Mich kennt jeder

Mai 22nd, 2009 by St.Kleinkrieg

Der Sommer steht vor der Tür.
Da gibt es nix dran zu rütteln. Das steht in meinem Kalender und auch in unser aller Hormonzirkus. Ich meine; man merkt doch auf, wenn die warmen Sonnenstrahlen all die verborgenen Schätze wieder ans helle Licht des Tagen ziehen.
Die Blumen in den Parks und alle Menschen, zeigen sich von ihrer sonnigsten Seite.
Besonders die Damenwelt enthüllt mach mal mehr, als nötig wäre.
Nun gut , wir wollen hier nicht Altmänner Phantasien durchkauen, sondern uns den „Melodien des Lebens“ widmen, die wie ein zarter Streich über eine Harfe in uns Gefühle und Erinnerungen an vergangene und besondere Moment anklingen lassen.
Pling!
Aber da der Sommer vor der Tür steht und die Webregierung in ihren wohlverdienten Urlaub fährt, stehe ich ohne meine besten Mitarbeiter, alleine in den verwaisten Büros des Spitzenblogs und weine leise vor mich hin.
Unter solch starken nervlichen Belastungen kann und will ich nicht wirklich arbeiten. Deshalb erzähle ich heute keine Geschichte aus meinem Leben, sondern eine, die mich schon mein ganzes Leben begleitet.
Oha, denkt der Leser, nu kommt`s!
Ob es sich hierbei um eine wahre Begebenheit oder nur um die durch ständige Kolportage, aufgeblähte Story eines, was weiß ich wie man das nennt, ist: überlasse ich eurem Scharfsinn und fange einfach an:

Es war ein wunderschöner Tag, so zwischen den Jahreszeiten; Spätsommer, Frühherbst.
Die Blätterwelt hatte einen Goldzauber über sich gestreift und die Sonne polierte diesen unablässig. Zu allem Glück kam auch noch, das es Sonntag war. Sonntag in einer kleinen Stadt.
In einem Vorort einer kleine Stadt.
Die Kirchenglocken läuteten um die guten und gläubigen Menschen an den Kirchgang zu erinnern. Bald würde in den wohlaufgeräumten Strassen der Gemeinde der Sonntagsbratenduft Hof halten.
Da trafen sich auf der Strasse die zur Kirche führte zwei alte Freunde.
Nennen wir sie der Einfachheit und auch des Datenschutz halber: Karl und Bernd!

Melodien des Lebens

„Mensch Karl, dass gibt es doch gar nicht. Wie lange ist das jetzt her? Ne, wirklich so lange haben wir uns nicht gesehen, ich freue mich. Was machst du den so immer?“
„Bernd, alte Baracke, hast dich auch nicht die Bohne verändert. Ja, wirklich, so lange ist das schon her. Nein, nein, nein, gibt es doch gar nicht!“
Die beiden alten Freunde freuten sich wirklich und wir wollen uns etwas diskret Abseitshalten um ihrem Freudentaumel aus dem Weg zu gehen. Man weiß ja das bei solchen Gelegenheiten auch die Sozialen Ränge erst einmal unauffällig überprüft werden müssen, um dann einzuschätzen mit wem man es da nun wieder zu tun hat.
Während des Begrüßungswiedersehenszeremoniell passierten unablässig eifrige Kirchgänger unsere beiden Freunde und alle; ausnahmslos alle Menschen, grüßten Karl!
Die Grußformeln variierten ständig:

„Moin Karl!“
„Hepah, Karl!“
„Hallo Karl!“
„Guten morgen, Karl!“

„Hallo Karl!“
„Karl, Shalömchen!“ um nur ein paar zu nennen.

„Sag mal Karl, um Himmels willen, dich scheint ja Hinz und Kunz zu kennen, dass gibt es ja gar nicht. Ich wohne ja schon 17 Jahre in dieser Gegend; gleich da in der Elmstrasse, aber mich hat ja noch keiner gegrüßt und ich kenne auch niemanden. Was machst du denn? Bist du berühmt?“
„Ha, Ha, Ha, nein, ich bin nicht berühmt. Ich bin bekannt! Mich kennt jeder! Auf der ganzen Welt kennt mich jeder. Wenn du das berühmt nennen willst; bin ich berühmt. Aber eigentlich für nichts was man tut. Ich bin einfach nur Karl und mich kennt jeder Mensch auf Gottes schöner Welt!“
Bernd guckte Karl zweifelnd an, als hinter Karl ein atemberaubende Blondine vorüberschwebte und gurrte: „Karl, Cherie, du bist der Beste!“
Karl lächelte Bernd an und zuckte mit den Schultern: „Ist nun mal so, kann ich nix dran machen!“
Bernd versuchte seine Fassung wiederzufinden und stammelte:
“Gut ja, gut, du bist bekannt, meine Güte so was?!....Aber alle Menschen auf der Welt…..“
„Alle Menschen auf der Welt kennen mich, da gehe ich jede Wette ein!“ ,unterbrach Karl das hilflose Gestammel seines lange nicht gesehenen Freundes, Bernd.
„Das glaube ich nicht!“, rief Bernd fasst verzweifelt, denn er hatte sich in all den Jahren ihrer Freundschaft; heimlich immer für etwas Besseres gehalten und war nun in seinem Welt und Wertebild, erschüttert.
„Hallo Karl, willst du heute zum Essen kommen?“ rief hinter den beiden eine Frau aus dem Fenster des Hauses vor dem sie standen und man konnte ganz deutlich den Rinderbraten riechen der in der Röhre schmorte.
„Nein, heute nicht!“ antwortete Karl und sagte zu Bernd,
„ Ich wette mit dir, um was du willst, dass auch der Papst mich kennt. Der Papst in Rom!“

Jetzt sah Bernd Land!
Der Papst, ein ziemlich seniler alter Mann, der sich in seinen langen Brokatgewändern, murmelnd im Weihrauchdampf halb dune gebetet hatte und sein Areal, den Vatikan, nur in Mega Begleitschutz verließ; konnte Karl gar nicht kennen!
Unmöglich!
„Top die Wette gehe ich ein! 10.000.- € Der amtierende Papst in Rom kennt dich nicht! Das sage ich; Bernd Schackanowski, Elmstrasse 667 in Weitweg!“
„Na gut.“ sagte Karl dabei lächelte er milde, so ein Lächeln dem man entnehmen konnte, dass diese Prozedur schon öfters von ihm durchgestanden worden war.
„Aber ich will kein Geld von dir. Wenn du verlierst und das ist sicher, zahlst du die Reisekosten und damit ist gut!“
Bernd wertete das jetzt als Rückzieher und wurde selbstsicherer.
„O.K., ich habe mich von Ulla getrennt und Urlaub habe ich auch noch zu kriegen, von mir aus können wir gleich losmachen. Wie steht es mit dir?“
„Kann mal jemand in meiner Firma anrufen, dass ich die nächsten Tage nicht komme?“ rief Karl mit zu Trichter geformten Händen in die Einfamilien Häuschensiedlung hinein und ein etwa 3o Faches Stimmengewirr antwortete:

„Klar, Karl! Wird gemacht!“
„Danke!“
sagte Karl laut, dann legte er seine Arm um Bernd und fragte; während sie die Strasse runtergingen.
„Du hast dich von Ulla getrennt? Das ist aber schade. Ihr wart doch so ein schönes Paar!“
Dabei nickte er unablässig grüßend nach links und rechts. Die Kirche war aus und die Gläubigen strebten ihren Heimstätten zu und alle, wirklich alle, kannten Karl und grüßten ihn.
„Na, wo soll es den hingehen, Karl?“ fragte der Taxifahrer in dessen Droschke sich Bernd und Karl auf dem Rücksitz eingefunden hatten.
„Zum Airport, bitte!“ sagte Karl.
Der Taxifahrer lächelte und sah mit einem Kopfschütteln via Rückspiegel auf Bernd und meinte: „Airport; wieder einmal nach Rom?“
„Yo, Rom!“ presste Karl hervor, während er sich den Sicherheitsgurt anlegte.
Das gab Bernd zu denken. Sehr zu denken!
„Hey, Karl! Alles frisch im Schritt?“ grüßte der Gepäckträger auf dem Flughafen und das Abfertigungspersonal am Counter rief der langen Schlage von wartenden Menschen zu:
„Würden Sie bitte Karl vorbeilassen; Danke!“
Die Leute gingen beiseite und unter: „Hi, Karl!“ und „Hallo, Karl!“ Grußformeln, checkten Bernd und Karl ein.
Dann bestiegen sie das Flugzeug nach Rom und der Pilot meldete sich über Lautsprecher:
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich auf unserem Flug nach Rom. Ganz besonders allerdings begrüße ich an Bord, Karl!“
„Hallo Karl!“ ca. 250 Passagiere des Fluges LH602 nach Rom im Chor
Bernd war in seinem Sessel zusammengesunken und litt an einer Schnappatmung, als die Stewardess Karl fragte:
„Karl, Moet ist leider aus. Tut es auch ein Heidsieg?“
Sie waren in Rom angekommen und die Zöllner begrüßten Karl, mit: „Bongiorno Carlo!“
Bernd sah fast alles verloren, doch da schöpfte er Hoffnung.
Eine Maschine aus Wien war gelandet und als ersten brachte man einen Rollstuhlfahrer von Bord.
Die gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten wies den Mann eindeutig als Blinden aus. Er hatte eine fast schwarze Brille auf und wurde von einem der Zöllner an den Ausgang gefahren, wo ihn wohl jemand abholen sollte.
Bernd dachte:
„Das ist zwar nicht ganz fair aber: Alle Menschen, heißt: alle Menschen!“
Da kann man keine Diskriminierungen von Blinden im Rollstuhl zulassen.
Die beiden Freund gingen an dem Blinden vorbei und Bernd öffnete gerade den Mund um einen Jubelschrei loszulassen, da bewegte der Blinde seinen Kopf und streckte die Nase nach oben, im Stevie Wonder Rhythmus hooverte er die Luft ein, dass man meinen konnte, das Ansauggeräusch eines 12 Zylinders zu hören.
„Karl? Jesses, Karl, bist du des? Natürlich, der Karl! Grüß dich, ma Liaber“ : striezelte er im breitesten Wianerdeutsch.
Bernd sabberte und verlor fast die Besinnung, vor Wut über den behinderten Wiener Rollimann.
Er hätte dem Typen eine zwischen die Zähne geben können.
Näher würde er den 10000.- € nicht mehr kommen, dass wusste er und der Rest der Reise mit Bus und Bahn zum Petersplatz, war eine einzige Niederlage für ihn.
„Chiao, Carlo!“
„Hello Charlie!“
“Charlo, com esta?” u.s.w.
Auf dem Petersplatz angekommen, sahen sie eine riesige Menschenmenge vor dem Balkon des Petersdoms versammelt.
Natürlich wurde Karl von jedem erkannt und sie einigten sich darauf, dass er einen Hut und ein Moskitonetz tragen dürfe, um die Gegenüberstellung mit dem Papst abzukürzen.
Diese Utensilien hatte Karl aus verständlichen Gründen immer am Mann.
Die Menschen reagierten in dieser Gottgefälligen Umgebung besonders überschwänglich, wenn sie Karl sahen und es hätte sonst Tage gedauert, jeden Gruß zu erwidern.
„Also Bernd, ich gehe jetzt in den Dom und bin in knapp 20 Minuten mit dem Heiligen Vater auf dem Balkon!“
„Ja, Ja!“ sagte Bernd, der nicht nur Jahre seines Lebens eingebüßt, sondern auch den Glauben an die Menschheit und ihrer Angehörigen ziemlich verloren hatte.
Er war; wenn es jemals ein Mensch war, Erschüttert!
Es kam wie es kommen musste:
Der Papst stand im vollen Ornat auf dem Balkon. Mit dem krummen Knüppel und dem Kaffeewärmer auf dem Kopf. Die Mensch applaudierten und sahen verzückt zu ihm hoch.
Als er sich dann nach hinten wandte und Karl bei der Hand nahm, seine Arm in den Himmel über dem Petersplatz reckte, ganz so wie der Schiedsrichter bei einem Boxkampf den Sieger ausruft, schrie er in die Mikrophone:
“Mein Freund – Kaaaarrrrllll! Urbi et Orbi! Karl, lebe hoch !“
Da nahm der Applaus einen Schallpegel an, als ob eine Horde Formel Eins Rennwagen durch dein Schlafzimmer fahren und die Trompeten von Jericho links und rechts in zweier Reihen stehen. Tausende Kehlen schrieen:
„Hallo, Kaaarrrlll!“ und applaudierten.

In diesem Moment sah Karl vom Balkon aus, dass sein Freund Bernd in Ohnmacht fiel und auf dem Petersplatz, zwischen all den Menschen aus Hunderten von Nationen, lang hingeschlagen war.
„Bernd, Mensch, Bernd! Was machst du denn? Du warst doch vorbereite, dass kann doch so überraschend nicht mehr gewesen sein. Junge, komm hoch!“
Karl war auf den Platz geeilt und beugte sich über Bernd, der nun das Bewusstsein wiedererlangt hatte.
„Here`s some Water, Karl!” sagte eine dicke Amerikanerin die in dem Menschenring stand, der sich um die beiden Freunde gebildet hatte. Karl gab Bernd einen Schluck aus der dargereichten Flasche, den dieser gierig trank.
„Nein, ich hatte mich damit abgefunden das dich jeder kennt.“
Stammelte Bernd nun in einer Mischung aus hoffnungsloser Ergeben und resignierter Weisheit. Dabei wischte er sich die Wassertropfen vom Kinn.
„Jeder, jeder jeder; auch der Papst! Das war alles keine Überraschung mehr.

Aber als mich der kleine Chinese neben mir fragte.:
“ Tschuligung, wel is del Mann neben Kall?“
hat`s mich umgehauen!“

E N D E

Der Flug in der Enterprise

Mai 14th, 2009 by St.Kleinkrieg

Wenn ich aus meinem Fenster schaue und das verspätete Aprilwetter beobachte, wünsche ich mir tiefen, dunklen November.
Richtiges Jackenwetter, mit Scheinwerfergrütze auf dem Asphalt.
Ist mir lieber als dieses Muschiwetter, dass sich nicht entscheiden kann.
Ich hasse diese Blitzwechsel, von Sonnenschein auf dunkle Regenphasen, wie die Pest.
Na ja, ich habe mir ja so ein paar Reisstrohmatten als Rollos gekauft, um die Sonne vom Fernseher fernzuhalten; lass ich die eben runter und versuche mich an die Zeit zu erinnern, als Wetterfühligkeit ein Begriff war, der für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen eine Rolle spielte.
Aber nicht für mich.
Es war ein goldener Herbst und ich befand mich im letzten Quartal meiner Soldatenzeit.
„Im Feldquartier, auf hartem Stroh, da sing ich meine Lieder….!“
Nein, so war es nicht; nicht ganz. Ich hatte zwar eine heftige Zeit mitgemacht, mit „Unerlaubtem Entfernen von der Truppe“ und allerlei Schnick – Schnack, aber darüber will ich vielleicht ein anderes mal schreiben.
Heute erzähl ich euch die Geschichte vom „Flug in der Enterprise“

Melodien des Lebens

Ich war zum Wochenende aus der Kaserne gekommen und hatte vor, mit meinem Freund Käptn Horn, so richtig einen draufzumachen.
Durch irgendeine Publikation hatten wir erfahren, dass im Sauerland ein Rockfestival stattfinden sollte. Oder so was ähnliches. Es war gepaart mit einer großen Kirmes. Da diese Geschichte wirklich über 30 Jahre her ist, möge man mir verzeihen, wenn ich die genaue Örtlichkeit nicht mehr so parat habe. Ich glaube, es war irgendwo in Lüdenscheid.

Guter Reim – „Eine kleine Örtlichkeit – irgendwo in Lüdenscheid.“
Das wird mir die angeschlagene Musikindustrie aus den Händen reißen, sobald ich es vertont habe….!

Egal, wir hatten uns also mit irgendjemandem, im Auto, auf den Weg gemacht um Zeugen dieser Volksfestartigen Darbietungen zu werden und um im Schutz der versammelten Öffentlichkeit Drogen zu konsumieren, um uns auf unsere Art so richtig zu Amüsieren.
Zu diesem Zweck hatten wir; von einem Stadt – und uns bestens bekannten Drogenhändler, 4 allerliebste Löschpapiere gekauft.
Das waren zu der Zeit sehr beliebte LSD Darreichungen. Der Stoff war auf den Filz geträufelt und man schluckte das kleine Papierchen runter. Das ging wie nix Gutes und es hieß: warten bis die Wirkung einsetzte. Die konnte man dann nicht mehr bestimmen und ich sage mal so; dass ein oder andere Mal wäre es besser gewesen ich hätte den Filz weggeschmissen und mich nüchtern und unbedröhnt meinem Schicksal ergeben. Aber was will man machen!
Wir waren jung und brauchten den Rausch.
Ich ganz besonders, denn ich war nach einem Jahr Bundeswehr schon ziemlich matschig und das einzige was mir eine Perspektive war, war diese Band die ich mit dem Käpt`n zusammen starten wollte. Ich kann heute im Rückblick nicht mehr sagen wie weit unsere Pläne diesbezüglich gediehen waren, aber er war schon Teil unseres Lebens geworden, der große Plan von der Band!
Der Käptn und ich; wir waren zwei im Drogenkonsum erfahrene Leute und zeichneten uns durch unsere maß und stilvolle Art, mit den Mächten der Bewusstseinserweiterung umzugehen, aus!
Immer Cool und auf Distanz zu den Giften, aber interessiert. Sehr interessiert!
Ich hatte, besser ging es gar nicht, bei meiner Tätigkeit als Truppensanitäter einen Kurs im Blutabnehmen gemacht und Injektionsnadeln zogen mich magisch an.
Ja, ihr denkt jetzt. “ Gott; gibt der an!“
Stimmt aber.
Ich war durch reinen Zufall, an eine oder mehrer Schachteln Valeron Ampullen, einem Opium Derivat gekommen und wir hatten es uns nicht nehmen lassen, meine, auf Staatskosten erworbenen Fähigkeiten, im Umgang mit Medizinischem Gerät zu testen. Tolle Sache!
Ich war ein Naturtalent und wir waren „Gefahrensucher“, immer bereit jeden Selbstversuch mitzumachen, der uns der „Bewusstseinserweiterung,“ oder der „Bewusstlosigkeit“ näher brachte.
Multitoxikologische Forscher mit spirituell, psychedelischem Hintergrund, am Rande der Unendlichkeit!
Da fällt mir ein…...!
Es gehört jetzt eigentlich nicht zu dieser Geschichte, ist aber ganz lustig, so das ich das mal eben hier loswerden muss:

Es geht dabei um Injektionsnadeln und die blitzartige Wirkung, die präzise gesetzte Spritzen mit brisanter Ladung haben können.
Ich war, wie gesagt, bei den Sanitätskräften der Bundeswehr und hatte diesen Lehrgang zum Blutabnehmen mitgemacht. Das wird an einem künstlichen Arm, der auf ein Holzbrett geschraubt ist, geübt. Der Arm hat eine Hornhautumbrafarbene Vinylhaut und unter dieser, Gummischläuche, die Venen darstellen sollen. In diesen künstlichen Adern ist Kunstblut das der Proband mit seiner neu erworbenen Fingerfertigkeit und einer Bundeswehreigenen Spritze aus dem Kunstarm raussaugen soll.
Eigentlich Pippileicht, aber wie alles dauert das bei der Bundeswehr seine Zeit.
Kurz, ich hatte diesen Lehrgang erfolgreich abgeschlossen und musste jetzt im Krankenrevier des Sanitätsbereiches die morgendlichen „Blutsenkungen“ bei den Patienten machen, bevor der eigentlich Sanitätsbetrieb losging.
Ich arbeitete mich also mit meinem Unteroffizier durch die Arme der armen Kameraden, als wir von der Putzfrau der Standortverwaltung angesprochen wurden.
Der Sanitätsbereich wurde von Zivilangestellten der Standortverwaltung gereinigt.
„Hey, Jungens ich bin heute so nervös, also so richtig blöde, habt ihr nich` irgend ein Mittel für mich ?“
Der Unteroffizier, ein feiner Kerl, aber auch keine große Leuchte, grinste verschlagen und sagte: „Ja, aber sicher Gnädigste, da habe ich genau das richtige. Und der Obergefreite Klein kann Ihnen das auch gleich geben. Der hat ja jetzt seinen Lehrgang hinter sich gebracht, soll er mal zeigen ob er das auch umgekehrt kann. Ha ha, ha, ha!“
Die Reinigungskraft, mit dem schönen Namen, Frau Matuscheck, setzte sich auf die Behandlungsliege im Behandlungsraum und machte den Arm frei. Der Uffz. zog irgendwas auf die Pumpe und band ihr mit diesem Adernabbinder den Arm ab. Ich wollte noch sagen:
„Ja, aber das dürfen wir doch gar nicht, Herr Unteroffizier!“ da hatte mein Vorgesetzter mir schon die Gun in die Hand gedrückt und zeigte mit einem eiskalten Kopfnicken und den Worten, “Feuer frei!“ auf Frau Matuscheck.
Feuer freiDie Ader lag dick, blau und glänzend im Scharnier des Putzfrauenarms und ich war mir sicher, die würde ich nicht verfehlen.
Mein Professioneller Ehrgeiz bahnte sich seinen Weg und ich dachte nicht mehr lange nach. Ihr habt doch sicher Bekannte oder Verwandte die in Pflegeberufen oder Sanitätseinrichtungen arbeiten? Ja; dann wisst ihr auch, dass solche Leute eigentlich immer die besseren Ärzte sind; oder sich immer dafür halten.
Ich machte da auch keine Ausnahme.
Diese Frau war nervös, abgespannt und vielleicht auch mit ihrem Leben nicht im Reinen.
Da muss man doch helfen! Da kann man doch nicht abseits stehen!
Ich konnte helfen, also tat ich es auch.
Was ich der guten Frau da geschossen habe, weiß ich nicht, aber als der Uffz. mit den Worten:
„Und ab die Post!“ den Adernabbinder löste, sackte Frau Matuscheck wie vom Blitz getroffen, bis auf ihren Bauchnabel in sich zusammen und wir konnten von Glück sagen, dass sie ihren Schrubber wie eine Lanze in der einen Hand hielt. Das gab der geschundenen Frau die einzige Stabilität die sie vor dem hinschlagen auf den Fußboden rettete.
„Ach du Scheiße! Frau Matuscheck? Frau Matuscheck? Is` Ihnen jetzt besser? Nich` mehr so nervös?“ fragte der Uffz. ziemlich dämlich und wieselte beflissen um die angeschlagene Reinigungskraft herum.
Ich stand; sinnbildlich, mit der rauchenden Waffe neben dem Behandlungstisch und war erschüttert.
„ Ahahahaha! Waaass maach ihh mi miie?“ war alles was Frau Matuscheck mit einer Morlockstimme hervorbrachte, als ob ihr Gaumen mit Moltofill ausgespachtelt und ihre Zunge mit Rübenkraut gefüllt worden wäre.
Dabei guckte sie mit solch trüben Augen pfostengleich vor sich hin, dass man dachte, sie hätte ihr eigenes Aufwischwasser getrunken.
Ein Speichelfaden sabberte auf ihre geblümte Schürze.
„Waaas maaach ihh mi miie? Ahahahahah“ war alles was sie noch sagte und klang dabei, wie ein Steifteddy, der schon lange nicht mehr gebrummt hat; dann versuchte sie es sich auf der Behandlungsliege mollig zu machen.
Aber das war die Rechnung ohne den Unteroffizier, der jetzt disziplinarische Folgen auf uns zukommen sah.
Auch ich sah mich schon vor einem Peloton, mit oder ohne Augenbinde. Das auch mit Recht, denn es war strengstens verboten Behandlungen ohne Arzt vorzunehmen und solche eine „Narkotisierung“ sowieso.
„Klein, hol die Klamotten von Frau Matuscheck, die muss weg, ehe der Hauptfeld und die Ärzte hier sind! Schnell, schnell!“
Die Vertuschung der bösen Tat begann.
Ich rannte in den Putzfrauenaufenthaltsraum und holte den Mantel und den Hut und die Handtasche der Putzfrau und wir zogen ihr das Zeug an.
„Waaaass maach ihh mi miie? Aahahaha!“ war dabei die ständige Melodie die, die alte Matuscheck flötete.
Gruselig!
Wir schleiften sie die Treppe runter und der Uffz. sprach in dem Tonfall, mit dem man sonst mit Kindern oder Haustieren spricht: „So, Frau Matuschek, gehen Sie mal schön nach Hause; heute putzen wir selber. Legen Sie sich ein halbes Stündchen hin, dann wird Ihnen schon wieder besser werden. Alles wird gut. Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen! Sprechen Sie mit keinem!“
Ich bewunderte die Kaltschnäuzigkeit dieses ausgebufften Hundes.
Wir beobachteten aus dem Geschäftszimmer, im ersten Stock des Sanitätsbereiches, wie die gute Alte den Weg runterschwebte. Mit butterweichem Gang, den Hut, wie John Wayne im Nacken; schaukelte sie mit ihrer Handtasche, am langen Arm, durch den Kasernenbereich, auf die Laterne, vor dem großen Tor zu.
Geschafft, sie war weg!
Ich fragte den Unteroffizier was wir ihr denn eigentlich verabreicht hätten. Er guckte mich mit Verschwöreraugen an und sagte: “Das willst du gar nicht wissen!“
Wir gingen wortlos an unserer Arbeit.
Am nächsten Tag kam sie mit dem „Du, du, du!“ Finger auf uns zu;
„Ihr seid mir die Richtigen! Was habt ihr mir denn da gegeben? Ich habe den größten Krach mit meinem Mann; hab ja den ganzen Tag im Bett verbracht. Konnte gar nicht Kochen. Nein, nein, nein, wenn man euch auch schon mal braucht!“
Der blanke Undank!

So; dass nur mal am Rande, um euch den leichtfertigen Umgang mit Drogen zu schildern, der damals so herrschte.
Ich meine, ich schreibe hier über die 70ger
Unnötig zu sagen das diese Geschichten einer dunklen Vergangenheit angehören und nicht zum Nachahmen empfohlen werden.
Aber es ist ja keiner zu größerem Schaden gekommen, also; was soll`s?

Auf nach LüdenscheidZurück zum Rockfestival mit angeschlossener Kirmes in; vermutlich, Lüdenscheid, oder Weitweg.
Schon vor der Fahrt, im Auto des Unbekannten, der uns zu dieser Veranstaltung fuhr, hatten der Käpt`n und ich jeder einen ganzen Filz geschluckt, denn wir wollten ja drauf sein wenn wir ankommen.
Aber es tat sich nichts.
Im Körper nichts Neues
Wir waren eine ganze Weile unterwegs gewesen und der Käpt`n sah sein
Wochenendvergnügen schwinden.
Die nackte Verzweiflung schwang in seiner Stimme:

„Merkst du was? Ich merke nix! Gar nix! Oder doch? Ne ; war nix. Scheiße, das sind Blindgänger, Mist!!“ so ging das die ganze Zeit.
Ich merkte aber auch nix.
Nicht die Bohne. „Los, Stefan, gib mir den andern auch noch, vielleicht klappt der ja. Dieser Dealerarsch, versaut einem das ganze Arrangement; ich hatte mich schon so gefreut !“
Ich auch und deshalb schluckte wir jeder noch den anderen Trip.
Nix passierte.
Wir waren angekommen und es war ein richtiges Volksfest mit Fressbuden und Karussells.
Jede Menge Menschen und am Ende des Platzes war ein riesiges Zelt aufgebaut. Von da kam ohrenbetäubender Lärm.
Das Rockfestival!
Ein ungefähr 30,2 Meter lange Schlange von Menschen wartete auf den Einlass. Wir stellten uns auch an. Jetzt ging es ganz schnell, alle gingen rein. Nur; bevor ich die Zelttür passieren konnte, senkte sich ein Arm, zu dem normale Leute Bein gesagt hätten und versperrt mir den Weg.
„Halt, er’s ma watten, bis dat Volk sizt!“ sagte ein als Ordnungskraft angestellter Rocker, von einem Körpermaßindex, der den Alditaschenrechnerspeicher mühelos überfordert.
Ich guckte so vor mich hin, als ich eine glühendheiße Woge durch meinen Körper schießen spürte und auch hörte! Die Schädeldecke würde sich lösen, um dem Hirn ein wenig frische Luft zu gönnen; so ein Gefühl!
Eben: Die perfekte Welle!
Ich dreht mich zum Käptn der einen puterroten Kopf hatte und mit einen Popeygrinsen „Endlich !“ hervorstieß.
Die Droge hatte also angedockt! Wir waren im Geschäft. Jeder 2 Trips unbekannter Durschlagskraft, auf einen Zeltfestival in den Tiefen des Sauerlandes, in einer Schlange vor einem Bierzelt, das von Monstern bewacht wurde!!
Jetzt nur nicht nervös werden!
„Na, dir geht es aber auch nich so; wa?“ fragte das Monster vor mir, „Dann ma rein!“
Er hob den Beinarm und der Käpt`n und ich flutschten durch und waren im Zelt.
Irgendeine Band spielte, ich weiß nicht mehr wer, aber es waren 2 Bühnen. Eine Große an der Stirnseite und eine kleinere an der Längsseite des Zeltes.
Wir suchten uns den damals üblichen Platz auf dem Fußboden; ja, das war da noch so. Auf jeden Fall dort im Sauerland und besorgten uns dann jeder ein Bier.
Die eine Band hatte aufgehört und sofort fing an der anderen Seite eine andere an zu spielen.
Auch die sind mir bis heute unbekannt geblieben und wir bewegten uns nicht von der Stelle.
Ich kann mich nicht mehr an irgendwas erinnern was da überhaupt geschah, ich weiß nur das ich alles SUPER DUPER fand.
Ich meine, wir waren so toxisch das Luftholen schon eine absolute Sensation war.
Dann kam es.

ES!

Auf der Bühne, vor der wir saßen, hatte sich eine Band breitgemacht, deren Namen mir bekannt war. Ich wusste aber nicht was die spielten. Es war “Novalis“ eine Schlaubergerband mit Merkrock und tiefen Inhalten.
Eigentlich nicht so mein Gelände.
SchmetterlingIch kann mich beim besten Willen nicht an Gesichter, oder Musik erinnern, nur an diese eine Textzeile:

“Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken….!“

Ich dachte damals: „Wow, das ist es“ Wahnsinn !!“
Es durchbohrte mich wie die Injektionsnadel den faltigen Arm von Frau Matuscheck und
mir kam diese Zeile wie die Antwort auf meine Fragen, wie die Antwort aller Fragen überhaupt vor.
Weltumspannend und Universumsweit!
Die Rettung der Menschheit und ihrer Angehörigen!
Ich wollte mich dem Käpt`n mitteilen, aber der schrie und schunkelte mit seinem Bierbecher in der einen, einem Joint in der anderen Hand und ebenso bedienten Narkoopfern um die Wette, so das ich meine übersinnliche Erkenntnis für mich behielt.
Novalis waren fertig; jetzt auch mit ihrem Programm und es bahnte sich eine Pause an.
Wir gingen auf den Kirmesplatz und der Käpt`n wollte nach all „...dem lahmen Zock, jetzt mal so richtig was auf die Lampe!“ haben.
EnterpriseSo gingen wir auf ein Karussell zu, dass den Namen „Enterprise“ trug und setzten uns in eine der zahlreichen Gondeln, die an einem riesigen Rad befestigt waren.
Man saß in Fahrt, oder Flugrichtung, hintereinander und die Gondel war durch ein Chromrohrgitter geschlossen.
Es war die Gondel zur Hölle, sage ich euch.

Ich saß hinter dem Käpt`n und wer das nicht erlebt, oder auch nur gesehen hat, kann sich nicht vorstellen was das heißt auf Narko solch einen Flug, mit solch einem Käpt`n zu machen.
Das Rad kam langsam in Fahrt, dabei wurde die Gondel von der Fliegkraft fast in die waggerechte gestellt. Dann aber erhebt sich das Rad an einem Arm und der ganze Flug geht senkrecht und Überkopf -Rasend schnell! Immer rum! Bim, Bam, Bum! Bim, Bam, Bum!
Dabei lief brüllend, Trommelfellzerfetzend laut:

Manfred Mann`s Earthband: – „Dave is on the Road again
(„David hat den Führerschein wieder.“)

Immer wenn ich heute dieses Lied höre, muss ich mich irgendwo festhalten.
KäptnDer Käptn hat so vor Vergnügen geschrieen, dass der ganze Kirmesplatz unsere Reise in den Sauerlandhimmel mit größtem Vergnügen verfolgte.
Ich dachte nicht mehr. Ich fühlte nicht mehr. Ich war ganz Angst und Entsetzen!
Endlich, endlich, endlich, hielt die Enterprise ganz langsam und ich wollte nur noch raus auf den sicheren Boden.
Da wiederum hatte ich die Rechnung ohne den Space Käpt`n gemacht.
„Neeieieieieieiennnn, wir fahren noch mal! Der nackte Wahahahahansinnnn Stefffaaan, stell dich doch nicht so an
Er hielt die Chromgitter zu und ich saß halbtot in dem hinteren Sessel als die „Enterprise“ zum erneuten Start ansetzte.
Jetzt spielte der Kirmesmann an der Kasse:

BACHMAN TURNER OVERDIVE – BA, BA, BABY, YOU AIN`T SEEN NOTHING YET!

Unfähig mein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, hörte ich jetzt nicht nur die Schmetterlinge lachen, dass könnt ihr ruhig glauben.
Ich erspare mir jetzt den näheren Bericht über den zweiten Flug, aber ich glaub, nach der vierten Runde, habe ich auf dem Kirmesplatz Frau Matuscheck gesehen, die mir die Zunge rausstreckte.
Zurück im Zelt lagen wir mit einer Horde angeknallter Leute vor der kleineren Bühne auf der jetzt Gary Moore mit einer angegrauten Band auftrat.
Ja, dieser Gary Moore! Ich glaube es handelte sich um „Kolosseum“. Der Mann spielte wie ein vom Wahnsinn besessener. Ich bin kein Fan, aber der kann wirklich Gitarre spielen.
Am besten fand ich noch sein Outfit; er hatte eine goldene Lederjacke an und ein Tee Shirt, auf dem stand „Fuck & Shout!“

Wir haben alles überlebt und sind dann auch wieder nach Hagen gekommen. So wie immer. Am nächsten Tag kaufte ich die Platte von „Novalis.“
Ich habe sie nur einmal gehört und mich dann ein bisschen dafür geschämt, das ich dieses Schmetterlingslied gut fand.
Es war der Beweis das Drogen das Hören oft negative beeinflussen.

Nüchtern war der Zauber verflogen.
Die Musik war indiskutabel.
Die Zeichen der Zeit waren andere.

Heute, 30 Jahre, oder über 30 Jahre später bin ich im Internet auf den Text des Schmetterlingsliedes gestoßen und es ist nicht, wie seiner Zeit vermutet, von dem Dichter Novalis, sondern von Carlo Karges; unserem Carlo Karges, mit dem ich schon ein paar Jahre später eine Platte aufnehmen sollte, die mein ganzes Leben auf eine Flugbahn bringen würde, gegen die der Flug mit der „Enterprise“ eine Schiffschaukeltour mit halber Kraft war.

Ich habe das Gedicht, denn das war es wohl, dann noch mal gelesen und ich fand es einfach nur schön.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse, die in den vielen Jahren zwischen dem ersten hören und Heute stattgefunden haben, klingt vor allen Dingen die letzte Strophe stark in mir nach.

Manchmal kommen sie zurück; diese unendlichen Weiten.


stats7598