20 - Die Mission

März 24th, 2007 by St.Kleinkrieg

ein Alptraum als Fortsetzungsroman

Wie das so ist im Leben; in der Jugend wie im Alter, manchmal öffnet sich eine kleine Insel und wir stehen darauf und beobachten uns selbst.

Ich ließ mein ganzes Leben an mir Revue passieren und hielt in Gedanken bei der ein oder anderen Station mal an. Manches war schön, manches peinlich, schmerzlich und es gab auch sinnloses. So wie in jeder Vita. Was aber in den letzten 11 Tagen mit mir passiert war, schlug dem Bischof die Mitra von Köpfchen. Ich konnte es selber kaum fassen.

Ich lag hier in einem Bett in einem Auffangraum der schrecklichsten Tv-Show der Welt und hatte auf wunderbare Weise eine neue Bauchspeicheldrüse bekommen. Eine Apparatur war mir implantiert worden, die mein Wohlbefinden erheblich und spürbar steigerte. Zusätzlich konnte ich , was meine Lebensgewohnheiten anging, ohne das ich es merkte, überwacht werden.

Ich hatte schon überall am Körper rumgetastet, aber ich konnte keine Schnittstellen entdecken, wo man eventuell einen Mikrochip zur Datenanalyse untergebracht hatte.

Der absolute Dampfhammer war aber, das ich wieder mit den Kollegen aus der letzten Extrabreitbesetzung auf Tour gehen sollte, um das Image der älteren Bevölkerungsteilnehmer zu verbessern. Und das auch noch mit den längst verstorben geglaubten deutschen Kultshowstars; Hildegard Knef und Harald Juhnke!

So mancher der Musikjournalisten, die uns während unserer aktiven Zeit schon für mehr als überflüssig hielten, hätte bei dieser Nachricht einen Alptraum wahr werden sehen und vielleicht hätten selbst wir ihnen einmal recht gegeben.

Das war alles so absurd!

Ich entschloss mich aber nicht weiter über diesen höchst unglaublichen Sachverhalt nachzudenken und bemerkte ein Hungergefühl das ich möglichst schnell abgestellt sehen wollte.
Ich wollte mich gerade an einen der anwesenden Personen richten um mein Bedürfnis kundzutun, da bat sich der Vertreter der Bundesregierung Ruhe und Aufmerksamkeit aus.

Er sagte:
„Meine Damen und Herren, ich bitte um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit, was ich Ihnen jetzt zu sagen habe ist von höchster Wichtigkeit und wird Ihr und unser aller Leben verändern.

Der RegierungsvertreterSie sind auf Beschluss der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für diese Aufgabe ausgewählt worden und haben ab diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr von dieser Mission zurückzutreten. Ein Ausstieg aus dieser Sache würde Sie Ihren Kopf kosten, sprich sofortige Entsorgung.

Wir haben dieses Projekt schon in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausend in Planspielen durchexerziert und sind so auf die personelle Zusammensetzung Ihres Teams gekommen. Der Zufall kam uns mit den Forschungserfolgen des Professor Brune zur Hilfe und so entwickelten unsere Soziforscher ein Modell der volksakzeptablen Rockmusik mit subversivem Inhalt. Nachdem wir alle Komponenten und Un- und Abwägbarkeiten in den Computer gefüttert hatten, spuckte dieser Ihren Namen aus.

Ich möchte Ihnen nicht verschweigen das es erheblichen Wiederstand aus Reihen der Kulturbeauftragten der Jahre 1996- 2001 gab. Von unbelehrbar und nicht zielorientiert war die Rede, aber am Ende setzten die Befürworter dieses, unseres Modells, sich durch. Das sich natürlich seinen absolut, unschätzbaren Wert, durch die Teilnahme unserer Nationalstars Frau Knef und Herrn Juhnke verschafft. Sehr geehrte gnädige Frau; Sie sehen umwerfend aus !“

Er bewegte sich in flinken, kleinen Schritten und mit schief angelegtem Kopf, sowie mit aus- gestreckten Armen auf die ätherisch wirkende Knef zu und versuchte ihr die Hand zu küssen, was aber irgendwie linkisch aus sah und auch misslang. Das lag auch an dem Zustand in dem sich die Knef befand,. Sie war zwar da, aber auch irgendwie nicht. So wie ein selbstständiges Hologram! Ja, das trifft es! Das gleiche galt für Harald.

„Nun weiter,“ sprach der Emissär der Regierung ,“ Sie werden alle persönlichen Obliegenheiten untereinander klären, da mischen wir uns nicht ein. Aber, sie sollten in 3 Wochen tourneefertig, das heißt , voll ausgeprobt sein. Wir müssen den Widerstand der sich im Volk gegen die TV-Show, Klinik Roulett, immer mehr manifestiert nutzen und jetzt mit dem Beweis antreten das Alte Menschen etwas leisten können. Das Showgeschäft muss in die Hände der Alten, nur dann haben wir die Möglichkeit, die von Dr. Kohl geplünderten Rentenkassen wieder aufzuforsten und alten Menschen über dem 60sten Lebensjahr einen Platz in unserer Gesellschaft zu überlassen. Wer leben will muss rocken! Oder Klavierkonzerte oder Seiltanzen u.s.w, u.s.w.

Sie werden die Speerspitze der Wiedereinführung der Alten in die Medienlandschaft der 30ger Jahre sein, machen Sie sich also auf Anfeindungen durch die Musikpresse und Medien überhaupt gefasst. Aber wem sag ich das, Sie sind es ja gewohnt mit Dreck beworfen zu werden, sozusagen Ihr ureigenes Biotop, ha, ha, ha, ha, ha ! Haben Sie noch Fragen?“

„Ich habe Hunger! Wo gibt es hier was zu essen?“

Fortsetzung folgt

One Response to “20 - Die Mission”

  1. St.Kleinkrieg meint:

    Ich danke der Webregierung für ihre Zuwendung und Ausdauer im Anhören meiner Nörgelichkeiten und möchte mich an dieser Stelle, aufrichtig und tief bewegt für die aufopfernde Arbeit, nicht nur für mein exzentrisches kleines Sideprojekt, sondern auch für die Gestaltung und Beratung bei den MySpace Autritten meines Mutterschiffes und meiner Person, nicht nur bedanken, sondern auch beglückwünschen!
    Andere haben mehr oder weniger funktionierende Promoagenturen;
    wir haben die Webregierung!
    Sie lebe, Hoch, Hoch, Hoch
    St.Kleinkrieg

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