11 - Keiner vermisst Jonas Brotolino

Februar 23rd, 2007 by webregierung

ein Alptraum als Fortsetzungsroman

Ich würde jetzt gerne schreiben das ich in Ohnmacht gefallen wäre oder das ich ausrastete; kann ich nicht. Ich blieb eigentlich ganz ruhig. Ich hatte schon zuviel erlebt, als das mich eine Wiedergängerei im Showgeschäft überraschte oder gar ängstigte.

„N`abend, die Herrschaften!“ presste ich heraus und schaute mir die beiden ganz genau an. Sie hatten sich eigentlich nicht groß verändert sondern sahen immer noch so aus wie ich sie seit unserer Zusammenarbeit Anfang und Mitte der Neunziger Jahre im Gedächtnis hatte.

Nur am Hemdkragen im Bereich des Nackens, bei Harald, am Blusenkragen bei Hilde, sah man ein kleines Stückchen Riffelschlauch, zwar Hautfarben, aber man sah ihn. Er ging direkt an beschriebener Stelle in den Körper.

Sie redeten zusammen mit Professor Brune und dem Oberarzt der Untersuchungskommission auf mich ein, ich machte aber gerade wieder die Erfahrung der sich verlangsamenden Zeit durch und hörte nichts.

„Na prima, da hat ja die Familienzusammenführung schon stattgefunden, soll ich Kaffee und Kuchen bringen lassen? Weiß er etwa schon alles?“ das war jetzt wieder die Stimme von Rolf der in einem Outfit, welches in den 70ger Jahren Elton John zu Ehre gereicht hätte in den Raum geschwebt kam.

„Bei aller Liebe, Kinder, ich habe hier einen Show Auftrag und der ist noch nicht erfüllt. Also auf die Plätze, fertig, los! Was fällt denn beim Kollegen Kleinkrieg bald aus?“

Diese Frage richtete sich an den Oberarzt der Untersuchungskommission, der antwortete schnell.

Wer will sich an die Organe klammern „Also die Bauchspeicheldrüse hat einen weg, da ist eigentlich in den nächsten Stunden mit einem Totalausfall zu rechnen. Allein die Aufregung, Gift für den Mann, da kann man nix machen!“

Das war also mein Ende. Vor der Teilnahme an der Weltweit berüchtigten Show, dem sogenannten „Bloodentertainment“, kackte ich schon im Backstagebereich ab.

„Quatsch, das kriegen wir hin; Spielerliste!“ sagte Rolf barsch und streckte seiner Sekretärin die Hand entgegen.

„Mh, Mh, Mh, ah, ha Hier, Jonas Brotolino, was für ein Name; 1a Bauchspeicheldrüse, Blutgruppe A Rh positiv, nicht verheiratet, keine sonstige Mischpoke die auf ihn wartet.

Wie für uns gemacht. Es wird ihn keiner vermissen . Los jetzt ; Showtime !!

Er stieß mich an Hilde und Harald vorbei in den Flur Ich hörte ich ein leises Zischen als wir sie passierten.

Die Klinik Roulettshow war in einem Miniaturkolosseum aufgebaut, auf dessen Zuschauerrängen aber immerhin noch 2500 Besucher Platz fanden . In der Mitte der Arena stand das „Blutrad“, ein riesiges Glücksrad mit Zahlen von 1- 10000.

Die Spielregeln sind schnell erklärt:

Zwei Kandidaten müssen gegeneinander drehen und die gedrehten Zahlen im Kopf zusammenrechnen. Wer die höchste Zahl hat, hat gewonnen. Sollte sich der Sieger verrechnet haben, gewinnt der Verlierer. Sollte sich der Verlierer in seiner ersten Rechnung auch verrechnet haben; beginnt es von vorn.

Das völlig hemmungslos besoffene Publikum rechnet natürlich immer mit und es ist ein Lärmpegel in dem Großraumstudio, der bestimmt nicht viel geringer ist als seinerzeit im echten Kolosseum.

Der Verlierer wird sofort von einem mit den neusten medizinischen Geräten ausgerüsteten Team vor den Augen der Zuschauer operiert und der Gewinner kommt so in den Genuss des Transplantats. Diese OP wird aber hinter der Bühne ausgeführt.

Für besonders schwierige Operationen werden sogenannte “Ferneingriffe“ unternommen das heißt; ein Spezialist für, sagen wir mal, Bauchspeicheldrüsen, arbeitet von Omsk aus mit einem Operationsroboter der im Klinik Roulett Studio aufgebaut ist. Man sieht ihn dabei wie er mit einer Gesichtsmaske und diesen komischen Handschuhen, pantomimisch die Operation ausführt.

Das Publikum versucht ihn dabei zu stören und schreit nach Kräften durcheinander und schon oft ist einem entnervten Spezialisten das Skalpell durchgegangen und er hinterließ ein Blutbad das dann mit frenetischem Beifall quittiert wurde.

„Herzlich Willkommen bei Klinik Roulett, meine Damen und Herren! Wir sind wieder soweit, es darf geblutet werden!“

Das war Biff Kravallo.

Und das verschlug mir nun wirklich die Sprache!

Fortsetzung folgt

One Response to “11 - Keiner vermisst Jonas Brotolino”

  1. Frank meint:

    Ob Stefan da den Hals aus der Schlinge bekommt!
    Albtraumszenario!
    Aber vielleicht gar nicht so abwegig in der heutigen Gesellschaft von Morgen. Und ganz ohne Organspenderausweis!
    Da bekommt der Spruch “innerer Werte” eine völlig neue Bedeutung!

    Bin schon auf die Fortseztung gespannt…

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