16 - Houston wir haben ein Problem

März 10th, 2007 by St.Kleinkrieg

ein Alptraum als Fortsetzungsroman

„Einen wundschönen guten Abend Houston, wie geht es Ihnen, Dr. Snyder?“ fragte Biff Kravallo jetzt in Richtung Monitorwürfel.

„Äh, well, I `m fine, thank you!” antwortete Dr. Snyder und der Simultan Übersetzer sagte aus dem Off:
„Mh, nun, es geht mir gut!“

So ging das noch eine ganze Weile hin und her und Dr. Snyder verstärkte den ersten Eindruck den er gemacht hatte; er war stinkbesoffen. Er warf auch während des Interviews das letzte bisschen Contenance über Bord und ließ hemmungslos die Flasche im Virtuellen OP-Raum kreisen. Die beiden Schwestern hatten auch mächtig Schlagseite und Fromm konnte einem jetzt schon leid tun.

„Genug geplaudert, lassen Sie uns Taten sehen, wir brauchen eine Leber. Sie wird Herrn Fromm entnommen und er erhält dafür im Austausch das lädierte Leberlein vom Sieger der Runde; Schabowski! Auf geht`s!“

auf zur OPDas Licht in der Studioarena wurde gedämmt und nur der Op-Tisch auf dem Fromm festgeschnallt war beleuchtet. Auf dem Monitorwürfel der in der Mitte der Arenenkulisse, in der Luft zu schweben schien, sah man jetzt Dr. Snyder die großen Handschuhe anziehen und diese Maske aufsetzten die ihn in Echtzeit über Infrarotschnittstellen mit dem Op-Roboter verband. Er schwankte erheblich und als er das virtuelle Skalpell aufnahm, fiel es ihm erst mal aus der Hand. Die Schwestern konnten sich nicht mehr beruhigen, so sehr hatte sie ein Lachkrampf in der Gewalt.

„Gute Nacht, Onkel Otto das kann ja ein Schlachtfest werden!“ sagte neben mir Professor Brune sichtlich ergriffen. „Snyder kenne ich von mehreren Kongressen aus der jüngsten Vergangenheit. Klinik Roulett ist alles was sie ihn noch machen lassen.“ Er mimte dabei mit der Hand das Heben eines Glases und mehrfachen Trinkens.

„ Nur noch besoffen!“

Das Publikum hielt den Atem an und fast hätte man meinen können, so etwas wie Mitgefühl, ja Mitleid mit der betroffenen Kreatur, also Fromm, im Raum spüren zu können. Aber Snyder machte jetzt Faxen mit dem OP-Roboter, die ihm Lachsalven und Beifallsstürme einbrachten. Wer jemals in einem Japanischen Restaurant gegessen hat, weiß was ich meine. Diese geschickten Köche, die am Tisch, der gleichzeitig die Herdplatte zum Zubereiten der Mahlzeiten ist, mit ihren Rasierklingenscharfen Messern herumhantieren, als könne man sich gar nicht schneiden, waren wohl sein Vorbild. Er ließ das Skalpell einige male um die mechanischen Finger der Maschine wirbeln und warf es auch 2 oder 3 mal von links nach rechts, dann sagte er im breitesten texanisch:

O.K. I´m ready! Let`s rock!

“Dann los, wir brauchen den Preis, meine Damen und Herren, hinter der Bühne ist Schabowski schon operiert worden, alles ist glatt gegangen und das Implantat ist schon hier!“

Biff hielt die Leber, die ihm auf einem silbernen Kühltablett gebracht worden war in die Luft.

„Nein ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht…!“ schrie Fromm und das Publikum buhte aus tiefster Seele

„Schlappschwanz,....Feigling,...erst große Klappe, ...immer der gleiche Film…........u.s.w, u.s.w.!“ hörte man aus der Lärmkulisse heraus.

Die OP hatte begonnen. Auf eine Vollnarkose wurde verzichtet, es gab lediglich eine spinale Betäubung. Eine 12 cm lange Stahlnadel, direkt ins Rückenmark, durch die eine Betäubungsflüssigkeit gepumpt wurde. Der Kandidat blieb bei vollem Bewusstsein und konnte so den Eingriff mitverfolgen.

Der erste Schnitt kam routiniert und präzise. Das Volk johlte langsam los und Fromm, der ja nichts spürte quetscht förmlich seine Augen zu.

Die beiden OP Schwestern tupften, auch mit virtuellen Handschuhen ausgerüstet, professionell das Blut der ersten Schnitte weg. Die Leber lag frei. Dr. Snyder gab die Anweisungen auf englisch und Biff übersetzte diese dem aufmerksamen Publikum.

Plötzlich musste Dr. Snyder niesen und das hätte er nicht tun dürfen. Ich schätze die Blutfontäne war anderthalb Meter hoch, und während sich der Roboterarm in den Körper von Fromm reinbohrte, hörte man von Biff in der Arena:

„Houston, wir haben ein Problem!“

Fortsetzung folgt

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