04 - Die Moellers sind komisch - Aber beide

Februar 2nd, 2007 by St.Kleinkrieg

Vater und Sohn - beide irgendwie....

Die Möllers sind komisch – Aber beide

Die Gänge der Behörde waren endlos, doch nach ca. 10 Minuten erreichten wir eine Doppeltür, die auf einen umzäunten Parkplatz führte. Robin schob mich auf einen dunkelgrünen Einsatzwagen der Dienststelle zu, in dem ein etwa 19 jähriger Wachmann vor sich hindöste.

„Wünsche gut geruht zu haben, Herr Wachmann!“ fauchte ihn der kleine Möller an und der gemaßregelte zuckte zusammen wie Zitteraal auf Land.

„Guten Tag, Herr Unteroffizier, habe nur mal nachgedacht.“ stotterte der Mann, mit dem ewigen entschuldigendem Tonfall der gequälten Kreatur.

Ich dachte: “Schöne neue Welt, eigentlich wird es wirklich Zeit den Planeten zu verlassen. Die Gören benehmen sich wie…....!“

Weiterkam ich nicht. Robin sagte: „Kleinkrieg, du gehst nach vorne, ich sitze hinter dir. Je weniger Theater du machst, desto schneller haben wir die Checkerei hinter uns. Es sind nur ca. 15 Kilometer.“

Er drückte mir den Kopf runter, so das ich ohne mich anzustoßen einsteigen konnte, schaltete den Beifahrerairbag mit einem süffisanten Grinsen aus und kletterte selber auf den Rücksitz.

„Abfahrt, Gesundheitscheck!“ „Jawohl, Herr Unteroffizier!“ schrie der Wachmann und startete das Fahrzeug.

Ich saß recht unbequem, wegen der Handschellen und mir fiel ein das die Überführungsfahrten laut Bildzeitung eine Verlustquote von 36% hatten, seit sie die Airbags für Probanden ausschalteten. Das sparte nicht nur Rente und Sozialhilfe, auch die Kosten für die Gesundheitsschecks waren knapp ein Drittel gefallen.

„Herr Wachmann das wird hier keine Verlustfahrt, der Mann kommt an!“ blaffte Robin den jungen Fahrer an. „Jawoll, Herr Uffz, habe Sie verstanden!“ gehorchte der Mann und schaute etwas länger als nötig in den Rückspiegel.

In der Dichte der vorangegangenen Ereignisse, hatten die Jungens auf eine Leibesvisitation verzichtet und ich plante schon mal das Szenario voraus, mit dem ich mich auf die Toilette verdrücken konnte, um meinen letzten Trumpf auszuspielen. – Ich hatte mir auf dem schwarzen Markt eine Sofortspritze mit Botox besorgt und wollte mich für den Gesundheitsscheck auf jeden Fall optisch ein wenig auf Vordermann bringen.
Das war ein gängiges Prozedere für alte Knaben wie mich und ich hatte nur meine Uhr und mein Zahngold, welches der Schwarzhändler mir eigenhändig entnahm dafür gegeben. Ein Spottpreis! Die Spritze hatte ich wohl verwahrt in meiner Lederjacke.

Die Fahrt verlief ereignislos und ich wusste sowieso nicht, wo die Untersuchung gemacht werden sollte, also war ich auch nicht überrascht, als wir auf einen Wirtschaftshof einbogen und Möller Junior verkündete: „Geschafft, wir sind da.“

Ich guckte aus dem Wagenfenster und wäre beinahe zur Salzsäule erstarrt.

Eine überdimensionale Werbetafel zeigte das jugendliche Gesicht von Rolf Möller, mit dem breitesten Grinsen aller Zeiten. Er hatte nebeneinander zwei Goldzähne und blonde Haare, war braungebrannt und meiner Meinung nach war er nicht die Spur gealtert. Er sah aus wie zu seinen besten Zeiten.

Neben seinem Werbegrinsen stand in pinkfarbener neonleuchterschlangenschrift auf der Tafel:

Rolf Möller präsentiert:
„Willkommen bei Klinik Roulette“- das TV Spektakel das an die Nieren geht.

Klinik TV - präsentiert von Rolf Möller

Jetzt wusste ich, ich war im Arsch!
Fortsetzung folgt

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