17 - Kopfrechnen schwach - Religion hinterlistig

März 13th, 2007 by St.Kleinkrieg

ein Alptraum als Fortsetzungsroman

Auf den Rängen der Miniarena war jetzt der Teufel los. Die im Outfit der Show gekleideten Mundschenke schwadronierten durch die Reihen der Zuschauer und gaben kostenlosen Gin aus. Sie trugen, einem Rucksack gleich, einen Blechkanister auf dem Rücken, an dem ein Schlauch mit Zapfverschluss angebracht war. Das Publikum hatte beim Betreten der Studioarena, pro Person einen Plastikbecher mit Klinik Roulette Logo erhalten und reckte diese wenn sie leergetrunken waren den wandernden Ginspendern entgegen.

Es war eine apokalyptische Atmosphäre, die mir aber immer mehr am Allerwertesten vorbeizog. Ich hörte das Gekreische und Gejohle der Menge nur noch im Hintergrund und führte es auf den nun unbarmherzig einsetzenden Totalausfall meiner Bauchspeicheldrüse zurück. Aus weiter Ferne vernahm ich :

„Det wird schon widda, gleich is et jeschafft!“ Dabei beugte sich Harald Juhnke über mich und klopfte mir auf den Rücken.

Das Not-OP TeamIn der Arena hatte vor Ort ein Notfallteam die Fernoperation zu retten versucht. Was aber misslang.

Das lag zum Teil auch daran das sie bei den Notfalleinsätzen Medizinstudenten aus den niedrigen Semestern Erstoperationen durchführen ließen.

Die supernervösen Studenten gaben dem angeschlagenen Kandidaten dann den Rest.

So auch in Fromm`s Fall.

Sie retteten zwar das wichtigste, die Leber, aber der Kandidat ging verschütt.

„Beruhigen Sie sich, meine Damen und Herren, so ist es eben bei Klinik Roulett. Alles ist Live und da können solche unappetitlichen Dinge schon einmal passieren. Nun ja, das Leben geht weiter; für uns jedenfalls, hä, hä und…...Ich meine, Doc Snyder; so was, ich hielt Sie immer für eine Koryphäe, aber das war hier kein Heldenstück.

SnyderHa, Ha, was für eine Fontäne!

Nun gut, genug gequatscht, die Show muss weitergehen und während unsere fleißigen Helferlein diese Sauerei hier wegputzen, darf ich Ihnen,mein liebes, abgefucktes Publikum einen weiteren Nervenkitzel der allerhöchsten Blasphemie ankündigen.

Bauchspeicheldrüse vs./ Lungenflügel.

Vorher aber noch zu Ihrem und meinem Vergnügen, die Zwetschgenwässerer Dompfeifen, mit ihrer wunderbaren Chorversion von „Wer wird denn hier Weinen“ Bitteschön!“ so leitete Biff Kravallo den nächste Programmpunkt ein.

In der Arena hatte ein Kinderchor Aufstellung genommen und intonierte das Klinik Roulette Lied. Die Mundschenke und Hostessen, die in den Zuschauerrängen unterwegs waren, verteilten Tomaten und anderes gestriges Gemüse um den Leuten die Gelegenheit zu geben ihre Sympathie für die Pausenclowns sichtbar auszudrücken. Ein Höllenspektakel das die Leute davon abbringen sollte, mit Münzen oder ähnlich gefährlichen Wurfgeschossen ihrem Blutdurst nachzugehen.

Dann kam mein Auftritt. Ich hatte den weißen Spieleroverall angezogen und der begleitende Arzt gab mir noch eine Spritze mit unbekanntem Inhalt. Schon stand ich vor dem Blutrad und der gleiche Film wie schon beschrieben spielte sich ab.

Jonas Brotolino, mein Gegenspieler, hatte keine Chance. Ich wurde von Biff unterstützt. Ich weiß nicht wie er es gemacht hat, aber ich habe gewonnen.

„Kopfrechnen schwach; Religion hinterlistig!“ Das war jahrelang die Meinung meines Klassenlehrers über mich und er hatte da auch nicht so ganz unrecht.

Aber hier beim „Blutspiel des Lebens“ hatte ich wohl richtig gerechnet und gewann die superintakte, nur 69 Jahre alte Bauchspeicheldrüse von Jonas Brotolino, der beim zweiten Versuch von Dr. Snyder aus Houston, Texas sein Leben ließ.

„I can`t understand this fucking Shit, it must be the fucking Robot, Fuck!” war sein einziger Kommentar zu seiner katastrophalen Leistung. Er dachte noch nicht einmal darüber nach das es vielleicht an seinem Zustand gelegen haben könnte. Der Mann war zweifelsfrei nicht mehr fähig, eine Operation zur Entnahme einer Bauchspeicheldrüse auszuführen. Selbst im Goldenen Handschuh auf St Pauli, hätte der Wirt in den lockeren 80er Jahren, des letzten Jahrtausends, auf ein Bestellung von Dr. Snyder geantwortet,: „Nix, du has` genoch, Alder!“

Egal. Ich war durch die Ereignisse und Eindrücke des hinter mir liegenden Tages, jeglicher Fähigkeit zum Empfinden von Mitgefühl beraubt und gab mich meinem Schicksal hin, das mich auf den OP-Tisch eines erstklassigen Ärzteteams führte und zwar hinter der Bühne. Die Operateure beugten sich über mich und es war wohl der Boss von ihnen, der mir versicherte das die ganze Sache eine Kleinigkeit wäre und ich mit größter Lebenserwartung und beschwerdefrei aus der Narkose aufwachen würde.

Er hob dann noch mal die Atemschutzmaske und ich schaute in das grinsende Gesicht von Professor Dr. Dr. Brune der mir ein Auge zukniff.

Dann setzte die Narkose ein und ich war weg.

Narkose Herr Kleinkrieg

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