larson die ganzen letzten Jahre gemeinsame Sache gemacht!“

Der Professor und der Herr von der Regierung standen noch im Eingang des Busses beim Fahrer, ich schaute aus dem Fenster durch das man zwar nicht ins Innere des Busses blicken konnte , aber freie Sicht nach draußen hatte. Der Wagen setzte sich nun in Bewegung und der Herr von der Regierung verteilte Lunchpakete mit den Worten:

“Für den ersten Hunger wird es schon reichen.“

Wir rollten aus dem Wirtschaftshof des Fernsehstudio des Grauens, einer ungewissen Zukunft entgegen und ich wünschte ich hätte eine Zigarette gehabt. Aber das Zeitalter der Wixxer hatte nach den Nichtrauchergesetzen von 2007 nie mehr aufgehört.

Fortsetzung folgt

3 Responses to “21 - Die Kanzlerin wars”

  1. Thorsten meint:

    Alles nur nicht die unsägliche Gülcan…

  2. Ex-Hometowner meint:

    @ Thorsten – Rentner keulen und Alte ausweiden ist okay – Aber bei Kanzlerin Gülcan, da kommst Du aus dem Busch gehüpft ;-)

  3. Thorsten meint:

    Genau – alles andere kann ich ertragen und mich in den nächsten 29 Jahren bis zur Rente darauf einstellen…

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