Bilderbuch der Großen Momente

November 28th, 2009 by St.Kleinkrieg

Gestern; 1988!

Es war 1988 und Extrabreit hatte, nach der als; “Das englische Album”, in die Geschichte eingegangen CD, “Sex after three Years in a Submarine”, die Segel gestrichen.
Ein schönes Sammlerstück und gar nicht mal so schlecht.
Wir waren getrennt und jeder ging seiner Wege. Ich hatte angefangen Demos aufzunehmen und diese Arbeiten wurden dann 1989 als “Vive la Ka Bum”, unter dem Projektnamen „Mona Liza Overdrive“, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Während dieser Zeit rief mich mein Freund Mack aus München an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte ein bisschen zu helfen, in seinem Studio; dem “Musicland”, würde eine Pressevorführung des ersten Keith Richard Soloalbums stattfinden. Er meinte sich zu erinnern, dass ich ein Fan von dem Gitarristen aller Gitarristen wäre und er bräuchte noch jemanden der die Bar betreute. Dabei habe er an mich gedacht und der oder das Event wäre schon am nächsten Tag.
Er hatte den Hörer des Telefons wahrscheinlich noch in der Hand, als ich schon die Fahrkarte für den Intercity nach München löste.
Ja, ich musste Zug fahren! Ich war pleite und hatte schon geraume Zeit kein Auto mehr.
Ich war gezwungen auf den luxuriösen Titel des “Herrn über Zeit und Raum” zu verzichten und mich in den Massentransit einzureihen.
Für mich ein furchtbarer Zustand von Herdenviehdasein. Lieber sitze ich in einem Stau in meiner eigenen Blechröhre, als mit ungebetenen Zeitgenossen und ihren Angewohnheiten in einem “Großraumwagen”.
Schon das Wort lässt mich frieren.
Uhuhuh, nicht drüber nachdenken, ich will ja auch was ganz anderes sagen.
DetzenAlso, ich kam in München an und mein Freud Detzen holte mich am Hauptbahnhof ab.
Detzen, ist dem ein oder anderen Leser dieses Digitalen Tabernakel aus meinen Erzählungen und Geschichten sicherlich bekannt und bedarf keiner weiteren Vorstellung, außer der vielleicht, dass er wirklich einer meiner besten Freunde ist.
Es nützt ja auch nichts wenn ich jetzt, in der Neuzeit, ein Profil über ihn anfertige denn die Geschichte die ich hier erzähle ist ja nun 21 Jahre her und jeder Mensch verändert sich im laufe einer solch langen Zeit.
Physiognomisch natürlich, aber auch Spirituell sollte sich da was tun.
Obwohl; wenn ich da so an Detzen denke: Physiognomisch – ja! Spirituell -.....?
Wir nahmen uns ein Taxi und fuhren zum Arabella Komplex in Bogenhausen, wo das Musicland Studio, das Mack gehörte, in einem Bunkerartigen Kellergeschoss untergebracht war. Hier hatten schon alle Größen der Internationalen Rock und Popgeschichte ihre Werke auf Band genagelt und das Studio strahlte vor Sternenstaub.
Led Zeppelin, T-Rex, Queen, die Rolling Stones, Extrabreit, nur um mal so ein paar zu nennen, gaben sich hier die Klinge in die Hand.
Wie sagte schon Benito M. von APSE?: „It`s good to be me!“

Wenn man die Eingangstür; eine massive, graulackierte Tresorstahltür, durch den Summer geöffnet bekam, ging es linksseitig eine steile Treppe 2 Geschosse tief in den Keller.
Die Treppenstufen waren mit Minilämpchen beleuchtet und der Teppichboden, mit dem das ganze Studio, inklusive der Treppe ausgelegt war, hielt sich im dezenten grau; war allerdings mit verschieden großen fünfstrahligen Sternen übersäht. Links und rechts der Treppe waren mit Leuchterschlangen umwickelte Geländer angebracht. Diese hatten aber keine Lauflichtfunktion, sonder beleuchteten nur still und andächtig die über ihnen aufgehängten Gold und Platin Trophäen der Internationalen Klientel des Studios, dessen Credo auf die Hauseigenen T-Shirts gedruckt war. „Gold and Platinum we deliver!“
Ich liebte dieses Studio und habe mich dort immer sehr wohl gefühlt.
Obwohl dieses Credo im Fall von Extrabreit zu versagen schien.
“Sex after 3 Years…“ ist auch dort von Mack gemischt worden und fristet heute ein Sammlerstück – Dasein, weit davon entfernt durch Edelmetall ausgezeichnet, seinen Erschaffern die Mühen und Kosten der Erstellung zurückzuerstatten.
Tja, man steckt nicht drin.

Weiter im Bericht:
Wir gingen die Treppe runter und begrüßten die Mack Familie.

Mackis Frau, Ingrid und die 3 Söhne, die alle im Studio mit dem anbringen von Deko beschäftigt waren.
Niemals hätte ich mir in den bitteren Jahren als Lehrling der Schaufensterdekoration, im Kaufhof zu Hagen, träumen lassen, dass ich die dort erworbenen Fertigkeiten einmal brauchen würde, um für mein Idol eine passende Umgebung zu schmücken, damit seine neue Platte den Medipahs vorgestellt würde.
Zur Erklärung: Medipahs sind die, sehr verachteten, aber durchaus benötigten Vertreter von Funk, Presse oder TV.
Medienpartner – kurz Medipahs
Es wurden Tücher und Totenköpfe und so ein Zeug verwandt und ich kann mich wirklich nicht mehr an alles erinnern, aber es sah sehr schön aus.
Dann kam die Blase der Journies und nahm die Tische ein.
Detzen und ich hatten die Schlagzeugkabine zu einer Bar umgebaut und eine Riesenbatterie von Alkoholika plus Coca Cola und Eis, zierte unsere Tische.
Im großen Aufnahmeraum waren Tische und Stühle aufgebaut, so das die versammelte Presse sich wie in einem Restaurant oder einer Bar ein paar Umsonstdrinks und die neue K.Richards Platte reinziehen konnte.
Mir war die Aufgabe zuteil geworden, das einzige Band immer wieder nach Ablauf, zurückzuspulen und neu zu starten.
Leute die hinterher, als der Meister anwesend war, mit dem Kopf und dem Spielbein wippten, forderten mich zu dieser Stund noch auf: “..den Quatsch leiser zu stellen!“
So sind sie. Nicht alle, aber die meisten.
Während das Band lief, mixten Detzen und ich hammerharte Drinks und der Gitarrist der Band die zur Zeit das Studio regulär nutzte, ich glaube John war sein Name, half uns dabei.
Die Band hieß „Goodbey Mr. McKenzie“ kam aus Schottland und die Sängerin sollte in ein paar Jahren bei „Garbage“ zu Weltruhm und einem schönen Vermögen kommen.
Das wusste sie aber da noch nicht und sie fiel auch nicht wirklich auf.
Tja, die Wege des Herrn…..........!
Ein sehr bekannter Radio und TV Moderator der damaligen Zeit, schlenderte dann an die Bar und orderte einen Whisky Cola, ohne Eis und brach sich vor lauter Vornehmheit und Getue fast die Oberlippe ab.
Er hatte mich erkannt und fragte wie ich denn zu dem Job käme.
Ich sagte scherzhaft, ich müsse meine Studiorechnung abarbeiten, was ihm zu einem müden, gelangweilten Grinsen mit angedeutetem Kopfnicken animierte.
Während ich die Mischung machte, hatte ich ihm den Rücken zugewandt und mir fiel eine seiner Kritiken über Extrabreit ein, die uns alle sehr verletzt hatte.
In diesem Punkt bin ich wie ein Elefant!
Ich vergesse das nicht!
Und wie Django: Ich vergebe nicht!
Ich sammelte den Speichel in meinem Mund und ließ ihm zusammen mit der Cola ins Glas laufen.
Eis drauf!
„Wohl bekommt`s!“
Er schob mit dem Drink ab! Arschloch!
Ich musste pissen und ging, um auf die Toilette zu gelangen, durch den Aufnahmeraum in den Aufenthaltsraum, wo sich Detzen aufhielt. Er hatte schon schwer geladen und grinste mich an.
„Diese Arschlöcher hier. Die denken, nur weil einer von `ne Schtones hier hinkommt, liegt das Koks auf `em Fußboden rum!“
Wir grinsten uns an und nahmen ein Memopapierchen mit, um es in der bekannt, berüchtigten Briefchenform zu falten, die den Kokainnisten zur Aufbewahrung ihres Stoffes dient.
Dann, auf der Toilette, ein bisschen Atta rein und hinterm Klo auf den Fußboden geworfen.
So, als hätte ein heimlicher Konsument sein Allerheiligstes leider verloren.
Wir mussten lachen.
Unbändig und in schäbiger Vorfreude auf ein Verbrechen, dass niemals geahndet wird.
Bitte glaubt mir, so etwas würde ich heute nicht mehr tun, aber damals war man eben nicht so zimperlich mit den Scherzen.
Wir kamen aus der Toilette und da stand Er.
Einen langen Zorromantel an, das Haar verwuselt und 3 Packungen Marlboro Red in der einen Hand.
Mein Idol!
Keith Richards – der Archetyp des Rockgitarristen – der Ayatollah aller Rock& Roller!
Ich war echt sprachlos und ich gebe es gerne zu : beeindruckt!
Dieser Mann hatte sozusagen das Buch geschrieben, dass alle anderen nur gelesen haben.
Er nahm keine Notiz von dem unbeholfen verborgenen Interesse das sein Auftritt für die Leute ausgelöst hatte.
Medipahs halten sich von Haus aus für Supercool und erliegen immer dem Glauben, dass alle Menschen gleich seien.
Sind sie aber nicht.
Der Stone war das alles gewöhnt und man kann sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie dieser Mann die Welt wahrnimmt, die sich seit Jahrzehnten um ihn dreht.
Mr. Richards ging dann in den großen Aufnahmeraum und setzte sich an den für ihn reservierten Tisch
Wir wollten ihm schnell Jack Daniels mit Coke mixen, weil wir natürlich meinten die Diät des Meisters zu kennen, aber der Chef der Virgin Plattenfirma winkte ab: „Das trinkt der nicht! Mein Gott, Kinder! Hier; dass ist im Moment auf der Speisekarte: Rebell Yell mit Ginger Ale! Rebell Yell gibt es nicht in München, wir haben die Buddel extra einfliegen lassen, also passt mir ja darauf auf.“
Ich schüttete ein gutes Quantum von der goldgelben Flüssigkeit in ein Cocktailglas und dann Eis drüber und dann dieses Ginger Ale. Ich schwöre: ohne Speichel, aber mit zitternden Händen. Dann trabte ich los und servierte dem Chef sein Getränk.
Der hob seine Hand, deutete ein nicken des Kopfes an und murmelte so etwas wie „Cheers!“
Ich ging dann wieder in die Drumkabine wo ich Detzen helfen musste Drinks zu mixen.
Die Medipahs hatten Geschmack an dem kostenlosen Zeug gefunden und legten richtig los.
Detzen war allerdings auch schon ziemlich weit rausgeschwommen und hatte alle Leinen gekappt: „Was trinkt denn dieser Kurt Richard da? Kenn ich nicht! Mal sehen wie das schmeckt!“
Sprach`s und lupfte die Rebel Yell Flasche an den Hals. Den Kopf im Nacken, meditierte er beim abpumpen der Flüssigkeit Fachmännisch über den Geschmack des uns unbekannten Stoffs.
Das hatte der Virgin Chef geortet; ich glaube sein Name war Udo Lange und Wut und Entsetzen breiteten sich über seinem Gesicht aus, was man ja auch ein bisschen nachvollziehen kann.
Er eilte zu uns und bat:“ Männer, lasst den Scheiß, es gibt nur die eine Flasche!“
„Ach, schleich dich, Junge!“ meinte Detzen nun ziemlich wankend und mit noch mehr Wasser im Zahn, als sonst seine Sprache färbt. „Da is noch genuch drin für den Kurt!“
Er grinste mich an und meinte „Los Kleinkrieg, ich mach mal ein Foto von dir und dem Herrn aus England!“
Da ich in Wirklichkeit ziemlich schüchtern bin und ganz besonders bei Gelegenheiten dieses Ausmaßes, wand und zierte ich mich. Wir waren in der Nähe des Tisches, wo Richards saß und ich sagte zu Detzen „Nee, komm das ist mir zu doof da jetzt hinzugehen.“
„Quatsch!“ meinte mein 1.90m großer Freund hob mich hoch und stellte mich hinter den Meister, der mit Hans Jörg Riemann, ein Scherge der BRAVO, in ein Gespräch vertieft war.
Das wäre ja schon peinlich genug gewesen, aber er krakeelte dann auch noch rum:
“ Macht ma` Platz, der macht hier einen auf Schüchtern; aber Morgen freut er sich über ein solches Foto!“
Alle guckten, es war nicht angenehm.
Es passierten dann noch einige wirklich lustige Dinge und es würde den Rahmen sprengen das alles hier aufzuschreiben, aber Detzen hatte recht!
Ich freute mich wirklich über das Foto und habe es oft rumgezeigt, bis mir diese Angeberei eines Tages peinlich war und es auch alle gesehen hatten.

Heute; 2009!
Gestern bekam ich eine E-Mail aus Los Angeles, von Mack der seine Schubladen aufgeräumt hatte und ratet mal was er für Fotos schickte?
Richtig, ihr Volltreffer!

Dabeisein

@ Detzen – Ich danke dir ,mein Freund, ich habe mich noch mal riesig gefreut.

Ach ja, dass könnte noch interessant sein:
Der aus TV und Radio bekannte Medipah, dem ich in den Drink gespukt hatte, den sahen wir noch; den Kopf tiefgebeugt und in die Schultern gezogen, die Hände beide an der Nase und einen Sturzbach von Tränen im Gesicht.
Er kam von der Toilette.
„So eine Schweinerei!“ presste er mit schmerzverzerrter Stimme hervor.
Ja, ja, man sollte seine Nase eben nicht in alles reinstecken, was andere so liegen lassen.

Allet Jute

November 9th, 2009 by St.Kleinkrieg

Die jetzige Regierung geht heute über diesen historischen Grenzübergang in Berlin, wo vor 20 Jahren die Massen in den Westen strömten.
Du gehst nicht mit, obwohl du auch eine Regierung bist.
Und zwar eine, die nicht abgewählt wird.
Du gehst in ein neues Lebensjahr und vor den Massen aus dem Osten schütze dich der Himmel.
Alles Gute zum Geburtstag!!
Die Webregierung lebe; Hoch!


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