Nuerseltrinken im Madison

April 29th, 2009 by St.Kleinkrieg

Es waren wilde Zeiten ; die Anfänge unserer Band. Das hat bestimmt jeder von euch schon gehört. Vieles gerät auch immer mehr in Vergessenheit und manches, ist auch gar nicht wert, so erinnert zu werden, wie ich euch das hier zumute. Aber ihr sitzt ja vor dem Computer und lasst Gottes schöne Welt per Pixel auf eure Netzhaut strahlen, dann könnt ihr auch eine kleine Zeitreise mit mir unternehmen; nicht wahr?

Gut, wir bewegen uns in das Hagen der 80ger Jahre und besuchen den Probenraum der Gruppe Extrabreit.
Nach vielen Übungsräumen hatten wir nun eine Heimstadt gefunden, in der wir uns recht wohl fühlten und was noch wichtiger war, die wir 24 Std. frequentieren durften; am Ende der Sedanstr. Oder am Anfang je nachdem aus welcher Richtung man das Industriegebiet befährt.

Es war ein altes Gebäude der Bundesbahn, dass von einem Taxiunternehmer angemietet war. Der Mann war uns wohl gesonnen und hatte uns einen Teil des Etablissements zu einem vernünftigen Preis vermietet. Hier probten wir geraume Zeit und jetzt wo ich so daran zurück denke, fällt mir auf, dass wir diesen Proberaum mit Nopsy Laumann und auch nach Kai`s Wiedereintritt hatten. Welcher Sänger aber zum Zeitpunkt dieser Geschichte aktiv war, ist mir nicht mehr geläufig.

Der Proberaum sah fast wie ein Studio aus.
Mit sehr viel Fantasie. Die hatten wir!
Wir hatten auch vor uns ein solches einzurichten, aber es sollte bei dem Vorhaben bleiben.
Es handelte sich um 2 Räume. Ein kleiner, die „Regie“ und ein größerer, der „Aufnahme-“, sprich; Proberaum. Und eine eigene Toilette war auch dabei. Unbezahlbar!
Die „Regie“ war mit einem Fenster versehen worden. Das war die einzige Umbauarbeit die wir bewerkstelligt hatten

Halt; Rolf hatte, dass muss man ihm hoch anrechnen, die ganze Bude tapeziert und der Proberaum sah wirklich manierlich aus. Er hatte auch ein Teppichmosaik entworfen; was er aber ehrlich gesagt, nur alleine gut fand.
Mit Nopsy LaumannMan sieht es hier in einer Aufnahme mit der Band. Es ist das einzig erhaltene Gruppenphoto mit Noppsy Lauman.

Es diente aber der Tonqualität des Raumes und wurde deshalb akzeptiert.
Der „Regieraum“ war mit einer Tapete ausgestattet, die jedem Bordell zur Ehre gereicht hätte.
Leopard oder Tiger. An das genaue Tier kann ich mich nicht mehr erinnern, glaube aber ;Leopard.

Es standen jetzt, nachdem wir den Plan „Studio“ aufgegeben hatten 2 alte, mit dunkelbraunem Cordüberzug versehene Sofas darin.
Möbelruinen der 70ger. Wären heute Megacool!

Ich habe auch das ein oder andere Mal dort genächtigt. Gruselig, sage ich euch.
Aber wir hielten uns eigentlich immer nur in dem Aufnahmeraum auf, weil in der kalten, feuchten Jahreszeit hier ein Öloffen war, der einigermaßen für Wärme sorgte.
Während wir hier nun jeden Tag an unserer Perfektion feilten, freuten auch wir uns, wie alle anderen arbeitenden Bevölkerungsteile, auf das Wochenende.

1.)weil wir da meistens Gigs hatten und das brachte immerhin ein bisschen Geld.
2.)wenn nicht, gingen wir abends ins Madison!

Wenn zweitens angesagt war, fuhren wir nach der Probe, mit Hunters oder meinem Auto zur Disco und machten da den „Larry“, wie es damals hieß.
Das Madison war die Mordsmäßig angesagte Diskothek, die zu unseren Stammlokalen zählte.
Ich bin ja etwas aus dem Geschehen raus, aber meine Neffen erzählen mir, dass es auch heute in Hagen nur eine Disco gibt, die von Bedeutung ist. So war das Anno 1980 auch. Deshalb war Hagen ja auch als „Onediscotown“ berühmt, berüchtigt. Das war schon in den 70gern so. Es rannte immer nur ein Laden.

Zurück nach 80 und ins Madison.

Wir kannten das Personal, den Türsteher und die wechselnden DJ`s. Meist brauchten wir keinen Eintritt zahlen und etwa ein Jahr später hatten wir ein eigenes Regal, auf dem unsere eigenen Whiskyflaschen mit Namensschild standen.
Tja, Ruhm verändert alles!
(Ich glaube da hieß der Laden auch schon anders. Richtig, Hype! Passender ging es nicht. Aber die beste Zeit war im Madison.)
Es ist immer wieder abgefahren darüber nachzudenken:
Wir spielten die gleichen Lieder, nur kannte diese noch keiner so wirklich. Wir fanden die ja schon immer gut, aber dann sagte die Öffentlichkeit. “Jau, die sin` gut!“ und Bums; eigenes Regal, mit eigener Whiskyflasche; mit Namensschild!
Die Welt ist manchmal so albern und so schön!

Aber bis dahin sind es noch ein paar Monate, die einem im Rückblick wie Jahre vorkommen.

Wie singt Kai in: „Der letzte Schliff“? „....eine Woche war wie ein Jahr!“
Selten wahrere Worte über diese Zeit gehört.
So war es und wird es bleiben!
(Ich muss die Jungens doch mal eindringlich befragen, ob wir die Nummer nicht mal wieder spielen sollen.)

Wir gingen also nach der Freitäglichen Probe gutgelaunt ins Madison, um uns einen schönen Abend zu machen.
Das wir das konnten lag; trotz andauernden Geldmangels, an der genialen Trickbetrügerei die wir zu unserer Freude erfunden hatten: Dem Nürseltrinken!

Melodien meines Lebens

Spezialisten waren in dieser Disziplin; Hunter und ich . Ob die andern das überhaupt gemacht haben, weiß ich gar nicht.
Beim Nürseltrinken wird man zwangsläufig immer mutiger und landet hinterher mit etwas Glück absolute Volltreffer, in Form von „Frischgetränken.“

Nürseltrinken für Anfänger:

Ein Mann/Frau steht mit jemandem an der Theke und unterhält sich, vor ihm/ihr, Zigaretten, Getränk, Feuerzeug und so weiter. Als Fachmann weiß man, an der augenfälligen Beschaffenheit des Getränkes, abzuschätzen um was es sich handelt. Wodka Lemon, Gin Tonic, Campari Orange, u.s.w..
Mein Favorit zu dieser Zeit war Gin Tonic. Man trifft seine Wahl! Und leitet den Rauschdiebstahl geschickt, unauffällig ein, in dem man sich an die Person drängelt und in einem unbeobachteten Augenblick das Glas, mit dem auserwählten Stoff, nimmt und rasch leert.
Gluck, Gluck, Gluck und weg.
Das hier imitierte Geräusch des Schluckens, soll auch anzeigen, dass die bevorzugten Nürsel natürlich nur aus mal angenippten Gläsern waren, sogenannte „Speichelpfützen“ standen nicht auf dem Speisezettel.
Sollte, was wirklich so gut wie nie passierte doch mal einer sagen:
“Eh, das war mein Gin Tonic!“ , so sagte man mit dem größten Bedauern:
„Oh Alter, tut mir leid; wo ist denn meiner?“
Dann dreht man sich suchend, forschend in den Raum und taucht im Volk unter.
Bei einer Dame ließ man das „Oh Alter,...“ weg.
Oder wenn die bestohlene Person fragt:
„Wo ist denn jetzt mein Glas?“
Entrüstet antworten:
„Gute Güte, woher soll ich das denn wissen?“
Auch bei dieser unverschämteren Variante ist ein Standortwechsel sofort zu empfehlen.

Das war reinrassige Nürseltrinken, ohne doppelten Boden.
Eine Art Promille Raub.

Wenn man aber geschickt ist, kann man sich sogar hinter dem Rücken der Getränkebesitzer zuprosten und allerlei Unsinn machen.
Nürsel wegzischen und sich dann noch eine Zigarette aus der Packung klauen und den Typen nach Feuer fragen, gehörte zur Königsklasse.

Frischgetränke nuerseln„Frischgetränke“ Nürseltrinken, ist schwieriger und kann auch nach hinten losgehen.
Man sollte auf jeden Fall soviel Geld dabei haben, um im Falle des Entdeckt werden, ein neues Getränk kaufen zu können:

„Ist mir mehr als unangenehm, ich bestell dir sofort Ersatz!“
„Entschuldigung, ich dachte das wäre meiner!“
„Oh, Pardon, ich dachte der wäre mir jetzt von meinem Kollegen gesteckt worden!“

So, oder ähnlich wurde dann geschleimt.
Aber das ist so gut wie nie passiert, denn man war ja durch das vorhergehende „Reinrassige Nürseltrinken“ so duhn, das keiner mehr reklamierte.

Frischgetränke Nürseltrinken:
Man geht zu zweit auf einen Gast los, der justaamentee seine Bestellung erhalten hat. Supertyp 1 fragt von der Seite nach der Uhrzeit, oder irgend einer anderen Aufmerksamkeit ablenkenden Sache, während Supertyp 2 das „Frischgetränk“ Ext!

Das leere Glas ist alles was zurückbleibt!

So sehen Sieger ausAlle!
Dschinghis Khan kommt nach Hause und alles ist alle!

In den frühen Morgenstunden haben wir dann auch immer der Musik zugehört.
Manche DJ`s waren echt gut und spielten die Titel die wir liebten.
Aktuelle Scheiben, aber auch Stones und Glam aus den frühen 70gern.
Dann haben wir uns immer schön angeleuchtet in eine der Sitzmuscheln zurückgezogen, mit einem Bier, dass uns eine der Bardamen geschenkt hatte.
Sie wollten uns nach einiger Zeit nicht mehr am Tresen sehen.

Viele Gäste konnten sich das verschwinden ihrer Getränke nur mit dem Umstoßen der Gläser erklären; so geschickt waren wir.
Wir waren wie so Vampire an Bord eines Schiffes, man weiß da was, verdächtigt auch jemanden, aber man weiß nix genaues, außer das alles immer weniger wird.
Das fiel dann, unschöner Weise, irgendwie auf die Bardamen zurück.
Mädels; ich hoffe ihr hattet keinen Ärger.
Heute würde ich das nicht mehr machen, schon aus hygienischen Gründen.
Es würde auch gar nicht mehr funktionieren.
Ich war vor kurzem mal in einem Club.
Rauchen verboten.
Alle wissen kaum was sie mit den Händen tun sollen, deshalb halten sie die ganze Zeit ihr Glas fest.

Keine Chance für Nürseltrinker!

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Meine sehr verehrten Damen und Herren Spitzenblogbesucher,
hören Sie hier die klagende Melodie eines Sängers der, über all den Unbill des Lebens nicht verzweifelt, sondern alles glasklar auf sich zukommen sieht.
Krankheit, Arbeitslosigkeit, soziale Verelendung…...Freitod!

Scherz beiseite:
Hier präsentiert von APSE-Brasil
im Rumpelfreinen Royal Stereoton:
St.Kleinkrieg mit:
WER WIRD DENN WEINEN?

Den Lebenden Zur Mahnung

Lesen Sie die Geschichte und hören Sie gleichzeitig den dazu hergestellten Soundtrack!
Wenn Sie dann mit der Maus das Bild schnell rauf und runterbewegen ist das fast ein Actionfilm
HA, HA, HA!

ENJOY!
Ihr ergebener
Benito M. Ussolini
(Head of Monkey Bussines)

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Mein letzter Arbeitstag oder DING DONG

April 22nd, 2009 by St.Kleinkrieg

Hallo liebe Leute!
Hat der denn gar nix zu tun? Erst kommt jahrelang keine Geschichte und jetzt hetzt er sein krudes Zeug in unsere Wohnstuben!
Ja, das werden einige von euch so denken. Andere werden sicherlich milde amüsiert ein kleines Lächeln auf dem Gesicht haben, einen kleinen Luftstüber aus der Nase stoßen und sagen:

„ Ach Gottchen, der Kleinkrieg, sitzt er wieder mal in den Trümmern seiner Karriere und erzählt Geschichten vom Krieg!“
Damit wollen sie sich aber nur selber ein wenig erhöhen, was ja zur menschlichen Überlebenstaktik gehört und auch nicht so schlimm ist, weil mir solche Leute gelinde gesagt am Arsch vorbeigehen.

Ich sage euch, es gibt nichts schlimmeres als….......................!
Halt; beinahe wäre es passiert und ich hätte gegen einen eisernen, ungeschriebenen Grundsatz dieses Spitzenblogs verstoßen und niedere Lebensformen kritisiert, die auch nur ihr Dasein auf höchst kümmerliche, unehrenhafte Weise fristen.
Schluss damit, bevor es beginnt!

Aber es gibt bestimmt auch feine Zeitgenossen in der weiten, wunderbaren Welt, die sich ein wenig zerstreuen lassen wollen, für die ist diese Episode aus meinem Leben!

Mitgekriegt? weite wunderbare Welt – www. Tja, Schalalalalaubergerweb!

DING DONG !!

Was ich heute zum Besten geben werde, ist eine kleine Geschichte aus der großen Zeit, als der Sprit noch knapp eine Deutsche Mark kostete und Musik noch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft und für uns alle hatte. WWW war höchstens die Abkürzung für:

„Willi will Wodka”

Melodien meines Lebens

Wir rücken zurück in das Jahr 1980 und zwar in die kalte Jahreszeit.
Es war dunkel draußen und ich ging mit einem leichten Kater und flauem Magen, in Richtung Egge, einer kleinen verträumten Strasse meiner Elterlichen Wohngegend, wo ich den Abend zuvor mein Auto abgestellt hatte. Einen alten Ford Taunus. Was für ein Modell ist mir entfallen, aber es war ein 4türer und hatte zu seiner oberginfarbenen Metalliclackierung ein antrazythfarbenes Vinyl Dach.

Todschick!

Die Parkplatzwahl hatte ihren tiefen Grund. An dem Fahrzeug war die elektrische Startmöglichkeit kaputt, aber wenn man ihn anrollen ließ, sprang er sofort an und die Egge war eine kleine, sehr steile, nicht häufig frequentierte Strasse. Ideal für mein Problem. Anspringen musste er, denn ich war auf ihn angewiesen, um zur Arbeit zu gelangen.

Mein Job war; Auslieferungsfahrer für ein Hagener Dekorationsmittelgeschäft und ich war Tag für Tag mit einem 3 1/2 Tonner auf den Strassen; hauptsächlich im Ruhrgebiet, aber auch manchmal ins benachbarte Holland und Belgien; unterwegs, um Dekorartikel, Preisschilderbedarf, Ensopappen und allerlei Werkstoffe für Schaufenstergestaltungen, aber auch zirka 15 Kilogramm schwere Papierrollen für Bäckereien zuzustellen.

Diese Papierrollen sind in den Bäckereien immer auf einer Abrissvorrichtung angebracht und ich hätte niemals einen Gedanken an sie verschwendet, wenn das Leben, dass ja oft unberechenbar ist, mich nicht auf diese unwürdige Art und Weise mit ihnen zusammengebracht hätte.

Ihr kennt alle dieses Papier mit dem die Backwarenfachverkäuferinnen die Papptabletts auf denen die „Teilchen“ liegen geschickt einschlagen. Der Name der Bäckerei ist meist darauf gedruckt und manchmal auch blasse, blaue, rote, oder rosa Farbstreifen. Auch eine Art Comiczeichnung, von einem dicken Bäcker, der sich mit der einen Hand den Schnurrbart zwirbelt und die andere ausladend, einladend dem Betrachter entgegen streckt. Das alles ist eine Art Muster das sich alle 30 cm wiederholt
.

(Ich hoffe ihr wisst jetzt was ich meine. Ich kann nicht mehr!)

Da die Firma, für die ich der Ponyreiter war, diese Rollen wohl sehr günstig herstellte; oder vertrieb, war dieser Artikel ein Stück des Kerngeschäfts, also immer in rauen Mengen auf meinem Laster und ich verbrachte eine niemals zurückzuholende Lebenszeitspanne damit, diese Scheiß Rollen in beschissene Bäckereinen zu schleppen.
Ihr könnt mir glauben, ich habe sie gehasst, diese Papierrollen und selbst heute, fast 30 Jahre nach dieser demütigenden Erfahrung, legt sich ein Schatten auf meine Laune, wenn ich die Verkäuferin einer Bäckerei dieses Papier im großen Bausch abrollen sehe.

Was hatte mich aber in diese grässlich Lage gebracht?

Was zum Teufel war da falsch gelaufen?

Ich hatte mir doch gerade den Lebenstraum Nr. Uno erfüllt; oder der guten Ordnung halber, er war mir erfüllt worden und eine Langspielplatte mit meiner Band aufgenommen.
Es gehören ja immer mehrere zu einem solchen Unterfangen.
Ja, mir war schon damals klar, dass dieses Ding der Heuler war, sozusagen der Burner, aber der Rest der Bevölkerung und sogar die eigenen Bandmitglieder waren da anderer Meinung.

So hatte Carlo Karges direkt im Anschluss an die Aufnahmen zu „Ihre größten Erfolge“ die Band aus finanziellen Gründen verlassen. Wir waren ja erst gerade in den Klauen der Musikindustrie und unsere Einnahmen tendierten so was von in Richtung Null, dass ein Mann wie Carlo, der schon lange wirklich professionell Musik machte, es sich beim besten Willen nicht leisten konnte, diese Aufbauphase der Band mitzumachen. Seine Abschiedsworte an mich waren:

„Ihr werdet schon schnell einen Gitarristen finden der das gut machen kann. Ihr habt ja durchaus eine Zukunft zu bieten. Ich darf mich empfehlen und verabschieden und gehe nach Berlin, wo ich mit Ulla Meinecke eine Tour vorbereite. Mach`s gut!“ – Ich habe ihm dann noch in so eine Silberbrosche, die einem Namensschild ähnlich sah, dass mit diesen Weinlaubverzierungen umschmückt war, „EXTRABREIT“ gravieren lassen und ihm auch alles Gute gewünscht.

Er war ein feiner Kerl und ein exzellenter Musiker. Ich habe ihm; rückblickend, mehr zu verdanken, als ich es damals in der Lage war abzuschätzen. Wir haben uns dann noch oft in Berlin und Weitweg gesehen und über Musik und Gott und die Welt geplaudert. Er hat dann alles, was man sich wünschen kann, in der Popmusik erreicht und auch wieder verloren. – Das alte, klassische Spiel des „Lottokönigs“! Bei einem Kleinkrieg Gig spielte er auch mal mit.

RIP Carlo!

Kai Havaii verabschiedete sich dann auch kurz nach Carlo. Seine Gründe entnehmt bitte seiner Autobiographie „Hart wie Marmelade“, die den Lesern auch dieser Einrichtung, ein Begriff ist.

Käptn Horn war schon während der Aufnahmen zu „Ihre größten Erfolge“ durch Rüdiger Braune ersetzt worden und Rolf Möller saß jetzt hinter der Schießbude.
Wir waren schon durch die Zwischenphase des Wiedereintritts von Piet Wortmann und hatten uns von diesem und Ralf Teuwen verabschiedet.

„Das Karussell geht immer rundherum…..!“
Zum Zeitpunkt dieser Begebenheit spielten wir in der Besetzung: Hunter, Public, Rolf Möller, Stefan Kleinkrieg, Laui Laumann.

Mir fällt gerade auf das ich 3 Ehemalige aufgezählt habe, die nicht mehr am Leben sind.

RIP Hunter RIP Pete RIP Carlo

Das hat aber alles nichts mit dieser Geschichte, die ich eigentlich erzählen will, zu tun. Ich schweife nur zu gerne in die Anfänge ab und ihr seht, dass meine Gedanken immerzu bei dieser Band sind. Dieser Band; die mein und das Leben der hier erwähnten Personen, mehr bestimmt hat, als wir es uns je hätten vorstellen können. Kurz, es lief nur der Stromzähler.

So musste ich, um an schnöden Mammon zu kommen, eines Tages diesen Job machen zum Überleben.
Ich wohnte mal hier und mal da. Manchmal auch ein paar Tage, so wie zum Zeitpunkt dieser Ereignisse bei meinen Eltern, aber es war mir unangenehm ihre Fragen zu beantworten: „Na, was macht den Extrabreit? Wärst du besser im Kaufhof geblieben. Das wird doch nichts. Man hört ja so gar nichts von euch.“

Der Ford war angesprungen und ich fuhr zu der Garage, in der dieser LKW vollbeladen auf mich wartete.

Das Angenehme an diesem Job war, dass man sich seine Arbeitszeit selbst einteilen konnte. Ich konnte anfangen wann ich wollte und wenn ich schnell fertig war, kam ich wieder in das Lager, belud die Karre anhand der Lieferscheine mit der vorbereiteten Ware und konnte mich dann verpissen. Ideal für einen Musiker. Auch auf dem Firmengelände gab es einen kleinen Hügel von dem ich den Ford starten, beziehungsweise, anrollen lassen konnte. Tip Top!

An jenem Morgen war die Karre voll bis unters Dach und ich wusste das dieses wunderbare System der freien Zeiteinteilung, bei allem Glück das es gibt, heute versagen würde.
Es sah verdammt nach einem langen Tag aus.
Ich muss noch bemerken, dass ich den Abend vor diesem Tag das Fahrzeug nicht selber beladen hatte, sondern ein sehr netter Kollege, dessen Name mir in den knapp 30 Jahren entfallen ist.
Es waren Bäckerrollen, Bäckerrollen, Bäckerrollen

Mein Horrorartikel.

Ich karriolte also mit meiner papierenen Fracht durch das Münsterland und Ruhrgebiet und lud in elenden Käffern, die ich nie wieder danach sah; in elenden Bäckereien, diese Papierrollen ab, die dann als Einschlagpapier für „Teilchen“ auf einem Papptablett gebraucht wurden. Habt ihr in eurem Leben mal von einem Job gehört der wichtiger war?

JA! ( ) NEIN! ( )

Hier waren es mal 4 Rollen, mal 3 u.s.w., ganz unterschiedlich. Es lag wohl am Stauraum den die Bäckerei hatte und am Volumen des Verkauf. Manche fuhr ich in den knapp 6 Wochen, die ich diesen Job hatte, 3mal an, andere besuchte ich nur ein einziges Mal. So wie diese Bäckerei, die der Knackpunkt dieser Geschichte ist und welche die Geschehnisse einleitete, die dann zur Beendigung meines Arbeitsverhältnisses führten. Übrigens des letzten Bürgerlichen; was ich nicht ohne Stolz verkünde!

Ich sah auf den Lieferschein und traute meinen Augen nicht; Bäckerei Krümelmonster hatte 38 Rollen Papier bestellt und ich stand direkt vor ihr, um zu liefern.

„Guten Tag, Firma Schnattelhuber! Ich habe hier eine Lieferung Einschlagpapier. 38 Rollen, wo sollen die hin?“
„Mal langsam, junger Mann! Sie sehen doch das ich hier noch beschäftigt bin. Ich komme gleich auf Sie zu!“ sagte eine, mir als absolut unsympathische Kackbratze im Gedächtnis gebliebene, Bäckereifachverkäuferin.
Ich wartete ungehalten ca. 20 Minuten. Immer wenn sie von ihrer „Beschäftigung“, dem zusammenrechnen von irgendwelchen Zahlen aufsah und fertig zu sein schien, kam wieder so ein Kuchenjunkie aus der Umgebung und orderte Bienestich und ähnliche „Teilchen“.

Dann aber sagte sie mir, als ob es eine Gnade wäre:
„Der Opa ist ja jetzt tot und wir haben im 2ten Stock sein Zimmerchen als Lager vorgesehen. Bringen Sie die Rollen alle da hoch!“

2ter Stock! 38Rollen! Jede 15Kilo!

MAHLZEIT!

Ihr könnt euch jetzt ein Bild machen von dem frühen Feierabend und der Probe, die ich eigentlich mit den „Breiten“ abhalten wollte.
Ich wuchtete die ganze Scheiße in den 2ten Stock, in des toten Opas; der 2000 % tiger Zigarrenkettenraucher und auf jeden Fall Bettnässer gewesen war, altes Zimmerchen und stapelte die papierene Fracht in dem neuen „Lager“ der unsympathischsten Backwarenfachverkäuferinn des gesamten Universums. Als ich fertig war und ich meine, „Fertig“, sagte sie zu mir: „Ich habe Ihnen hier ein bisschen Gebäck vom Vortag eingepackt. Auf Wiedersehen!“

Ich hatte eine M65 (Armeefeldjacke) an, die Kutte war durchgeschwitzt und hatte den Geruch des „Lagers“, also Opas letzter Zuflucht, dem Zimmerchen, für immer angenommen. – Ich habe sie später weggeschmissen

Das Geschenk der Bäckersfrau war ein aus der Tüte herausragender Mohnstriezel, der meiner fachmännischen Meinung nach, vom Vor – Vortag war und es war auch schon nach 16:00h. Also ein drei Tage alter staubiger Augenwischer. Mit Mohnstriezeln kannte ich mich zu der Zeit bestens aus.

Ich schwieg und ging aus dem Laden, die 3 Stufen runter, auf den Vorplatz.

Neben dem Eingangsstufen war ein Gitterpapierkorb als Abfalleimer, der bollerte ein bisschen, als ich den steinharten Mohnstriezel hineinpfefferte. Ich bestieg meinen LKW, glühte den Diesel vor und quälte mich durch die Landstrassenlandschaft des Münsterlandes. Es waren ja noch Jahrzehnte abzuwarten, ehe es Navigationsgeräte gab.

Als ich endlich die Firmengarage erreicht hatte, kam der nette Kollege, dessen Name mir entfallen ist, auf mich zu und sagt: „Klein, sofort zum Alten. Dicke Luft!“ Ich erspare mir persönlich und euch jetzt die demütigende Strafpredigt des „Alten“ aber es ging um den Striezel und zwar deutlich. Die Kackbratze hatte den Schmetterwurf gesehen, fühlte sich in ihrer Großzügigkeit nicht recht gewürdigt und hatte mich bei der Geschäftsführung denunziert.

Ich kam zurück in die Garage und der nette Kollege half mir die Karre zu beladen. Diesmal waren keine Rollen dabei und anhand der Ladeliste würde ich am nächsten Tag früh Feierabend machen können.

Ich war so sauer ob der Vorkommnisse, dass ich wohl die Ladetür des LKW nicht richtig zugemacht habe.

Der TatortAm nächsten Tag sah ich im Rückspiegel, die Last die ich geladen hatte, auf der Boeler Kreuzung, Schwerterstr. / Dortmunderstr., liegen. Es waren mehrere Kartons mit Papptellern, die alle durch meine forsche Fahrweise von der Ladefläche, durch die unzureichend gesicherte Ladetür geschleudert wurden und beim Aufprall auf die Strasse, aufgeplatzt waren.

35.000 Stück !

DING DONG

Ich fuhr einfach weiter und wurde später von der Polizei gestoppt.
Ein Feuerwehrräumkommando musste die Kreuzung sperren und die Waren einsammeln.

Die Versicherung hat beanstandungslos gezahlt.

Es war mein letzter Arbeitstag.

Melodien des Lebens

April 20th, 2009 by webregierung

Hoch verehrtes Publikum!

Die Zeiten werden härter, der Wind er kommt von vorn`!

Weil St.Kleinkrieg momentan einen Erinnerungsschub erleidet, werden wir in absehbarer Zeit, eine größere Anzahl vor Memories auf den Schirm bekommen. Um das als einzigartiges Event zu kennzeichnen, haben wir uns entschlossen eine eigene Rubrik als Unterabteilung in den “Betrachtungen eines mittleren Charakters” einzurichten.

Sie wird den Titel, “Melodien des Lebens” tragen und damit einen Zyklus einläuten, dessen Tragweite heute noch nicht zu abzusehen ist.

Melodien des Lebens

Wir wünschen Euch und euren Angehörigen Gute Unterhaltung und verbleiben mit den besten Empfehlungen,
Euer Literarisches Team der Internationalen Webregierung:

Benito M. Rodruigez
(Head of Monkey Business)

Neulich anne Tanke

April 16th, 2009 by St.Kleinkrieg

Hallo liebe Leute

Ich habe mich heute mal wieder erleuchtet und dabei ist mir eine kurze Geschichte eingefallen, die ich nach langer Abstinenz von den Betrachtungen auf den Bildschirm schweißen möchte.

Es war irgend ein Gig gewesen, der nicht so weit von Hometown entfernt war. Man hatte also das Risiko, des Drink & Drive berechnet, war gewarnt worden , hatte die Warnung in den Wind geschlagen und…. gesiegt! Keine Kontrolle, keine Polizei; alles richtig gemacht!

Der Mietwagen war mit seiner kostbaren Fracht, an den Tatort des Verbrechens zurückgekehrt und stand nun zum Auftanken an der bekanntesten Tankstelle Hagens.
Bekannteste; jedenfalls für Mietwagenkunden und Unterhaltungsschaffende.

Seit Jahrzehnten steuern; wir hier, von unserem Verein, den Sprittempel in den unmöglichsten Morgen-, Abend- und Überstunden an, um das Fahrzeug, dass uns für begrenzte Zeit, Hort, Heim und Beförderung war, aufzutanken, und an seinen Besitzer, die Mietwagenfirma, zurückzugeben.

In den verschiedensten Zuständen seelischer und physischer Beschaffenheit und zu den verschiedensten Jahreszeiten.
Diesmal war es Sommer.

Der Tankvorgang war abgeschlossen und ich war es, der mit der bandeigenen EC Karte zur Begleichung der Treibstoffschuld schritt.

Diese Tankstelle gibt es schon solange ich unterwegs bin, also auch schon damals, zu Zeiten des “Picadilly”. Jenes legendären Nachtclubs, dessen Räumlichkeiten gegenüber der Tankstelle, also auch in der Hindenburgstr, heute von einem Möbelgeschäft entweiht werden. Das dürfte aber nur den Rentennahen Bevölkerungsteilnehmern unter euch noch ein sehnsuchtsvoller Begriff sein. Laaaange vor der „Neuen Heimat“ die das “Pink`s Place” ablöste, welches der Nachfolger des “Pic” war und uns dann alle mit in die Neue Zeit nahm! Heiliger Boden für Generationen der Hagener Nachtjacken und Schnapsdrosseln.
( Mein Gott, wo sind sie hin, die schönen Jugendjahre…?)

Zurück zur Tanke und Schluss mit der Romantisierung der Vergangenheit.
Obwohl Nietzsche ja sagt…...:

“Der Mensch lebt nicht für die Zukunft, sondern er lebt dafür, dass er eine Vergangenheit hat!“

Huhuhu!

Diese Tanke gehört zum Aral-konzern und hat alle betrieblichen Moden und Umbauarbeiten, und was weiß ich nicht für Imagewechsel des Unternehmens mitgemacht. Sie war früher auch beliebter Anlaufpunkt, um an der „Heißen Kiste“, einer Frittenbude Extraordinär, eine doppelte Currywurst mit doppelt Pommes und Zigeunersoße und Gurken zu bestellen. Das gab es nur hier. Nirgendwo habe ich auf meinen verworrenen Pfaden durch unsere Republik ein solches Gericht bestellen können – Nirgendwo auf der Welt!
Und glaubt mir; ich war überall!!

Jetzt erstrahlte sie im Glanz einer Raumschiffskantinenaustattung und hatte auch „Coffee to Go“ im Angebot. Die Geißel der Neuzeit! Also was für Schicke, Trendy, Party People, die mit Crack und Exstasi voll geknallt, Knabberzeug und Kippen einkaufen.
Zum Chillen!

Gott strafe sie mit Einsicht; auf dass sie ihr frevelhaftes Treiben ins Unglück stürze und sie Buße tun, im Angesicht des Herrn.

Egal, ich wollte Frieden schaffen, durch bezahlen und so näherte ich mich der Kasse in dem gleißend hell erleuchteten Verkaufs- und Kassenraum der aufs modernste ausgestatteten berühmtesten Hagener Tankstelle.

„Morgen; die 7.“

Der Kassierer musterte mich eindringlich.

„Gibt’s euch eigentlich noch?“

Arhg!! Ignorantenpack!

„Natürlich, Alter! Was denkst du denn. Wir werden ja immer besser!

Wir kommen ja gerade vom Gig in Weitweg. Da draußen ist doch der Rest der Gang. Wir haben `nen neuen Vertrag bei der Weltfirma Rodeostar und spielen wie die Erlkönige die Rep. rauf und runter. Hamburg. München , Mannheim, Oer-Erckenschwick.
Hier in Hagen sind wir a .........!“

Texaco„ Nee, ich meine das da! Da; das!“ unterbrach er meinen Redefluss und zeigt mit seinem widerlichen, knotigen Ölfinger auf meine linke, obere Brust.

„Hab ich schon ewich nich mehr gesehen! Ich frage nur aus rein beruflichem Interesse!“

Es war Sommer und ich hatte ein kurzärmeliges Arbeitshemd mit zwei Schulterklappen und zwei verschließbaren Brusttaschen an.

Über der linken Brusttasche war das Firmenlogo der TEXACO angebracht.
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„ Is irgendwas, Stefan? Du bist so still.” fragte mich ein musternder Rolf.

„Nö, lass wacker machen, ich will ins Bett!“

„War doch mal wieder ein Super Gig in Weitweg!“ meinte Bubi, der den Wagen auf den Hof der Autoverleih Firma steuerte.

„Ja,“ sagte ich: “ein Super Gig!“

Das hat sich alles an den Original Schauplätzen ereignet und sämtliche Personen lebten und leben noch!

Schon wieder Geburtstag

April 14th, 2009 by St.Kleinkrieg

Heute begehen wir; wie immer zu dieser Zeit im Jahr, den Tag der Geburt unseres allseits geschätzten:
Kai Havaii!
Herzlichen Glückwunsch, alles Gute und viel Kraft für die kommenden Aufgaben.

Frohe Ostern

April 11th, 2009 by St.Kleinkrieg

Ich wünsche Euch allen, ein Frohes Osterfest.
Urbi im Orbit!!


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