Mich kennt jeder
Mai 22nd, 2009 by St.KleinkriegDer Sommer steht vor der Tür.
Da gibt es nix dran zu rütteln. Das steht in meinem Kalender und auch in unser aller Hormonzirkus. Ich meine; man merkt doch auf, wenn die warmen Sonnenstrahlen all die verborgenen Schätze wieder ans helle Licht des Tagen ziehen.
Die Blumen in den Parks und alle Menschen, zeigen sich von ihrer sonnigsten Seite.
Besonders die Damenwelt enthüllt mach mal mehr, als nötig wäre.
Nun gut , wir wollen hier nicht Altmänner Phantasien durchkauen, sondern uns den „Melodien des Lebens“ widmen, die wie ein zarter Streich über eine Harfe in uns Gefühle und Erinnerungen an vergangene und besondere Moment anklingen lassen.
Pling!
Aber da der Sommer vor der Tür steht und die Webregierung in ihren wohlverdienten Urlaub fährt, stehe ich ohne meine besten Mitarbeiter, alleine in den verwaisten Büros des Spitzenblogs und weine leise vor mich hin.
Unter solch starken nervlichen Belastungen kann und will ich nicht wirklich arbeiten. Deshalb erzähle ich heute keine Geschichte aus meinem Leben, sondern eine, die mich schon mein ganzes Leben begleitet.
Oha, denkt der Leser, nu kommt`s!
Ob es sich hierbei um eine wahre Begebenheit oder nur um die durch ständige Kolportage, aufgeblähte Story eines, was weiß ich wie man das nennt, ist: überlasse ich eurem Scharfsinn und fange einfach an:
Es war ein wunderschöner Tag, so zwischen den Jahreszeiten; Spätsommer, Frühherbst.
Die Blätterwelt hatte einen Goldzauber über sich gestreift und die Sonne polierte diesen unablässig. Zu allem Glück kam auch noch, das es Sonntag war. Sonntag in einer kleinen Stadt.
In einem Vorort einer kleine Stadt.
Die Kirchenglocken läuteten um die guten und gläubigen Menschen an den Kirchgang zu erinnern. Bald würde in den wohlaufgeräumten Strassen der Gemeinde der Sonntagsbratenduft Hof halten.
Da trafen sich auf der Strasse die zur Kirche führte zwei alte Freunde.
Nennen wir sie der Einfachheit und auch des Datenschutz halber: Karl und Bernd!

„Mensch Karl, dass gibt es doch gar nicht. Wie lange ist das jetzt her? Ne, wirklich so lange haben wir uns nicht gesehen, ich freue mich. Was machst du den so immer?“
„Bernd, alte Baracke, hast dich auch nicht die Bohne verändert. Ja, wirklich, so lange ist das schon her. Nein, nein, nein, gibt es doch gar nicht!“
Die beiden alten Freunde freuten sich wirklich und wir wollen uns etwas diskret Abseitshalten um ihrem Freudentaumel aus dem Weg zu gehen. Man weiß ja das bei solchen Gelegenheiten auch die Sozialen Ränge erst einmal unauffällig überprüft werden müssen, um dann einzuschätzen mit wem man es da nun wieder zu tun hat.
Während des Begrüßungswiedersehenszeremoniell passierten unablässig eifrige Kirchgänger unsere beiden Freunde und alle; ausnahmslos alle Menschen, grüßten Karl!
Die Grußformeln variierten ständig:
„Moin Karl!“
„Hepah, Karl!“
„Hallo Karl!“
„Guten morgen, Karl!“
„Karl, Shalömchen!“ um nur ein paar zu nennen.
„Sag mal Karl, um Himmels willen, dich scheint ja Hinz und Kunz zu kennen, dass gibt es ja gar nicht. Ich wohne ja schon 17 Jahre in dieser Gegend; gleich da in der Elmstrasse, aber mich hat ja noch keiner gegrüßt und ich kenne auch niemanden. Was machst du denn? Bist du berühmt?“
„Ha, Ha, Ha, nein, ich bin nicht berühmt. Ich bin bekannt! Mich kennt jeder! Auf der ganzen Welt kennt mich jeder. Wenn du das berühmt nennen willst; bin ich berühmt. Aber eigentlich für nichts was man tut. Ich bin einfach nur Karl und mich kennt jeder Mensch auf Gottes schöner Welt!“
Bernd guckte Karl zweifelnd an, als hinter Karl ein atemberaubende Blondine vorüberschwebte und gurrte: „Karl, Cherie, du bist der Beste!“
Karl lächelte Bernd an und zuckte mit den Schultern: „Ist nun mal so, kann ich nix dran machen!“
Bernd versuchte seine Fassung wiederzufinden und stammelte:
“Gut ja, gut, du bist bekannt, meine Güte so was?!....Aber alle Menschen auf der Welt…..“
„Alle Menschen auf der Welt kennen mich, da gehe ich jede Wette ein!“ ,unterbrach Karl das hilflose Gestammel seines lange nicht gesehenen Freundes, Bernd.
„Das glaube ich nicht!“, rief Bernd fasst verzweifelt, denn er hatte sich in all den Jahren ihrer Freundschaft; heimlich immer für etwas Besseres gehalten und war nun in seinem Welt und Wertebild, erschüttert.
„Hallo Karl, willst du heute zum Essen kommen?“ rief hinter den beiden eine Frau aus dem Fenster des Hauses vor dem sie standen und man konnte ganz deutlich den Rinderbraten riechen der in der Röhre schmorte.
„Nein, heute nicht!“ antwortete Karl und sagte zu Bernd,
„ Ich wette mit dir, um was du willst, dass auch der Papst mich kennt. Der Papst in Rom!“
Jetzt sah Bernd Land!
Der Papst, ein ziemlich seniler alter Mann, der sich in seinen langen Brokatgewändern, murmelnd im Weihrauchdampf halb dune gebetet hatte und sein Areal, den Vatikan, nur in Mega Begleitschutz verließ; konnte Karl gar nicht kennen!
Unmöglich!
„Top die Wette gehe ich ein! 10.000.- € Der amtierende Papst in Rom kennt dich nicht! Das sage ich; Bernd Schackanowski, Elmstrasse 667 in Weitweg!“
„Na gut.“ sagte Karl dabei lächelte er milde, so ein Lächeln dem man entnehmen konnte, dass diese Prozedur schon öfters von ihm durchgestanden worden war.
„Aber ich will kein Geld von dir. Wenn du verlierst und das ist sicher, zahlst du die Reisekosten und damit ist gut!“
Bernd wertete das jetzt als Rückzieher und wurde selbstsicherer.
„O.K., ich habe mich von Ulla getrennt und Urlaub habe ich auch noch zu kriegen, von mir aus können wir gleich losmachen. Wie steht es mit dir?“
„Kann mal jemand in meiner Firma anrufen, dass ich die nächsten Tage nicht komme?“ rief Karl mit zu Trichter geformten Händen in die Einfamilien Häuschensiedlung hinein und ein etwa 3o Faches Stimmengewirr antwortete:
„Danke!“
sagte Karl laut, dann legte er seine Arm um Bernd und fragte; während sie die Strasse runtergingen.
„Du hast dich von Ulla getrennt? Das ist aber schade. Ihr wart doch so ein schönes Paar!“
Dabei nickte er unablässig grüßend nach links und rechts. Die Kirche war aus und die Gläubigen strebten ihren Heimstätten zu und alle, wirklich alle, kannten Karl und grüßten ihn.
„Na, wo soll es den hingehen, Karl?“ fragte der Taxifahrer in dessen Droschke sich Bernd und Karl auf dem Rücksitz eingefunden hatten.
„Zum Airport, bitte!“ sagte Karl.
Der Taxifahrer lächelte und sah mit einem Kopfschütteln via Rückspiegel auf Bernd und meinte: „Airport; wieder einmal nach Rom?“
„Yo, Rom!“ presste Karl hervor, während er sich den Sicherheitsgurt anlegte.
Das gab Bernd zu denken. Sehr zu denken!
„Hey, Karl! Alles frisch im Schritt?“ grüßte der Gepäckträger auf dem Flughafen und das Abfertigungspersonal am Counter rief der langen Schlage von wartenden Menschen zu:
„Würden Sie bitte Karl vorbeilassen; Danke!“
Die Leute gingen beiseite und unter: „Hi, Karl!“ und „Hallo, Karl!“ Grußformeln, checkten Bernd und Karl ein.
Dann bestiegen sie das Flugzeug nach Rom und der Pilot meldete sich über Lautsprecher:
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich auf unserem Flug nach Rom. Ganz besonders allerdings begrüße ich an Bord, Karl!“
„Hallo Karl!“ ca. 250 Passagiere des Fluges LH602 nach Rom im Chor
Bernd war in seinem Sessel zusammengesunken und litt an einer Schnappatmung, als die Stewardess Karl fragte:
„Karl, Moet ist leider aus. Tut es auch ein Heidsieg?“
Sie waren in Rom angekommen und die Zöllner begrüßten Karl, mit: „Bongiorno Carlo!“
Bernd sah fast alles verloren, doch da schöpfte er Hoffnung.
Eine Maschine aus Wien war gelandet und als ersten brachte man einen Rollstuhlfahrer von Bord.
Die gelbe Armbinde mit drei schwarzen Punkten wies den Mann eindeutig als Blinden aus. Er hatte eine fast schwarze Brille auf und wurde von einem der Zöllner an den Ausgang gefahren, wo ihn wohl jemand abholen sollte.
Bernd dachte:
„Das ist zwar nicht ganz fair aber: Alle Menschen, heißt: alle Menschen!“
Da kann man keine Diskriminierungen von Blinden im Rollstuhl zulassen.
Die beiden Freund gingen an dem Blinden vorbei und Bernd öffnete gerade den Mund um einen Jubelschrei loszulassen, da bewegte der Blinde seinen Kopf und streckte die Nase nach oben, im Stevie Wonder Rhythmus hooverte er die Luft ein, dass man meinen konnte, das Ansauggeräusch eines 12 Zylinders zu hören.
„Karl? Jesses, Karl, bist du des? Natürlich, der Karl! Grüß dich, ma Liaber
Bernd sabberte und verlor fast die Besinnung, vor Wut über den behinderten Wiener Rollimann.
Er hätte dem Typen eine zwischen die Zähne geben können.
Näher würde er den 10000.- € nicht mehr kommen, dass wusste er und der Rest der Reise mit Bus und Bahn zum Petersplatz, war eine einzige Niederlage für ihn.
„Chiao, Carlo!“
„Hello Charlie!“
“Charlo, com esta?” u.s.w.
Auf dem Petersplatz angekommen, sahen sie eine riesige Menschenmenge vor dem Balkon des Petersdoms versammelt.
Natürlich wurde Karl von jedem erkannt und sie einigten sich darauf, dass er einen Hut und ein Moskitonetz tragen dürfe, um die Gegenüberstellung mit dem Papst abzukürzen.
Diese Utensilien hatte Karl aus verständlichen Gründen immer am Mann.
Die Menschen reagierten in dieser Gottgefälligen Umgebung besonders überschwänglich, wenn sie Karl sahen und es hätte sonst Tage gedauert, jeden Gruß zu erwidern.
„Also Bernd, ich gehe jetzt in den Dom und bin in knapp 20 Minuten mit dem Heiligen Vater auf dem Balkon!“
„Ja, Ja!“ sagte Bernd, der nicht nur Jahre seines Lebens eingebüßt, sondern auch den Glauben an die Menschheit und ihrer Angehörigen ziemlich verloren hatte.
Er war; wenn es jemals ein Mensch war, Erschüttert!
Es kam wie es kommen musste:
Der Papst stand im vollen Ornat auf dem Balkon. Mit dem krummen Knüppel und dem Kaffeewärmer auf dem Kopf. Die Mensch applaudierten und sahen verzückt zu ihm hoch.
Als er sich dann nach hinten wandte und Karl bei der Hand nahm, seine Arm in den Himmel über dem Petersplatz reckte, ganz so wie der Schiedsrichter bei einem Boxkampf den Sieger ausruft, schrie er in die Mikrophone:
“Mein Freund – Kaaaarrrrllll! Urbi et Orbi! Karl, lebe hoch !“
Da nahm der Applaus einen Schallpegel an, als ob eine Horde Formel Eins Rennwagen durch dein Schlafzimmer fahren und die Trompeten von Jericho links und rechts in zweier Reihen stehen. Tausende Kehlen schrieen:
„Hallo, Kaaarrrlll!“ und applaudierten.
In diesem Moment sah Karl vom Balkon aus, dass sein Freund Bernd in Ohnmacht fiel und auf dem Petersplatz, zwischen all den Menschen aus Hunderten von Nationen, lang hingeschlagen war.
„Bernd, Mensch, Bernd! Was machst du denn? Du warst doch vorbereite, dass kann doch so überraschend nicht mehr gewesen sein. Junge, komm hoch!“
Karl war auf den Platz geeilt und beugte sich über Bernd, der nun das Bewusstsein wiedererlangt hatte.
„Here`s some Water, Karl!” sagte eine dicke Amerikanerin die in dem Menschenring stand, der sich um die beiden Freunde gebildet hatte. Karl gab Bernd einen Schluck aus der dargereichten Flasche, den dieser gierig trank.
„Nein, ich hatte mich damit abgefunden das dich jeder kennt.“
Stammelte Bernd nun in einer Mischung aus hoffnungsloser Ergeben und resignierter Weisheit. Dabei wischte er sich die Wassertropfen vom Kinn.
„Jeder, jeder jeder; auch der Papst! Das war alles keine Überraschung mehr.
“ Tschuligung, wel is del Mann neben Kall?“
hat`s mich umgehauen!“
Die Ader lag dick, blau und glänzend im Scharnier des Putzfrauenarms und ich war mir sicher, die würde ich nicht verfehlen.
Zurück zum Rockfestival mit angeschlossener Kirmes in; vermutlich, Lüdenscheid, oder Weitweg.
Ich kann mich beim besten Willen nicht an Gesichter, oder Musik erinnern, nur an diese eine Textzeile:
So gingen wir auf ein Karussell zu, dass den Namen „Enterprise“ trug und setzten uns in eine der zahlreichen Gondeln, die an einem riesigen Rad befestigt waren.
Der Käptn hat so vor Vergnügen geschrieen, dass der ganze Kirmesplatz unsere Reise in den Sauerlandhimmel mit größtem Vergnügen verfolgte.











