Der Flug in der Enterprise

Mai 14th, 2009 by St.Kleinkrieg

Wenn ich aus meinem Fenster schaue und das verspätete Aprilwetter beobachte, wünsche ich mir tiefen, dunklen November.
Richtiges Jackenwetter, mit Scheinwerfergrütze auf dem Asphalt.
Ist mir lieber als dieses Muschiwetter, dass sich nicht entscheiden kann.
Ich hasse diese Blitzwechsel, von Sonnenschein auf dunkle Regenphasen, wie die Pest.
Na ja, ich habe mir ja so ein paar Reisstrohmatten als Rollos gekauft, um die Sonne vom Fernseher fernzuhalten; lass ich die eben runter und versuche mich an die Zeit zu erinnern, als Wetterfühligkeit ein Begriff war, der für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen eine Rolle spielte.
Aber nicht für mich.
Es war ein goldener Herbst und ich befand mich im letzten Quartal meiner Soldatenzeit.
„Im Feldquartier, auf hartem Stroh, da sing ich meine Lieder….!“
Nein, so war es nicht; nicht ganz. Ich hatte zwar eine heftige Zeit mitgemacht, mit „Unerlaubtem Entfernen von der Truppe“ und allerlei Schnick – Schnack, aber darüber will ich vielleicht ein anderes mal schreiben.
Heute erzähl ich euch die Geschichte vom „Flug in der Enterprise“

Melodien des Lebens

Ich war zum Wochenende aus der Kaserne gekommen und hatte vor, mit meinem Freund Käptn Horn, so richtig einen draufzumachen.
Durch irgendeine Publikation hatten wir erfahren, dass im Sauerland ein Rockfestival stattfinden sollte. Oder so was ähnliches. Es war gepaart mit einer großen Kirmes. Da diese Geschichte wirklich über 30 Jahre her ist, möge man mir verzeihen, wenn ich die genaue Örtlichkeit nicht mehr so parat habe. Ich glaube, es war irgendwo in Lüdenscheid.

Guter Reim – „Eine kleine Örtlichkeit – irgendwo in Lüdenscheid.“
Das wird mir die angeschlagene Musikindustrie aus den Händen reißen, sobald ich es vertont habe….!

Egal, wir hatten uns also mit irgendjemandem, im Auto, auf den Weg gemacht um Zeugen dieser Volksfestartigen Darbietungen zu werden und um im Schutz der versammelten Öffentlichkeit Drogen zu konsumieren, um uns auf unsere Art so richtig zu Amüsieren.
Zu diesem Zweck hatten wir; von einem Stadt – und uns bestens bekannten Drogenhändler, 4 allerliebste Löschpapiere gekauft.
Das waren zu der Zeit sehr beliebte LSD Darreichungen. Der Stoff war auf den Filz geträufelt und man schluckte das kleine Papierchen runter. Das ging wie nix Gutes und es hieß: warten bis die Wirkung einsetzte. Die konnte man dann nicht mehr bestimmen und ich sage mal so; dass ein oder andere Mal wäre es besser gewesen ich hätte den Filz weggeschmissen und mich nüchtern und unbedröhnt meinem Schicksal ergeben. Aber was will man machen!
Wir waren jung und brauchten den Rausch.
Ich ganz besonders, denn ich war nach einem Jahr Bundeswehr schon ziemlich matschig und das einzige was mir eine Perspektive war, war diese Band die ich mit dem Käpt`n zusammen starten wollte. Ich kann heute im Rückblick nicht mehr sagen wie weit unsere Pläne diesbezüglich gediehen waren, aber er war schon Teil unseres Lebens geworden, der große Plan von der Band!
Der Käptn und ich; wir waren zwei im Drogenkonsum erfahrene Leute und zeichneten uns durch unsere maß und stilvolle Art, mit den Mächten der Bewusstseinserweiterung umzugehen, aus!
Immer Cool und auf Distanz zu den Giften, aber interessiert. Sehr interessiert!
Ich hatte, besser ging es gar nicht, bei meiner Tätigkeit als Truppensanitäter einen Kurs im Blutabnehmen gemacht und Injektionsnadeln zogen mich magisch an.
Ja, ihr denkt jetzt. “ Gott; gibt der an!“
Stimmt aber.
Ich war durch reinen Zufall, an eine oder mehrer Schachteln Valeron Ampullen, einem Opium Derivat gekommen und wir hatten es uns nicht nehmen lassen, meine, auf Staatskosten erworbenen Fähigkeiten, im Umgang mit Medizinischem Gerät zu testen. Tolle Sache!
Ich war ein Naturtalent und wir waren „Gefahrensucher“, immer bereit jeden Selbstversuch mitzumachen, der uns der „Bewusstseinserweiterung,“ oder der „Bewusstlosigkeit“ näher brachte.
Multitoxikologische Forscher mit spirituell, psychedelischem Hintergrund, am Rande der Unendlichkeit!
Da fällt mir ein…...!
Es gehört jetzt eigentlich nicht zu dieser Geschichte, ist aber ganz lustig, so das ich das mal eben hier loswerden muss:

Es geht dabei um Injektionsnadeln und die blitzartige Wirkung, die präzise gesetzte Spritzen mit brisanter Ladung haben können.
Ich war, wie gesagt, bei den Sanitätskräften der Bundeswehr und hatte diesen Lehrgang zum Blutabnehmen mitgemacht. Das wird an einem künstlichen Arm, der auf ein Holzbrett geschraubt ist, geübt. Der Arm hat eine Hornhautumbrafarbene Vinylhaut und unter dieser, Gummischläuche, die Venen darstellen sollen. In diesen künstlichen Adern ist Kunstblut das der Proband mit seiner neu erworbenen Fingerfertigkeit und einer Bundeswehreigenen Spritze aus dem Kunstarm raussaugen soll.
Eigentlich Pippileicht, aber wie alles dauert das bei der Bundeswehr seine Zeit.
Kurz, ich hatte diesen Lehrgang erfolgreich abgeschlossen und musste jetzt im Krankenrevier des Sanitätsbereiches die morgendlichen „Blutsenkungen“ bei den Patienten machen, bevor der eigentlich Sanitätsbetrieb losging.
Ich arbeitete mich also mit meinem Unteroffizier durch die Arme der armen Kameraden, als wir von der Putzfrau der Standortverwaltung angesprochen wurden.
Der Sanitätsbereich wurde von Zivilangestellten der Standortverwaltung gereinigt.
„Hey, Jungens ich bin heute so nervös, also so richtig blöde, habt ihr nich` irgend ein Mittel für mich ?“
Der Unteroffizier, ein feiner Kerl, aber auch keine große Leuchte, grinste verschlagen und sagte: „Ja, aber sicher Gnädigste, da habe ich genau das richtige. Und der Obergefreite Klein kann Ihnen das auch gleich geben. Der hat ja jetzt seinen Lehrgang hinter sich gebracht, soll er mal zeigen ob er das auch umgekehrt kann. Ha ha, ha, ha!“
Die Reinigungskraft, mit dem schönen Namen, Frau Matuscheck, setzte sich auf die Behandlungsliege im Behandlungsraum und machte den Arm frei. Der Uffz. zog irgendwas auf die Pumpe und band ihr mit diesem Adernabbinder den Arm ab. Ich wollte noch sagen:
„Ja, aber das dürfen wir doch gar nicht, Herr Unteroffizier!“ da hatte mein Vorgesetzter mir schon die Gun in die Hand gedrückt und zeigte mit einem eiskalten Kopfnicken und den Worten, “Feuer frei!“ auf Frau Matuscheck.
Feuer freiDie Ader lag dick, blau und glänzend im Scharnier des Putzfrauenarms und ich war mir sicher, die würde ich nicht verfehlen.
Mein Professioneller Ehrgeiz bahnte sich seinen Weg und ich dachte nicht mehr lange nach. Ihr habt doch sicher Bekannte oder Verwandte die in Pflegeberufen oder Sanitätseinrichtungen arbeiten? Ja; dann wisst ihr auch, dass solche Leute eigentlich immer die besseren Ärzte sind; oder sich immer dafür halten.
Ich machte da auch keine Ausnahme.
Diese Frau war nervös, abgespannt und vielleicht auch mit ihrem Leben nicht im Reinen.
Da muss man doch helfen! Da kann man doch nicht abseits stehen!
Ich konnte helfen, also tat ich es auch.
Was ich der guten Frau da geschossen habe, weiß ich nicht, aber als der Uffz. mit den Worten:
„Und ab die Post!“ den Adernabbinder löste, sackte Frau Matuscheck wie vom Blitz getroffen, bis auf ihren Bauchnabel in sich zusammen und wir konnten von Glück sagen, dass sie ihren Schrubber wie eine Lanze in der einen Hand hielt. Das gab der geschundenen Frau die einzige Stabilität die sie vor dem hinschlagen auf den Fußboden rettete.
„Ach du Scheiße! Frau Matuscheck? Frau Matuscheck? Is` Ihnen jetzt besser? Nich` mehr so nervös?“ fragte der Uffz. ziemlich dämlich und wieselte beflissen um die angeschlagene Reinigungskraft herum.
Ich stand; sinnbildlich, mit der rauchenden Waffe neben dem Behandlungstisch und war erschüttert.
„ Ahahahaha! Waaass maach ihh mi miie?“ war alles was Frau Matuscheck mit einer Morlockstimme hervorbrachte, als ob ihr Gaumen mit Moltofill ausgespachtelt und ihre Zunge mit Rübenkraut gefüllt worden wäre.
Dabei guckte sie mit solch trüben Augen pfostengleich vor sich hin, dass man dachte, sie hätte ihr eigenes Aufwischwasser getrunken.
Ein Speichelfaden sabberte auf ihre geblümte Schürze.
„Waaas maaach ihh mi miie? Ahahahahah“ war alles was sie noch sagte und klang dabei, wie ein Steifteddy, der schon lange nicht mehr gebrummt hat; dann versuchte sie es sich auf der Behandlungsliege mollig zu machen.
Aber das war die Rechnung ohne den Unteroffizier, der jetzt disziplinarische Folgen auf uns zukommen sah.
Auch ich sah mich schon vor einem Peloton, mit oder ohne Augenbinde. Das auch mit Recht, denn es war strengstens verboten Behandlungen ohne Arzt vorzunehmen und solche eine „Narkotisierung“ sowieso.
„Klein, hol die Klamotten von Frau Matuscheck, die muss weg, ehe der Hauptfeld und die Ärzte hier sind! Schnell, schnell!“
Die Vertuschung der bösen Tat begann.
Ich rannte in den Putzfrauenaufenthaltsraum und holte den Mantel und den Hut und die Handtasche der Putzfrau und wir zogen ihr das Zeug an.
„Waaaass maach ihh mi miie? Aahahaha!“ war dabei die ständige Melodie die, die alte Matuscheck flötete.
Gruselig!
Wir schleiften sie die Treppe runter und der Uffz. sprach in dem Tonfall, mit dem man sonst mit Kindern oder Haustieren spricht: „So, Frau Matuschek, gehen Sie mal schön nach Hause; heute putzen wir selber. Legen Sie sich ein halbes Stündchen hin, dann wird Ihnen schon wieder besser werden. Alles wird gut. Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen! Sprechen Sie mit keinem!“
Ich bewunderte die Kaltschnäuzigkeit dieses ausgebufften Hundes.
Wir beobachteten aus dem Geschäftszimmer, im ersten Stock des Sanitätsbereiches, wie die gute Alte den Weg runterschwebte. Mit butterweichem Gang, den Hut, wie John Wayne im Nacken; schaukelte sie mit ihrer Handtasche, am langen Arm, durch den Kasernenbereich, auf die Laterne, vor dem großen Tor zu.
Geschafft, sie war weg!
Ich fragte den Unteroffizier was wir ihr denn eigentlich verabreicht hätten. Er guckte mich mit Verschwöreraugen an und sagte: “Das willst du gar nicht wissen!“
Wir gingen wortlos an unserer Arbeit.
Am nächsten Tag kam sie mit dem „Du, du, du!“ Finger auf uns zu;
„Ihr seid mir die Richtigen! Was habt ihr mir denn da gegeben? Ich habe den größten Krach mit meinem Mann; hab ja den ganzen Tag im Bett verbracht. Konnte gar nicht Kochen. Nein, nein, nein, wenn man euch auch schon mal braucht!“
Der blanke Undank!

So; dass nur mal am Rande, um euch den leichtfertigen Umgang mit Drogen zu schildern, der damals so herrschte.
Ich meine, ich schreibe hier über die 70ger
Unnötig zu sagen das diese Geschichten einer dunklen Vergangenheit angehören und nicht zum Nachahmen empfohlen werden.
Aber es ist ja keiner zu größerem Schaden gekommen, also; was soll`s?

Auf nach LüdenscheidZurück zum Rockfestival mit angeschlossener Kirmes in; vermutlich, Lüdenscheid, oder Weitweg.
Schon vor der Fahrt, im Auto des Unbekannten, der uns zu dieser Veranstaltung fuhr, hatten der Käpt`n und ich jeder einen ganzen Filz geschluckt, denn wir wollten ja drauf sein wenn wir ankommen.
Aber es tat sich nichts.
Im Körper nichts Neues
Wir waren eine ganze Weile unterwegs gewesen und der Käpt`n sah sein
Wochenendvergnügen schwinden.
Die nackte Verzweiflung schwang in seiner Stimme:

„Merkst du was? Ich merke nix! Gar nix! Oder doch? Ne ; war nix. Scheiße, das sind Blindgänger, Mist!!“ so ging das die ganze Zeit.
Ich merkte aber auch nix.
Nicht die Bohne. „Los, Stefan, gib mir den andern auch noch, vielleicht klappt der ja. Dieser Dealerarsch, versaut einem das ganze Arrangement; ich hatte mich schon so gefreut !“
Ich auch und deshalb schluckte wir jeder noch den anderen Trip.
Nix passierte.
Wir waren angekommen und es war ein richtiges Volksfest mit Fressbuden und Karussells.
Jede Menge Menschen und am Ende des Platzes war ein riesiges Zelt aufgebaut. Von da kam ohrenbetäubender Lärm.
Das Rockfestival!
Ein ungefähr 30,2 Meter lange Schlange von Menschen wartete auf den Einlass. Wir stellten uns auch an. Jetzt ging es ganz schnell, alle gingen rein. Nur; bevor ich die Zelttür passieren konnte, senkte sich ein Arm, zu dem normale Leute Bein gesagt hätten und versperrt mir den Weg.
„Halt, er’s ma watten, bis dat Volk sizt!“ sagte ein als Ordnungskraft angestellter Rocker, von einem Körpermaßindex, der den Alditaschenrechnerspeicher mühelos überfordert.
Ich guckte so vor mich hin, als ich eine glühendheiße Woge durch meinen Körper schießen spürte und auch hörte! Die Schädeldecke würde sich lösen, um dem Hirn ein wenig frische Luft zu gönnen; so ein Gefühl!
Eben: Die perfekte Welle!
Ich dreht mich zum Käptn der einen puterroten Kopf hatte und mit einen Popeygrinsen „Endlich !“ hervorstieß.
Die Droge hatte also angedockt! Wir waren im Geschäft. Jeder 2 Trips unbekannter Durschlagskraft, auf einen Zeltfestival in den Tiefen des Sauerlandes, in einer Schlange vor einem Bierzelt, das von Monstern bewacht wurde!!
Jetzt nur nicht nervös werden!
„Na, dir geht es aber auch nich so; wa?“ fragte das Monster vor mir, „Dann ma rein!“
Er hob den Beinarm und der Käpt`n und ich flutschten durch und waren im Zelt.
Irgendeine Band spielte, ich weiß nicht mehr wer, aber es waren 2 Bühnen. Eine Große an der Stirnseite und eine kleinere an der Längsseite des Zeltes.
Wir suchten uns den damals üblichen Platz auf dem Fußboden; ja, das war da noch so. Auf jeden Fall dort im Sauerland und besorgten uns dann jeder ein Bier.
Die eine Band hatte aufgehört und sofort fing an der anderen Seite eine andere an zu spielen.
Auch die sind mir bis heute unbekannt geblieben und wir bewegten uns nicht von der Stelle.
Ich kann mich nicht mehr an irgendwas erinnern was da überhaupt geschah, ich weiß nur das ich alles SUPER DUPER fand.
Ich meine, wir waren so toxisch das Luftholen schon eine absolute Sensation war.
Dann kam es.

ES!

Auf der Bühne, vor der wir saßen, hatte sich eine Band breitgemacht, deren Namen mir bekannt war. Ich wusste aber nicht was die spielten. Es war “Novalis“ eine Schlaubergerband mit Merkrock und tiefen Inhalten.
Eigentlich nicht so mein Gelände.
SchmetterlingIch kann mich beim besten Willen nicht an Gesichter, oder Musik erinnern, nur an diese eine Textzeile:

“Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken….!“

Ich dachte damals: „Wow, das ist es“ Wahnsinn !!“
Es durchbohrte mich wie die Injektionsnadel den faltigen Arm von Frau Matuscheck und
mir kam diese Zeile wie die Antwort auf meine Fragen, wie die Antwort aller Fragen überhaupt vor.
Weltumspannend und Universumsweit!
Die Rettung der Menschheit und ihrer Angehörigen!
Ich wollte mich dem Käpt`n mitteilen, aber der schrie und schunkelte mit seinem Bierbecher in der einen, einem Joint in der anderen Hand und ebenso bedienten Narkoopfern um die Wette, so das ich meine übersinnliche Erkenntnis für mich behielt.
Novalis waren fertig; jetzt auch mit ihrem Programm und es bahnte sich eine Pause an.
Wir gingen auf den Kirmesplatz und der Käpt`n wollte nach all „...dem lahmen Zock, jetzt mal so richtig was auf die Lampe!“ haben.
EnterpriseSo gingen wir auf ein Karussell zu, dass den Namen „Enterprise“ trug und setzten uns in eine der zahlreichen Gondeln, die an einem riesigen Rad befestigt waren.
Man saß in Fahrt, oder Flugrichtung, hintereinander und die Gondel war durch ein Chromrohrgitter geschlossen.
Es war die Gondel zur Hölle, sage ich euch.

Ich saß hinter dem Käpt`n und wer das nicht erlebt, oder auch nur gesehen hat, kann sich nicht vorstellen was das heißt auf Narko solch einen Flug, mit solch einem Käpt`n zu machen.
Das Rad kam langsam in Fahrt, dabei wurde die Gondel von der Fliegkraft fast in die waggerechte gestellt. Dann aber erhebt sich das Rad an einem Arm und der ganze Flug geht senkrecht und Überkopf -Rasend schnell! Immer rum! Bim, Bam, Bum! Bim, Bam, Bum!
Dabei lief brüllend, Trommelfellzerfetzend laut:

Manfred Mann`s Earthband: – „Dave is on the Road again
(„David hat den Führerschein wieder.“)

Immer wenn ich heute dieses Lied höre, muss ich mich irgendwo festhalten.
KäptnDer Käptn hat so vor Vergnügen geschrieen, dass der ganze Kirmesplatz unsere Reise in den Sauerlandhimmel mit größtem Vergnügen verfolgte.
Ich dachte nicht mehr. Ich fühlte nicht mehr. Ich war ganz Angst und Entsetzen!
Endlich, endlich, endlich, hielt die Enterprise ganz langsam und ich wollte nur noch raus auf den sicheren Boden.
Da wiederum hatte ich die Rechnung ohne den Space Käpt`n gemacht.
„Neeieieieieieiennnn, wir fahren noch mal! Der nackte Wahahahahansinnnn Stefffaaan, stell dich doch nicht so an
Er hielt die Chromgitter zu und ich saß halbtot in dem hinteren Sessel als die „Enterprise“ zum erneuten Start ansetzte.
Jetzt spielte der Kirmesmann an der Kasse:

BACHMAN TURNER OVERDIVE – BA, BA, BABY, YOU AIN`T SEEN NOTHING YET!

Unfähig mein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, hörte ich jetzt nicht nur die Schmetterlinge lachen, dass könnt ihr ruhig glauben.
Ich erspare mir jetzt den näheren Bericht über den zweiten Flug, aber ich glaub, nach der vierten Runde, habe ich auf dem Kirmesplatz Frau Matuscheck gesehen, die mir die Zunge rausstreckte.
Zurück im Zelt lagen wir mit einer Horde angeknallter Leute vor der kleineren Bühne auf der jetzt Gary Moore mit einer angegrauten Band auftrat.
Ja, dieser Gary Moore! Ich glaube es handelte sich um „Kolosseum“. Der Mann spielte wie ein vom Wahnsinn besessener. Ich bin kein Fan, aber der kann wirklich Gitarre spielen.
Am besten fand ich noch sein Outfit; er hatte eine goldene Lederjacke an und ein Tee Shirt, auf dem stand „Fuck & Shout!“

Wir haben alles überlebt und sind dann auch wieder nach Hagen gekommen. So wie immer. Am nächsten Tag kaufte ich die Platte von „Novalis.“
Ich habe sie nur einmal gehört und mich dann ein bisschen dafür geschämt, das ich dieses Schmetterlingslied gut fand.
Es war der Beweis das Drogen das Hören oft negative beeinflussen.

Nüchtern war der Zauber verflogen.
Die Musik war indiskutabel.
Die Zeichen der Zeit waren andere.

Heute, 30 Jahre, oder über 30 Jahre später bin ich im Internet auf den Text des Schmetterlingsliedes gestoßen und es ist nicht, wie seiner Zeit vermutet, von dem Dichter Novalis, sondern von Carlo Karges; unserem Carlo Karges, mit dem ich schon ein paar Jahre später eine Platte aufnehmen sollte, die mein ganzes Leben auf eine Flugbahn bringen würde, gegen die der Flug mit der „Enterprise“ eine Schiffschaukeltour mit halber Kraft war.

Ich habe das Gedicht, denn das war es wohl, dann noch mal gelesen und ich fand es einfach nur schön.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse, die in den vielen Jahren zwischen dem ersten hören und Heute stattgefunden haben, klingt vor allen Dingen die letzte Strophe stark in mir nach.

Manchmal kommen sie zurück; diese unendlichen Weiten.

Nuerseltrinken im Madison

April 29th, 2009 by St.Kleinkrieg

Es waren wilde Zeiten ; die Anfänge unserer Band. Das hat bestimmt jeder von euch schon gehört. Vieles gerät auch immer mehr in Vergessenheit und manches, ist auch gar nicht wert, so erinnert zu werden, wie ich euch das hier zumute. Aber ihr sitzt ja vor dem Computer und lasst Gottes schöne Welt per Pixel auf eure Netzhaut strahlen, dann könnt ihr auch eine kleine Zeitreise mit mir unternehmen; nicht wahr?

Gut, wir bewegen uns in das Hagen der 80ger Jahre und besuchen den Probenraum der Gruppe Extrabreit.
Nach vielen Übungsräumen hatten wir nun eine Heimstadt gefunden, in der wir uns recht wohl fühlten und was noch wichtiger war, die wir 24 Std. frequentieren durften; am Ende der Sedanstr. Oder am Anfang je nachdem aus welcher Richtung man das Industriegebiet befährt.

Es war ein altes Gebäude der Bundesbahn, dass von einem Taxiunternehmer angemietet war. Der Mann war uns wohl gesonnen und hatte uns einen Teil des Etablissements zu einem vernünftigen Preis vermietet. Hier probten wir geraume Zeit und jetzt wo ich so daran zurück denke, fällt mir auf, dass wir diesen Proberaum mit Nopsy Laumann und auch nach Kai`s Wiedereintritt hatten. Welcher Sänger aber zum Zeitpunkt dieser Geschichte aktiv war, ist mir nicht mehr geläufig.

Der Proberaum sah fast wie ein Studio aus.
Mit sehr viel Fantasie. Die hatten wir!
Wir hatten auch vor uns ein solches einzurichten, aber es sollte bei dem Vorhaben bleiben.
Es handelte sich um 2 Räume. Ein kleiner, die „Regie“ und ein größerer, der „Aufnahme-“, sprich; Proberaum. Und eine eigene Toilette war auch dabei. Unbezahlbar!
Die „Regie“ war mit einem Fenster versehen worden. Das war die einzige Umbauarbeit die wir bewerkstelligt hatten

Halt; Rolf hatte, dass muss man ihm hoch anrechnen, die ganze Bude tapeziert und der Proberaum sah wirklich manierlich aus. Er hatte auch ein Teppichmosaik entworfen; was er aber ehrlich gesagt, nur alleine gut fand.
Mit Nopsy LaumannMan sieht es hier in einer Aufnahme mit der Band. Es ist das einzig erhaltene Gruppenphoto mit Noppsy Lauman.

Es diente aber der Tonqualität des Raumes und wurde deshalb akzeptiert.
Der „Regieraum“ war mit einer Tapete ausgestattet, die jedem Bordell zur Ehre gereicht hätte.
Leopard oder Tiger. An das genaue Tier kann ich mich nicht mehr erinnern, glaube aber ;Leopard.

Es standen jetzt, nachdem wir den Plan „Studio“ aufgegeben hatten 2 alte, mit dunkelbraunem Cordüberzug versehene Sofas darin.
Möbelruinen der 70ger. Wären heute Megacool!

Ich habe auch das ein oder andere Mal dort genächtigt. Gruselig, sage ich euch.
Aber wir hielten uns eigentlich immer nur in dem Aufnahmeraum auf, weil in der kalten, feuchten Jahreszeit hier ein Öloffen war, der einigermaßen für Wärme sorgte.
Während wir hier nun jeden Tag an unserer Perfektion feilten, freuten auch wir uns, wie alle anderen arbeitenden Bevölkerungsteile, auf das Wochenende.

1.)weil wir da meistens Gigs hatten und das brachte immerhin ein bisschen Geld.
2.)wenn nicht, gingen wir abends ins Madison!

Wenn zweitens angesagt war, fuhren wir nach der Probe, mit Hunters oder meinem Auto zur Disco und machten da den „Larry“, wie es damals hieß.
Das Madison war die Mordsmäßig angesagte Diskothek, die zu unseren Stammlokalen zählte.
Ich bin ja etwas aus dem Geschehen raus, aber meine Neffen erzählen mir, dass es auch heute in Hagen nur eine Disco gibt, die von Bedeutung ist. So war das Anno 1980 auch. Deshalb war Hagen ja auch als „Onediscotown“ berühmt, berüchtigt. Das war schon in den 70gern so. Es rannte immer nur ein Laden.

Zurück nach 80 und ins Madison.

Wir kannten das Personal, den Türsteher und die wechselnden DJ`s. Meist brauchten wir keinen Eintritt zahlen und etwa ein Jahr später hatten wir ein eigenes Regal, auf dem unsere eigenen Whiskyflaschen mit Namensschild standen.
Tja, Ruhm verändert alles!
(Ich glaube da hieß der Laden auch schon anders. Richtig, Hype! Passender ging es nicht. Aber die beste Zeit war im Madison.)
Es ist immer wieder abgefahren darüber nachzudenken:
Wir spielten die gleichen Lieder, nur kannte diese noch keiner so wirklich. Wir fanden die ja schon immer gut, aber dann sagte die Öffentlichkeit. “Jau, die sin` gut!“ und Bums; eigenes Regal, mit eigener Whiskyflasche; mit Namensschild!
Die Welt ist manchmal so albern und so schön!

Aber bis dahin sind es noch ein paar Monate, die einem im Rückblick wie Jahre vorkommen.

Wie singt Kai in: „Der letzte Schliff“? „....eine Woche war wie ein Jahr!“
Selten wahrere Worte über diese Zeit gehört.
So war es und wird es bleiben!
(Ich muss die Jungens doch mal eindringlich befragen, ob wir die Nummer nicht mal wieder spielen sollen.)

Wir gingen also nach der Freitäglichen Probe gutgelaunt ins Madison, um uns einen schönen Abend zu machen.
Das wir das konnten lag; trotz andauernden Geldmangels, an der genialen Trickbetrügerei die wir zu unserer Freude erfunden hatten: Dem Nürseltrinken!

Melodien meines Lebens

Spezialisten waren in dieser Disziplin; Hunter und ich . Ob die andern das überhaupt gemacht haben, weiß ich gar nicht.
Beim Nürseltrinken wird man zwangsläufig immer mutiger und landet hinterher mit etwas Glück absolute Volltreffer, in Form von „Frischgetränken.“

Nürseltrinken für Anfänger:

Ein Mann/Frau steht mit jemandem an der Theke und unterhält sich, vor ihm/ihr, Zigaretten, Getränk, Feuerzeug und so weiter. Als Fachmann weiß man, an der augenfälligen Beschaffenheit des Getränkes, abzuschätzen um was es sich handelt. Wodka Lemon, Gin Tonic, Campari Orange, u.s.w..
Mein Favorit zu dieser Zeit war Gin Tonic. Man trifft seine Wahl! Und leitet den Rauschdiebstahl geschickt, unauffällig ein, in dem man sich an die Person drängelt und in einem unbeobachteten Augenblick das Glas, mit dem auserwählten Stoff, nimmt und rasch leert.
Gluck, Gluck, Gluck und weg.
Das hier imitierte Geräusch des Schluckens, soll auch anzeigen, dass die bevorzugten Nürsel natürlich nur aus mal angenippten Gläsern waren, sogenannte „Speichelpfützen“ standen nicht auf dem Speisezettel.
Sollte, was wirklich so gut wie nie passierte doch mal einer sagen:
“Eh, das war mein Gin Tonic!“ , so sagte man mit dem größten Bedauern:
„Oh Alter, tut mir leid; wo ist denn meiner?“
Dann dreht man sich suchend, forschend in den Raum und taucht im Volk unter.
Bei einer Dame ließ man das „Oh Alter,...“ weg.
Oder wenn die bestohlene Person fragt:
„Wo ist denn jetzt mein Glas?“
Entrüstet antworten:
„Gute Güte, woher soll ich das denn wissen?“
Auch bei dieser unverschämteren Variante ist ein Standortwechsel sofort zu empfehlen.

Das war reinrassige Nürseltrinken, ohne doppelten Boden.
Eine Art Promille Raub.

Wenn man aber geschickt ist, kann man sich sogar hinter dem Rücken der Getränkebesitzer zuprosten und allerlei Unsinn machen.
Nürsel wegzischen und sich dann noch eine Zigarette aus der Packung klauen und den Typen nach Feuer fragen, gehörte zur Königsklasse.

Frischgetränke nuerseln„Frischgetränke“ Nürseltrinken, ist schwieriger und kann auch nach hinten losgehen.
Man sollte auf jeden Fall soviel Geld dabei haben, um im Falle des Entdeckt werden, ein neues Getränk kaufen zu können:

„Ist mir mehr als unangenehm, ich bestell dir sofort Ersatz!“
„Entschuldigung, ich dachte das wäre meiner!“
„Oh, Pardon, ich dachte der wäre mir jetzt von meinem Kollegen gesteckt worden!“

So, oder ähnlich wurde dann geschleimt.
Aber das ist so gut wie nie passiert, denn man war ja durch das vorhergehende „Reinrassige Nürseltrinken“ so duhn, das keiner mehr reklamierte.

Frischgetränke Nürseltrinken:
Man geht zu zweit auf einen Gast los, der justaamentee seine Bestellung erhalten hat. Supertyp 1 fragt von der Seite nach der Uhrzeit, oder irgend einer anderen Aufmerksamkeit ablenkenden Sache, während Supertyp 2 das „Frischgetränk“ Ext!

Das leere Glas ist alles was zurückbleibt!

So sehen Sieger ausAlle!
Dschinghis Khan kommt nach Hause und alles ist alle!

In den frühen Morgenstunden haben wir dann auch immer der Musik zugehört.
Manche DJ`s waren echt gut und spielten die Titel die wir liebten.
Aktuelle Scheiben, aber auch Stones und Glam aus den frühen 70gern.
Dann haben wir uns immer schön angeleuchtet in eine der Sitzmuscheln zurückgezogen, mit einem Bier, dass uns eine der Bardamen geschenkt hatte.
Sie wollten uns nach einiger Zeit nicht mehr am Tresen sehen.

Viele Gäste konnten sich das verschwinden ihrer Getränke nur mit dem Umstoßen der Gläser erklären; so geschickt waren wir.
Wir waren wie so Vampire an Bord eines Schiffes, man weiß da was, verdächtigt auch jemanden, aber man weiß nix genaues, außer das alles immer weniger wird.
Das fiel dann, unschöner Weise, irgendwie auf die Bardamen zurück.
Mädels; ich hoffe ihr hattet keinen Ärger.
Heute würde ich das nicht mehr machen, schon aus hygienischen Gründen.
Es würde auch gar nicht mehr funktionieren.
Ich war vor kurzem mal in einem Club.
Rauchen verboten.
Alle wissen kaum was sie mit den Händen tun sollen, deshalb halten sie die ganze Zeit ihr Glas fest.

Keine Chance für Nürseltrinker!

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Meine sehr verehrten Damen und Herren Spitzenblogbesucher,
hören Sie hier die klagende Melodie eines Sängers der, über all den Unbill des Lebens nicht verzweifelt, sondern alles glasklar auf sich zukommen sieht.
Krankheit, Arbeitslosigkeit, soziale Verelendung…...Freitod!

Scherz beiseite:
Hier präsentiert von APSE-Brasil
im Rumpelfreinen Royal Stereoton:
St.Kleinkrieg mit:
WER WIRD DENN WEINEN?

Den Lebenden Zur Mahnung

Lesen Sie die Geschichte und hören Sie gleichzeitig den dazu hergestellten Soundtrack!
Wenn Sie dann mit der Maus das Bild schnell rauf und runterbewegen ist das fast ein Actionfilm
HA, HA, HA!

ENJOY!
Ihr ergebener
Benito M. Ussolini
(Head of Monkey Bussines)

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Mein letzter Arbeitstag oder DING DONG

April 22nd, 2009 by St.Kleinkrieg

Hallo liebe Leute!
Hat der denn gar nix zu tun? Erst kommt jahrelang keine Geschichte und jetzt hetzt er sein krudes Zeug in unsere Wohnstuben!
Ja, das werden einige von euch so denken. Andere werden sicherlich milde amüsiert ein kleines Lächeln auf dem Gesicht haben, einen kleinen Luftstüber aus der Nase stoßen und sagen:

„ Ach Gottchen, der Kleinkrieg, sitzt er wieder mal in den Trümmern seiner Karriere und erzählt Geschichten vom Krieg!“
Damit wollen sie sich aber nur selber ein wenig erhöhen, was ja zur menschlichen Überlebenstaktik gehört und auch nicht so schlimm ist, weil mir solche Leute gelinde gesagt am Arsch vorbeigehen.

Ich sage euch, es gibt nichts schlimmeres als….......................!
Halt; beinahe wäre es passiert und ich hätte gegen einen eisernen, ungeschriebenen Grundsatz dieses Spitzenblogs verstoßen und niedere Lebensformen kritisiert, die auch nur ihr Dasein auf höchst kümmerliche, unehrenhafte Weise fristen.
Schluss damit, bevor es beginnt!

Aber es gibt bestimmt auch feine Zeitgenossen in der weiten, wunderbaren Welt, die sich ein wenig zerstreuen lassen wollen, für die ist diese Episode aus meinem Leben!

Mitgekriegt? weite wunderbare Welt – www. Tja, Schalalalalaubergerweb!

DING DONG !!

Was ich heute zum Besten geben werde, ist eine kleine Geschichte aus der großen Zeit, als der Sprit noch knapp eine Deutsche Mark kostete und Musik noch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft und für uns alle hatte. WWW war höchstens die Abkürzung für:

„Willi will Wodka”

Melodien meines Lebens

Wir rücken zurück in das Jahr 1980 und zwar in die kalte Jahreszeit.
Es war dunkel draußen und ich ging mit einem leichten Kater und flauem Magen, in Richtung Egge, einer kleinen verträumten Strasse meiner Elterlichen Wohngegend, wo ich den Abend zuvor mein Auto abgestellt hatte. Einen alten Ford Taunus. Was für ein Modell ist mir entfallen, aber es war ein 4türer und hatte zu seiner oberginfarbenen Metalliclackierung ein antrazythfarbenes Vinyl Dach.

Todschick!

Die Parkplatzwahl hatte ihren tiefen Grund. An dem Fahrzeug war die elektrische Startmöglichkeit kaputt, aber wenn man ihn anrollen ließ, sprang er sofort an und die Egge war eine kleine, sehr steile, nicht häufig frequentierte Strasse. Ideal für mein Problem. Anspringen musste er, denn ich war auf ihn angewiesen, um zur Arbeit zu gelangen.

Mein Job war; Auslieferungsfahrer für ein Hagener Dekorationsmittelgeschäft und ich war Tag für Tag mit einem 3 1/2 Tonner auf den Strassen; hauptsächlich im Ruhrgebiet, aber auch manchmal ins benachbarte Holland und Belgien; unterwegs, um Dekorartikel, Preisschilderbedarf, Ensopappen und allerlei Werkstoffe für Schaufenstergestaltungen, aber auch zirka 15 Kilogramm schwere Papierrollen für Bäckereien zuzustellen.

Diese Papierrollen sind in den Bäckereien immer auf einer Abrissvorrichtung angebracht und ich hätte niemals einen Gedanken an sie verschwendet, wenn das Leben, dass ja oft unberechenbar ist, mich nicht auf diese unwürdige Art und Weise mit ihnen zusammengebracht hätte.

Ihr kennt alle dieses Papier mit dem die Backwarenfachverkäuferinnen die Papptabletts auf denen die „Teilchen“ liegen geschickt einschlagen. Der Name der Bäckerei ist meist darauf gedruckt und manchmal auch blasse, blaue, rote, oder rosa Farbstreifen. Auch eine Art Comiczeichnung, von einem dicken Bäcker, der sich mit der einen Hand den Schnurrbart zwirbelt und die andere ausladend, einladend dem Betrachter entgegen streckt. Das alles ist eine Art Muster das sich alle 30 cm wiederholt
.

(Ich hoffe ihr wisst jetzt was ich meine. Ich kann nicht mehr!)

Da die Firma, für die ich der Ponyreiter war, diese Rollen wohl sehr günstig herstellte; oder vertrieb, war dieser Artikel ein Stück des Kerngeschäfts, also immer in rauen Mengen auf meinem Laster und ich verbrachte eine niemals zurückzuholende Lebenszeitspanne damit, diese Scheiß Rollen in beschissene Bäckereinen zu schleppen.
Ihr könnt mir glauben, ich habe sie gehasst, diese Papierrollen und selbst heute, fast 30 Jahre nach dieser demütigenden Erfahrung, legt sich ein Schatten auf meine Laune, wenn ich die Verkäuferin einer Bäckerei dieses Papier im großen Bausch abrollen sehe.

Was hatte mich aber in diese grässlich Lage gebracht?

Was zum Teufel war da falsch gelaufen?

Ich hatte mir doch gerade den Lebenstraum Nr. Uno erfüllt; oder der guten Ordnung halber, er war mir erfüllt worden und eine Langspielplatte mit meiner Band aufgenommen.
Es gehören ja immer mehrere zu einem solchen Unterfangen.
Ja, mir war schon damals klar, dass dieses Ding der Heuler war, sozusagen der Burner, aber der Rest der Bevölkerung und sogar die eigenen Bandmitglieder waren da anderer Meinung.

So hatte Carlo Karges direkt im Anschluss an die Aufnahmen zu „Ihre größten Erfolge“ die Band aus finanziellen Gründen verlassen. Wir waren ja erst gerade in den Klauen der Musikindustrie und unsere Einnahmen tendierten so was von in Richtung Null, dass ein Mann wie Carlo, der schon lange wirklich professionell Musik machte, es sich beim besten Willen nicht leisten konnte, diese Aufbauphase der Band mitzumachen. Seine Abschiedsworte an mich waren:

„Ihr werdet schon schnell einen Gitarristen finden der das gut machen kann. Ihr habt ja durchaus eine Zukunft zu bieten. Ich darf mich empfehlen und verabschieden und gehe nach Berlin, wo ich mit Ulla Meinecke eine Tour vorbereite. Mach`s gut!“ – Ich habe ihm dann noch in so eine Silberbrosche, die einem Namensschild ähnlich sah, dass mit diesen Weinlaubverzierungen umschmückt war, „EXTRABREIT“ gravieren lassen und ihm auch alles Gute gewünscht.

Er war ein feiner Kerl und ein exzellenter Musiker. Ich habe ihm; rückblickend, mehr zu verdanken, als ich es damals in der Lage war abzuschätzen. Wir haben uns dann noch oft in Berlin und Weitweg gesehen und über Musik und Gott und die Welt geplaudert. Er hat dann alles, was man sich wünschen kann, in der Popmusik erreicht und auch wieder verloren. – Das alte, klassische Spiel des „Lottokönigs“! Bei einem Kleinkrieg Gig spielte er auch mal mit.

RIP Carlo!

Kai Havaii verabschiedete sich dann auch kurz nach Carlo. Seine Gründe entnehmt bitte seiner Autobiographie „Hart wie Marmelade“, die den Lesern auch dieser Einrichtung, ein Begriff ist.

Käptn Horn war schon während der Aufnahmen zu „Ihre größten Erfolge“ durch Rüdiger Braune ersetzt worden und Rolf Möller saß jetzt hinter der Schießbude.
Wir waren schon durch die Zwischenphase des Wiedereintritts von Piet Wortmann und hatten uns von diesem und Ralf Teuwen verabschiedet.

„Das Karussell geht immer rundherum…..!“
Zum Zeitpunkt dieser Begebenheit spielten wir in der Besetzung: Hunter, Public, Rolf Möller, Stefan Kleinkrieg, Laui Laumann.

Mir fällt gerade auf das ich 3 Ehemalige aufgezählt habe, die nicht mehr am Leben sind.

RIP Hunter RIP Pete RIP Carlo

Das hat aber alles nichts mit dieser Geschichte, die ich eigentlich erzählen will, zu tun. Ich schweife nur zu gerne in die Anfänge ab und ihr seht, dass meine Gedanken immerzu bei dieser Band sind. Dieser Band; die mein und das Leben der hier erwähnten Personen, mehr bestimmt hat, als wir es uns je hätten vorstellen können. Kurz, es lief nur der Stromzähler.

So musste ich, um an schnöden Mammon zu kommen, eines Tages diesen Job machen zum Überleben.
Ich wohnte mal hier und mal da. Manchmal auch ein paar Tage, so wie zum Zeitpunkt dieser Ereignisse bei meinen Eltern, aber es war mir unangenehm ihre Fragen zu beantworten: „Na, was macht den Extrabreit? Wärst du besser im Kaufhof geblieben. Das wird doch nichts. Man hört ja so gar nichts von euch.“

Der Ford war angesprungen und ich fuhr zu der Garage, in der dieser LKW vollbeladen auf mich wartete.

Das Angenehme an diesem Job war, dass man sich seine Arbeitszeit selbst einteilen konnte. Ich konnte anfangen wann ich wollte und wenn ich schnell fertig war, kam ich wieder in das Lager, belud die Karre anhand der Lieferscheine mit der vorbereiteten Ware und konnte mich dann verpissen. Ideal für einen Musiker. Auch auf dem Firmengelände gab es einen kleinen Hügel von dem ich den Ford starten, beziehungsweise, anrollen lassen konnte. Tip Top!

An jenem Morgen war die Karre voll bis unters Dach und ich wusste das dieses wunderbare System der freien Zeiteinteilung, bei allem Glück das es gibt, heute versagen würde.
Es sah verdammt nach einem langen Tag aus.
Ich muss noch bemerken, dass ich den Abend vor diesem Tag das Fahrzeug nicht selber beladen hatte, sondern ein sehr netter Kollege, dessen Name mir in den knapp 30 Jahren entfallen ist.
Es waren Bäckerrollen, Bäckerrollen, Bäckerrollen

Mein Horrorartikel.

Ich karriolte also mit meiner papierenen Fracht durch das Münsterland und Ruhrgebiet und lud in elenden Käffern, die ich nie wieder danach sah; in elenden Bäckereien, diese Papierrollen ab, die dann als Einschlagpapier für „Teilchen“ auf einem Papptablett gebraucht wurden. Habt ihr in eurem Leben mal von einem Job gehört der wichtiger war?

JA! ( ) NEIN! ( )

Hier waren es mal 4 Rollen, mal 3 u.s.w., ganz unterschiedlich. Es lag wohl am Stauraum den die Bäckerei hatte und am Volumen des Verkauf. Manche fuhr ich in den knapp 6 Wochen, die ich diesen Job hatte, 3mal an, andere besuchte ich nur ein einziges Mal. So wie diese Bäckerei, die der Knackpunkt dieser Geschichte ist und welche die Geschehnisse einleitete, die dann zur Beendigung meines Arbeitsverhältnisses führten. Übrigens des letzten Bürgerlichen; was ich nicht ohne Stolz verkünde!

Ich sah auf den Lieferschein und traute meinen Augen nicht; Bäckerei Krümelmonster hatte 38 Rollen Papier bestellt und ich stand direkt vor ihr, um zu liefern.

„Guten Tag, Firma Schnattelhuber! Ich habe hier eine Lieferung Einschlagpapier. 38 Rollen, wo sollen die hin?“
„Mal langsam, junger Mann! Sie sehen doch das ich hier noch beschäftigt bin. Ich komme gleich auf Sie zu!“ sagte eine, mir als absolut unsympathische Kackbratze im Gedächtnis gebliebene, Bäckereifachverkäuferin.
Ich wartete ungehalten ca. 20 Minuten. Immer wenn sie von ihrer „Beschäftigung“, dem zusammenrechnen von irgendwelchen Zahlen aufsah und fertig zu sein schien, kam wieder so ein Kuchenjunkie aus der Umgebung und orderte Bienestich und ähnliche „Teilchen“.

Dann aber sagte sie mir, als ob es eine Gnade wäre:
„Der Opa ist ja jetzt tot und wir haben im 2ten Stock sein Zimmerchen als Lager vorgesehen. Bringen Sie die Rollen alle da hoch!“

2ter Stock! 38Rollen! Jede 15Kilo!

MAHLZEIT!

Ihr könnt euch jetzt ein Bild machen von dem frühen Feierabend und der Probe, die ich eigentlich mit den „Breiten“ abhalten wollte.
Ich wuchtete die ganze Scheiße in den 2ten Stock, in des toten Opas; der 2000 % tiger Zigarrenkettenraucher und auf jeden Fall Bettnässer gewesen war, altes Zimmerchen und stapelte die papierene Fracht in dem neuen „Lager“ der unsympathischsten Backwarenfachverkäuferinn des gesamten Universums. Als ich fertig war und ich meine, „Fertig“, sagte sie zu mir: „Ich habe Ihnen hier ein bisschen Gebäck vom Vortag eingepackt. Auf Wiedersehen!“

Ich hatte eine M65 (Armeefeldjacke) an, die Kutte war durchgeschwitzt und hatte den Geruch des „Lagers“, also Opas letzter Zuflucht, dem Zimmerchen, für immer angenommen. – Ich habe sie später weggeschmissen

Das Geschenk der Bäckersfrau war ein aus der Tüte herausragender Mohnstriezel, der meiner fachmännischen Meinung nach, vom Vor – Vortag war und es war auch schon nach 16:00h. Also ein drei Tage alter staubiger Augenwischer. Mit Mohnstriezeln kannte ich mich zu der Zeit bestens aus.

Ich schwieg und ging aus dem Laden, die 3 Stufen runter, auf den Vorplatz.

Neben dem Eingangsstufen war ein Gitterpapierkorb als Abfalleimer, der bollerte ein bisschen, als ich den steinharten Mohnstriezel hineinpfefferte. Ich bestieg meinen LKW, glühte den Diesel vor und quälte mich durch die Landstrassenlandschaft des Münsterlandes. Es waren ja noch Jahrzehnte abzuwarten, ehe es Navigationsgeräte gab.

Als ich endlich die Firmengarage erreicht hatte, kam der nette Kollege, dessen Name mir entfallen ist, auf mich zu und sagt: „Klein, sofort zum Alten. Dicke Luft!“ Ich erspare mir persönlich und euch jetzt die demütigende Strafpredigt des „Alten“ aber es ging um den Striezel und zwar deutlich. Die Kackbratze hatte den Schmetterwurf gesehen, fühlte sich in ihrer Großzügigkeit nicht recht gewürdigt und hatte mich bei der Geschäftsführung denunziert.

Ich kam zurück in die Garage und der nette Kollege half mir die Karre zu beladen. Diesmal waren keine Rollen dabei und anhand der Ladeliste würde ich am nächsten Tag früh Feierabend machen können.

Ich war so sauer ob der Vorkommnisse, dass ich wohl die Ladetür des LKW nicht richtig zugemacht habe.

Der TatortAm nächsten Tag sah ich im Rückspiegel, die Last die ich geladen hatte, auf der Boeler Kreuzung, Schwerterstr. / Dortmunderstr., liegen. Es waren mehrere Kartons mit Papptellern, die alle durch meine forsche Fahrweise von der Ladefläche, durch die unzureichend gesicherte Ladetür geschleudert wurden und beim Aufprall auf die Strasse, aufgeplatzt waren.

35.000 Stück !

DING DONG

Ich fuhr einfach weiter und wurde später von der Polizei gestoppt.
Ein Feuerwehrräumkommando musste die Kreuzung sperren und die Waren einsammeln.

Die Versicherung hat beanstandungslos gezahlt.

Es war mein letzter Arbeitstag.

Neulich anne Tanke

April 16th, 2009 by St.Kleinkrieg

Hallo liebe Leute

Ich habe mich heute mal wieder erleuchtet und dabei ist mir eine kurze Geschichte eingefallen, die ich nach langer Abstinenz von den Betrachtungen auf den Bildschirm schweißen möchte.

Es war irgend ein Gig gewesen, der nicht so weit von Hometown entfernt war. Man hatte also das Risiko, des Drink & Drive berechnet, war gewarnt worden , hatte die Warnung in den Wind geschlagen und…. gesiegt! Keine Kontrolle, keine Polizei; alles richtig gemacht!

Der Mietwagen war mit seiner kostbaren Fracht, an den Tatort des Verbrechens zurückgekehrt und stand nun zum Auftanken an der bekanntesten Tankstelle Hagens.
Bekannteste; jedenfalls für Mietwagenkunden und Unterhaltungsschaffende.

Seit Jahrzehnten steuern; wir hier, von unserem Verein, den Sprittempel in den unmöglichsten Morgen-, Abend- und Überstunden an, um das Fahrzeug, dass uns für begrenzte Zeit, Hort, Heim und Beförderung war, aufzutanken, und an seinen Besitzer, die Mietwagenfirma, zurückzugeben.

In den verschiedensten Zuständen seelischer und physischer Beschaffenheit und zu den verschiedensten Jahreszeiten.
Diesmal war es Sommer.

Der Tankvorgang war abgeschlossen und ich war es, der mit der bandeigenen EC Karte zur Begleichung der Treibstoffschuld schritt.

Diese Tankstelle gibt es schon solange ich unterwegs bin, also auch schon damals, zu Zeiten des “Picadilly”. Jenes legendären Nachtclubs, dessen Räumlichkeiten gegenüber der Tankstelle, also auch in der Hindenburgstr, heute von einem Möbelgeschäft entweiht werden. Das dürfte aber nur den Rentennahen Bevölkerungsteilnehmern unter euch noch ein sehnsuchtsvoller Begriff sein. Laaaange vor der „Neuen Heimat“ die das “Pink`s Place” ablöste, welches der Nachfolger des “Pic” war und uns dann alle mit in die Neue Zeit nahm! Heiliger Boden für Generationen der Hagener Nachtjacken und Schnapsdrosseln.
( Mein Gott, wo sind sie hin, die schönen Jugendjahre…?)

Zurück zur Tanke und Schluss mit der Romantisierung der Vergangenheit.
Obwohl Nietzsche ja sagt…...:

“Der Mensch lebt nicht für die Zukunft, sondern er lebt dafür, dass er eine Vergangenheit hat!“

Huhuhu!

Diese Tanke gehört zum Aral-konzern und hat alle betrieblichen Moden und Umbauarbeiten, und was weiß ich nicht für Imagewechsel des Unternehmens mitgemacht. Sie war früher auch beliebter Anlaufpunkt, um an der „Heißen Kiste“, einer Frittenbude Extraordinär, eine doppelte Currywurst mit doppelt Pommes und Zigeunersoße und Gurken zu bestellen. Das gab es nur hier. Nirgendwo habe ich auf meinen verworrenen Pfaden durch unsere Republik ein solches Gericht bestellen können – Nirgendwo auf der Welt!
Und glaubt mir; ich war überall!!

Jetzt erstrahlte sie im Glanz einer Raumschiffskantinenaustattung und hatte auch „Coffee to Go“ im Angebot. Die Geißel der Neuzeit! Also was für Schicke, Trendy, Party People, die mit Crack und Exstasi voll geknallt, Knabberzeug und Kippen einkaufen.
Zum Chillen!

Gott strafe sie mit Einsicht; auf dass sie ihr frevelhaftes Treiben ins Unglück stürze und sie Buße tun, im Angesicht des Herrn.

Egal, ich wollte Frieden schaffen, durch bezahlen und so näherte ich mich der Kasse in dem gleißend hell erleuchteten Verkaufs- und Kassenraum der aufs modernste ausgestatteten berühmtesten Hagener Tankstelle.

„Morgen; die 7.“

Der Kassierer musterte mich eindringlich.

„Gibt’s euch eigentlich noch?“

Arhg!! Ignorantenpack!

„Natürlich, Alter! Was denkst du denn. Wir werden ja immer besser!

Wir kommen ja gerade vom Gig in Weitweg. Da draußen ist doch der Rest der Gang. Wir haben `nen neuen Vertrag bei der Weltfirma Rodeostar und spielen wie die Erlkönige die Rep. rauf und runter. Hamburg. München , Mannheim, Oer-Erckenschwick.
Hier in Hagen sind wir a .........!“

Texaco„ Nee, ich meine das da! Da; das!“ unterbrach er meinen Redefluss und zeigt mit seinem widerlichen, knotigen Ölfinger auf meine linke, obere Brust.

„Hab ich schon ewich nich mehr gesehen! Ich frage nur aus rein beruflichem Interesse!“

Es war Sommer und ich hatte ein kurzärmeliges Arbeitshemd mit zwei Schulterklappen und zwei verschließbaren Brusttaschen an.

Über der linken Brusttasche war das Firmenlogo der TEXACO angebracht.
——————
„ Is irgendwas, Stefan? Du bist so still.” fragte mich ein musternder Rolf.

„Nö, lass wacker machen, ich will ins Bett!“

„War doch mal wieder ein Super Gig in Weitweg!“ meinte Bubi, der den Wagen auf den Hof der Autoverleih Firma steuerte.

„Ja,“ sagte ich: “ein Super Gig!“

Das hat sich alles an den Original Schauplätzen ereignet und sämtliche Personen lebten und leben noch!

Der Kampf um Deutschland

Dezember 18th, 2006 by St.Kleinkrieg

Wir rutschen zurück in der Zeit und zwar in das Jahr 1990.

Extrabreit wurde ja oft nachgesagt das wir die Sorte Menschen sind, die sich einen Scheiß um alles was in unserem Lande passiert kümmern und in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind. Das stimmt nur bedingt. Wir haben uns immer geäußert und für Aktionen die uns am Herzen lagen sind wir auch tätig geworden. Jetzt zuletzt bei der Geschichte „Laut gegen Nazis“ wobei man sagen muss das diese Aktion kein Schwein interessierte. Selbst mit einer angesagten Chartband wie „Silbermond“ konnten die Veranstalter keinen Blumentopf gewinnen. Wir, von unserer Firma, haben daraus die Konsequenzen gezogen und für uns festgestellt das diese Art von „Aufrütteln“ mit einem schalen Beigeschmack belegt ist. Wir wollen uns in Zukunft den Vorwurf der „Elendsgastspiele“ ersparen und werden uns in dieser Angelegenheit ehe bedeckt halten. Da unser Publikum eher überschaubar und nicht aus Trendmitläufern besteht, spielen wir als Volksmagnet sowieso nur eine untergeordnete Rolle in Monkeybussines.
Die Leute die Extrabreitfans sind, wissen auch ohne große Worte von uns, wo wir stehen und wes Geistes Kind unsere Kappelle ist.

Aber 1990 war das ganz anders. Deutschland befand sich in einem heute schon fast vergessenen Schicksalswahlkampf.

Wir alle – die Guten – gegen den alten, dicken, schwerfälligen Dr. Kohl. An die Spitze dieser Bewegung, hatte sich der zu dieser Zeit sehr populäre Oskar Lafontaine gestellt. Der Mann hatte einen blitzsauberen Sieg in seinem Bundesland hingelegt und war als Kanzlerkandidat der SPD nominiert.
Aber wie das manchmal im Leben so ist, alles deutet darauf hin das es klappen müsste, aber es klappt nicht.

Meiner...eigentlichWie bei der Wahl zum goldenen Bravo Otto, wo wir auf Platz vier landeten und die Folterband UKW mit dem Bronzenen Indianer in das damals noch geteilte Berlin zurückfuhr (oder flog). Obwohl; in diesem Fall glaube ich nicht an die Unbestechlichkeit der Wahlhelfer….............................da war Krummes im Spiel! Egal, zurück zum linken Oskar.

Clevere Veranstalter und Wahlkampfstrategen bemerkten, daß Oskar einen guten Stand bei vielen Musikschaffenden hatte. So ließen Popmusikgrößen wie Peter Maffay oder Wolfgang Niedecken in Interviews ab und an die Floskeln von “...mein Freund Oskar.“ Oder „........Lafontaine meinte zu mir…..“ fallen.

Da werden Begehrlichkeiten geweckt und die Herzen der Promoter schlagen höher. Das wird das Volk interessieren! Das wird und muss klappen!
Rasch wurde eine Agentur beauftragt und die üblichen Verdächtigen und ihre Helfer ins Verhör genommen.
Könnten Sie sich vorstellen …...Es geht um ein großes Ziel…...Wir denken das Sie doch politisch ehe unseren Standpunkt vertreten…!“ und, und, u.s.w. !

Bim Bam Bum war ein Chor für die gute Sache zusammengestellt, in den auch wir uns einreihten um dem bleiernen Kanzler den Garaus zu machen. Das war ja gar keine Frage, diese Selbstherrlichkeit und Königsallüren konnten einen wahnsinnig machen und wir dachten die gute Sache würde siegen.

Denkste Puppe!

König HelmutDr. Kohl, durch die Geschichtlichen Ereignisse unbesiegbar geworden, hatte praktisch in Drachenblut gebadet. Wir sollten also jetzt das Lindenblatt sein, durch das Oskar ihn dann erledigen würde. Dr. Helmut Kohl aber stieg aus dem Blutbad und zupfte sich dann das Lindenblatt vom Rücken und während er über seine große Brille guckte bemerkte er lapidar:

Netter Versuch!

Dann zerquetschte und zerbröselte er das Lindenblatt mit einer Hand und damit auch die Träume und Visionen von einem Neuanfang Deutschlands der nicht nur auf D-Mark basierte. Ein wirklicher, ideenreicher Neubeginn in der an Katastrophen so reichen deutschen Geschichte. Was daraus geworden, ist sehen wir ja nun 16 Jahre später.

Aber genug von den geschichtlichen Großereignissen jener Tage, wenden wir uns dem Kern unserer Betrachtung zu. Ich verrate kein Geheimnis wenn ich hier ausplaudere das unser Kai Havaii zu dieser Zeit eine unheilige Allianz mit der bekannten Droge Heroin eingegangen war. Er wird sicher in der von ihm verfassten Biographie „Hart wie Marmelade“ die im März 2007 erscheint darüber berichten.

Hier nun beginnt eine Klamotte die auch mit unserem Tod oder zumindest mit einer längeren Haftstrafe hätte enden können. – Auf jeden Fall für Rolf Möller und mich.

StimmenEs muss im November 1990 gewesen sein und die Halle in der die Bundesweite Konzertaktion für „STIMMEN FÜR OSKAR“ gastierte war die, Hans Martin Schleyer Halle zu Stuttgart. Wir hatten gerade eine unwirtliche Garderobe zugewiesen bekommen und hingen unsere vom Vorabend noch nassen Bühnenklamotten zum trocknen auf, als Kai sich über seinen Vorrat von Opiaten hermachte und einen Tobsuchtsanfall bekam. Grund seines lautstark geäußerten Unwillens war die Beschaffenheit des gerade gelieferten Stoffs. Wir waren zu der Zeit auf einer langandauernden Tour und wurden von Drogenhändlern umschwirrt wie das Licht von Motten und anderen Insekten.

Kai zeigte nun sein Zeug das ehe einem harten grobkörnigen Granulat ähnlich kam als dem puderigen braunen Pulver, das sonst immer im Angebot war.
Soll ich mir das jetzt als Zäpfchen verabreichen, oder wie…?

Wir mussten schallend lachen und zeigten uns erbötig bei der Zerkleinerung und Pulverisierung des Stoffs behilflich zu sein. Ein Stück Papier wurde über die Klumpen gelegt und dann mit dem Absatz von meinen Cowboystiefeln vorsichtig gemörsert. Und siehe da, so langsam wie das Eichhörnchen sich ernährt, kamen wir einer nasenfreundlichen Konsistenz nahe.

Wir erledigten unseren Auftritt, mit der uns eigenen Professionalität und überließen dann die Bühne Fury in the Slauterhouse, oder was weiß ich wem und verzogen uns in unsere Garderobe. Lustig an unserer Darbietung war noch das Bubi den zu der Zeit so beliebten „Rockstarmonitorschritt“ derartig übertrieb das er sofort mit dem Tonmöbel in den Fotographengraben verschwand und es nur der Umsichtigkeit seines Schutzengels zu verdanken hatte das ihm ein längerer Krankenhausaufenthalt erspart blieb. Auch war die Halle bestuhlt und nach dem ersten Akkord steckten sich die doppelnamigen Damen und pfeiferauchenden Herren ihre Finger in die Ohren. Das war sehr lustig anzusehen.

Zurück in die Garderobe.

Langeweile brach aus und Rolf und ich baten Kai uns für unsere Hilfe bei seinem „Nasenproblem“ aus seinem Vorrat etwas abzugeben. Ab und zu gönnten wir uns eine sogenannte „Time out Phase“ mit dem scheußlichen Zeug. Da wir ja im Verbrauch ziemlich sparsam waren und die Shore bei uns sofort andockte gab Kai uns zwei sogenannte „Lehrlingsportionen“ die uns sofort erledigten. In unserer Codesprache stand “Ein T-Shirt“ für Kokain und eine „ Eine Strickjacke“ für Heroin. Jetzt hatten wir uns also eine schöne, warme, braune Strickjacke angezogen und die Welt sah ganz anders aus. Besser!

Wir strolchten durch die Gänge der Hans Martin Schleyer Halle und standen auf einmal wie von fremden Mächte geführt vor einer riesigen BMW Limousine, die mit angelehnter Tür und steckendem Schlüssel in der Einfahrt zum Wirtschaftstrakt achtlos abgestellt war.

Das ist Oskars Schlitten!“ bemerkte Rolf, langsamer und bedächtiger als er sonst spricht.
Wir hatten uns ja in die Fangarme des Opiats begeben und fühlten uns großartig.
Stimmt, das ist die Karre von Oskar!“ bestätigte ich den Verdacht meines Kollegen und wir beide sahen dann den steckenden Zündschlüssel und die angelehnte Tür, auch das brennende Licht des Innenraumes war nicht zu übersehen.

Wenn wir jetzt mit dem Teil `ne Runde drehen haben unsere verdammten Imageprobleme bezüglich der „Neuen Deutschen Welle“ ein für alle Mal ein Ende!!
Das wäre dann Morgen der Bildzeitung einen Titel wert !!“ (da ist es wieder).
Wir überschlugen uns im denken und guckten uns an. Liebe Freunde, ich schwöre bei allem was mir heilig ist, wir waren praktisch schon mit der Schüssel unterwegs, als hinter uns die befehlsgewohnte Stimme eines Sicherheitsmannes von Oskar giftete.
Was lungert ihr hier rum? Hier ist nichts für euch drin! Seht zu, daß ihr in die Halle kommt!

Er kannte uns und unsere Backstagepässe hatte er auch sofort gescannt. Er stand wie diese ganz harten Jungs aus den Filmen leicht nach vorn gebeugt und die rechte Hand am Kolben seiner Dienstwaffe, mit der linken zeigte er auf uns. Unangenehmer Typ, 50 Euro(damals 80.- DM ) Haarschnitt, gut rasiert und durchtrainiert. Bereit, fähig und willens uns jeden Knochen im Leib zu brechen!
Wir wichen vor der Gewalt und beschlossen spontan die nächsten 16 Jahre als Flaggschiff der “NDW“ betitelt zu werden und nicht als Rebellen ohne Furcht! Dann schlichen wir in Richtung Bühne. Rolf hatte jetzt ein Buch von Oskar dabei und meinte er müsse die Gelegenheit nutzen um sich ein Autogramm des beliebten Politikers zu holen. Ich wollte mir mal den „Pater Muffel“ angucken und so schlenderten wir durch die engen Gänge der HMS Halle. So halb auf der Bühne, die Seite die man vom Publikumsraum aus nicht einsehen kann, standen die Cases mit unserem Hab und Gut und wir lümmelten uns darauf. Sofort kam ein Mr. Wichtig .

He, Hallo, das geht nicht! Hier könnt ihr nicht bleiben! Hier ist Sicherheitsstufe!!
Verpiss dich Alter! Das sind unsere Schachteln und wir passen darauf auf! Hier wird geklaut wie nichts Gutes! Draußen wollten schon ein paar Junkies die Karre von Oskar klauen ! !
Na schön, aber lauft hier nicht rum! Und bringt eure Bachstagepässe weithin sichtbar an,
der BND ist supernervös!

Oscar L. und Peter M.Peter Maffay war jetzt eingetroffen und verbreitete schlechte Laune. Er wollt dies und das und überhaupt… aber es war ja auch sein Auftritt und der Mann nimmt das nicht auf die leichte Schulter.
Seine Band, eine von allen Hunden des Showgeschäftes gehetzte Bande von abgefeimtesten Topprofis, konnte nichts aus der Ruhe bringen und so knatterten sie die polierten Lieder des Rumänischen Sängers herunter. Der Mann versteht sein Geschäft, das Publikum bemühte sich sofort mitzuklatschen und er strahlte übers ganze Gesicht. Das war definitiv sein Abend!

Peter und Oskar. Zwei auf die man sich verlassen kann.

Mittlerweile war ich so breit, dass selbst ein halbvoller Mehlsack gegen mich noch zackig gewirkt hätte. Ich saß, nein ich hing auf dem Schlagzeugcase und kämpfte mit der Übelkeit.
In Schüben kam mir der Mageninhalt hoch und ich überlegte wo ich mich erleichtern könnte, 1.)ohne das mich jemand sieht.
2.) ohne das ich meinen Standort verlassen müsste.
Letzteres bestimmt nicht, weil ich den Maffay so spitze fand, sondern weil ich mir eine größere Wegstrecke nicht zutraute.
Es half nichts, der Bühnenraum war voller Leute und wenn ich dahin gekotzt hätte wären die über mich hergefallen wie der Ku Klux Klan über einen Schwarzen im Schlafzimmer von Scarlett O`Hara auf Tara!
Ich musste los. Der Zeitlupenritt durch die verteufelt schmalen Gänge der HMS-Halle begann.
Das Tempo kam einem Traum gleich, wo man weglaufen will, aber es geht nicht! Schauderhaft !!

Im Hintergrund dudelte P. Maffay irgendwas von „Sonne in der Nacht“ und ich dachte noch: „Mein Gott, ist das Meta!“
Da tauchte, in etwa 29,5 Meter Entfernung das erlösende Schild mit dem großen WC und dem Piktogramm für Männer auf, als mir um die Biegung des wirklich schmalen Ganges, die komplette Entourage von Oskar, mindestens 15 Mann, BND-Kracher und er selber entgegenströmten. Also fast 16 Mann. Mit dem Männchen für das Klo!

Ups!
Mir kam genau in diesem Moment die Kotze hoch. Mit aller Kraft die der Herrgott mir mit auf meinen verschlungenen Lebensweg gegeben hat, würgte ich den vorwitzigen Mageninhalt wieder runter und ging so schnell ich konnte in Richtung WC Männer.
Aber diese Rechnung hatte ich ohne die Prätorianer der Bundesbehörde gemacht. “He, He!“ riefen diese.
Sie sprinteten auf mich zu, packten mich mit ihren eingeübten Griffen und ehe ich es mich versah, klebte ich an der Wand des schmalen Ganges wie eine Briefmarke auf einer Weihnachtsgrußkarte.
Ich hatte noch eine Hand vor den Mund retten können, um die unglückselige Fracht die meinen Körper verlassen wollte zurückzuhalten.
„Wo willst du hin? Wer bist du? Wo sind deine Ausweise?“
Mmm mmhhhmh mhm hmhmhmh ! ?! ?! ?! ?!
Jetzt sah ich auch die hochrote Kugel von Oskar in dem Gedränge der Bodyguards. Er musterte mich eigentlich wohlwollend und sagte, nachdem er meinen flehenden Augenaufschlag in Richtung WC Männer bemerkt hatte,:
Na, da hat es aber einer eilig! Lasst ihn!
Ich nickte wie ein Flummieball und der Griff der Muskelmänner lockerte sich, ja sie ließen ab von mir.
Sie hatten natürlich sofort gecheckt das sie es mit St.Kleinkrieg in seiner besten Form zu tun hatten und…..........................................................................................................
Ich rannte, nein ich flog, durch die Toilettentür und erleichterte mich bestialisch! “UhraghhhaaAHAHAHAHAHAHAHAH ! !“ Glaubt mir, das tat gut !

NajaOskar und seine vom Steuerzahler bezahlte Gang war in Richtung Bühne verschwunden und ich trottete ihnen, leicht wie eine Feder, nach.
Ich kam jetzt an die kleine Treppe zur Bühne und sah meinen Kumpel Rolf in dem Gedränge von Musikern und Bodyguards und Veranstaltern und was weiß ich für Chargen wie ferngesteuert rumwanken. Immer sein Oskar-Buch dabei und fast flehentlich mit leiser Stimme:
„Hallo, Herr Lafontaine, tu mir den Gefallen und gib mir mal ein Autogramm!“
Er hätte den guten Oskar grillen, abstechen oder ihm noch schlimmeres angedeihen lassen können. Es war unglaublich, er bewegte sich völlig unbehelligt, zwar nicht ganz sicher auf den Beinen, aber doch aufrecht mit dem Buch und…..........kriegte sein Autogramm!
„Schönen Dank, Herr Lafontaine. Das ist wirklich sehr nett von Ihnen!“
Ich war platt!
Unser, jetzt schon in anderen Sphären weilender Tourmanager, Michael Brenner (RiP) blies dann zum Aufbruch und alles was Extrabreit hieß bestieg unsere „Seekriegsröhre“ und wir verließen das Terrain.
Jahre später wurde mir klar das ich wieder einmal meiner Zeit voraus war, während alle anderen Musiker und Bands Oskar noch anhimmelten, hatte ich schon versucht ihm vor die Füße zu kotzen.

Instinktiv wusste ich da bereits, was alle anderen jetzt erst wissen !!

Instinkt not Intellekt !!

Traeumen ist suess

November 27th, 2006 by St.Kleinkrieg

Träumen ist süß, doch gefährlich!

Gestern lieferte mir die Post eine Amazon DVD Bestellung, über die ich mich gleich hermachte. „KRIEG UND FRIEDEN“ in der russischen 6 Std. Version, von dem begnadeten Sergej Bondartschuk. Ich legte das Teil ein und verzog mich mit einer Tasse Nieren- und Blasentee in den hier schon häufiger erwähnten Sterbesessel, um mich von dem Cineastischen Meisterwerk aus den sechziger Jahren forttragen zu lassen, in eine längst vergangene Epoche; die Zeit der Napoleonischen Kriege.

In einem nie da gewesenen Aufwand, zeigen hier die Kreativrussen wie man die Yankees`s auf der Leinwand das fürchten lehrt. Das sind Kampfszenen mit 16000 Komparsen und Tonnenweise Schießpulver, Kavallerieattacken aber auch Russische Seele, großartige Kostüme, Ballszenen und Landschaften und nicht immer dieselben Amiklischees, die uns doch eigentlich allen zum Hals raushängen. Stimmt doch, oder?
Da hat ganz Hollywood strammgestanden als der Film 1969 den Oskar gewann und was weiß ich noch für Preise. Wenn man schon von großem Kino redet dann ist diese russische Produktion auf jeden Fall gemeint. Thema beendet!

Aber von dem Film wollte ich eigentlich gar nix erzählen, er gehört nur am Rande zu dieser Geschichte.
Die Russen hatten gerade vor Borodino einen Moralischen Sieg errungen, als ich meinen Zweikampf mit Morpheus verlor. Er nahm mich ganz fest in seine Arme und flüsterte mir zu:

Komm, Kleinkrieg nur ein Viertelstündchen Bubu machen, wird dich nicht umbringen, sondern gut tun. Jetzt wo du wieder auf Weihnachtsblitztournee gehst, in deinem Alter!

Was, bitteschön, wollte mir Morphy denn damit zu verstehen geben?

Ich bin nicht alt! Auch nicht gebrechlich , ich brauche keinen Mittagsschlaf. Obwohl es sehr schön sein kann.
Diesmal aber nicht. Er schickte mir einen Traum gegen den das Filmopus vom seeligen Bondartschuk eine Spielerei mit dem Viewmaster war.
Es ging um meine Fanedition. Um meine CD. Um die

BETRACHTUNGEN EINES MITTLEREN CHARAKTERS

Ich erspare mir jetzt mal die Details des Traums, sonst brauch ich die gleiche Zeit wie Karl May für seine Jubiläumsgesamtausgabe. Ich komme gleich auf den Punkt.

Also, das von mir für den kleinsten Fankreis herausgegebene Album der Downloads des Jahres 2006, entwickelte sich, in meinem Traum zu einem Kultknaller, den es in Deutschland so noch nicht gegeben hatte. Mir war mit dieser unschuldigen Fleißarbeit gelungen, wovon jeder der ein Album veröffentlicht, nur mit Bettdecke über dem Kopf zu träumen wagt:

Ein Knüller wie ein Jackpot von 35 Millionen !!

Nur ein TraumUnd das kam so:

Harmlos fing es an, ganz harmlos. Ich lag, wie immer in Ruhephasen in meinem Sessel und guckte gelangweilt Fernsehen. In irgendeiner dieser gruseligen Livestyle Magazine auf RTL oder so, war mal wieder eine Rote Teppich Reportage, bei der unter anderen Harald Schmidt gefragt wurde was er denn privat, so als Harald, im geheimsten engsten Familienkreis für Musik hören würde. Erst alberte Harry so ein bisschen rum, dann setzte er ein nachdenkliches Gesicht auf und ließ ein paar Namen von großen Klassikern fallen …und dann, als ob er Mitleid mit der unwissenden Reporterin, die übrigens nie zu sehen ist, hätte:

“Da gibt es so eine kleine Auflage einer Fanedition. Ganz unscheinbar gemacht, nicht für den großen Markt, ehe was für Feinschmecker. Auch nicht so glatt, ehe ein bisschen rübbelig. Holzig, möchte man sage, nicht wahr! Wenn es nicht so charmant wäre. So wie Rockmusik eigentlich gedacht war, warum man sie erfunden hat. Ja, es handelt sich um:

BETRACHTUNGEN EINES MITTLEREN CHARAKTERS von St.Kleinkrieg!!

Ich schoss wie von Witta Pohl geküsst aus meinem Sitz.

Ja gute Frau, wenn sie mich fragen was bei mir seid 8 Tagen im Dauerrepeat im CD Spieler routiert, kann und muß ich sagen, dieses Meisterwerk des EXTRABREIT Gitarristen Stefan Kleinkrieg kann man gar nicht hoch genug loben, zumal es ja auch nur einem kleinen begrenzten Publikum zugänglich ist.

Ein Kleinod dieses Genres. Man fragt sich allen Ernstes: Ja, schläft denn unsere gesamte Musikindustrie? Warum wurde man nicht schon im vergangenen Jahrtausend auf dieses Jahrhunderttalent aufmerksam? Ich verstehe es nicht, ja, dabei bietet sich der gute Mann Ewigkeiten wie sauer Bier an, ja? Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend! Merken Sie sich den Namen, St.Kleinkrieg

Sagte es und verschwand in dem Gebäude, in das der Rote Teppich ihn führte.

Mir wurde schwindelig.

Das Telephon klingelte.

Alter Falter, hasse das grade gehört und gesehen? Sensationell!“ die Stimme kannte ich, hatte sie aber seit Jahren nicht mehr gehört.

„Wer ist denn da?“

Ich bin`s. Der Hans! Weißt du doch, ich war doch in den 80gern dein Labelchef! War doch `ne dolle Zeit! Die neue Welle! Mensch, jetzt bin ich aber enttäuscht! Das du mich nicht wiedererkennst. Alles vergessen, mein Bester?

„Ach der Hans, der uns 1985 vor die Tür gesetzt hat, weil unser Album nur so gerade am Breakeven vorbeigeschrammt ist, obwohl die 3 Vorgänger, dank ihrer geringen Produktionskosten, Millionen für seinen Konzern eingespielt haben?“

Ja, genau der! Und der bringt dich jetzt ganz groß raus! Mit Harald Schmidt im Rücken kann man in diesem Land alles werden, sogar aus Atze Schröder hat der einen ernstzunehmenden Comedian gemacht. Dagegen haben deine „Beatmungen eines mittleren Katasters“ geradezu Beatlesartige Qualitäten. Lass mich nur machen und wir alle werden uns das Geld nur so über den Kopf schütten können! Ich täusche mich selten und diesmal gar nicht!

Ich hasste diesen Kerl. Aber er kannte das Geschäft mit der Musik wie kein anderer. Immer wenn der Hans anrief, konnte man sicher sein das zumindest die Aussicht auf einen Hit hinter der Tür wartete. Ich übergab ihm alle Geschäfte und bereute es nicht.
Das Telephon klingelte unaufhörlich und all die ganzen Gestalten aus der Glorreichen Vergangenheit und die neue Milupageneration von Managern, Anwälten und Sternendeutern, wussten wie man jetzt die Gunst der Stunde nutzen müsse und und und….!

Ich wurde entdeckt und zwar so gründlich das Kolumbus in seinem Grab quittegelb vor Neid anlief. Interviews, Einladungen, Angebote aller Qualitäten türmten sich im Flur des Schlosses das ich jetzt bewohnte. Es war mir von der Landesregierung NRW`s kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Einzige Leistung die ich dafür im Gegenzug zu erbringen hatte war, dass ich den jeweiligen Bundeskanzler bei seiner Weihnachtsansprache mit der Gitarre begleiten sollte. 3 Marshalltürme in Stellung gebracht, ein Fläschchen Napoleon Cognac eingeatmet und los…..! Großartig!
Hans leistete ganze Arbeit und ich war rund um die Uhr damit beschäftigt einfach nur ich zu sein und dafür Unmengen an Geld und Liebe zu kassieren.

Ich kam dann auch noch in einige Fernsehshows im In und Ausland. Für “Menschen 2006, 2007, 2008…..“ ich hatte ein Dauerabo. Die Jahresabschlusssendung, wurde von aufgebrachten Zuschauern gestürmt, als ich einmal aus privaten Gründen nicht dabei sein konnte. Ich war Deutschlands einzige lebende Kulturikone. Vierzehn Strassen, sieben Brücken, acht Plätze und der ehemalige Franz Josef Strauss Flughafen wurden nach mir benannt und umbenannt. Ich gründete eine Stiftung für Sterbesesselabhängige Semiprofis und sorgte für die endgültige Verbannung von Dieter Bohlen auf die Insel Am- und Drumrum mit integriertem Sprechverbot!

Mit meinem Enthüllungsroman „Rache für Hillu Schröder“ verdrängte ich den Ex Medienaltkanzler aus den Bestsellercharts und verhalf der gestürzten Ex- Gattin dieses Herrn zu einer riesigen Abfindungssumme. Die sie im Gegenzug meiner Stiftung zufließen ließ. Mediendeutschland stand Kopf. Ich brachte ein Gesetz auf die Bahn, welches Millionären, die nicht in der Lage sind Spaß an ihrem Vermögen zu haben, ersatzlos enteignet und für immer in die von mir erfundene Sozialkasse „Flick vier“ verbannte.

Ich hatte es, Verdammtnochmal, auf den letzten Meter geschafft. Ich war zwar kein König aber doch so etwas ähnliches.
Das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, sonst würde ich es gar nicht erwähnen , der NRW Verdienstorden das Ritter und Mutterkreuz schmückten meine Brust.
Ich eröffnete das Oktoberfest, die Maiwoche und diverse andere Jahreszeitenabhängige Festivitäten. Das Leben war gut zu mir und ich fühlte mich hip. Nur das Gesicht hatte vom Dauergrinsen einen Unnatürlichen Ausdruck, den mir aber Leibeigene Unterwäschemodelle hinfort schminkten.

Ich kürze hier mal den Traum ein wenig ab, weil auch noch einige erotische Komponenten mit Prominenten darin enthalten waren, die ich gerne für mich behalten möchte…......!

Also, poliert ihnen die Fresse und werft sie raus…......! Hurrä Hurrä...! !!

Ich war wieder wach und hörte diesen Satz von Feldmarschall Kutusow während er auf einem Schimmel an den siegreichen Russen vorbei galoppierte.

Mein Album war wieder eine unscheinbare Fanedition und Harald Schmidt hatte überhaut keine Ahnung von meiner Musik und Anwesendheit auf diesem, unserem geliebten Planeten. Kurz und gut, ich lag wieder im Sterbesessel und meine Restlebenszeit stellte mich vor schier unlösbare Aufgaben, die während der Traumzeit noch an Gewicht zugelegt hatten.

„Schade.“

Ich hatte keine Lust mehr zum Film gucken und zog mich schmollend für eine Stunde in das Internet zurück.

Der Traum ging mir nicht aus dem Kopf und ich musste einige male schwer seufzen, weil ich ja wusste wie die Wirklichkeit in der deutschen Medienlandschaft für einen freien Geist wie mich aussieht.

Es war spät geworden und ich machte mich bettfertig, setzte meine Brille auf und griff zu dem Buch das ich augenblicklich lese. „Der Nigger der Narzissus“—Da klingelte das Telefon!

Die CD„Ja, Hallo?“

Ja, guten Abend! Ist da St.Kleinkrieg am Apparat? Hier ist Harald Schmidt, Sie kennen mich sicher aus dem Fernsehen.Ich hätte mal eine Frage: Ich schätze Ihre CD BETRACHTUNGEN EINES MITTLEREN CHARAKTERS sehr und wollte sie auch allen meinen Familienangehörigen, deren Freunden, sowie allen Mitarbeitern und allen Polen zu Weihnachten schenken, aber man kriegt die ja nirgendwo….....!?? Hallo? Hallo…

Ich bin Tot. Ich bin ausgestopft. Ich bin ein Sterbesessel!


Trotz schwerster Schiksalsschläge, schmerzhafter Verluste und tiefen Leides bewahre ich mir meine Standhaftigkeit, meinen Willen und verliere niemals den Glauben an mich selber! Niemals!

Haralds Geburtstag und der eiskalte Hauch !

Mai 15th, 2006 by St.Kleinkrieg

Wir waren zu einer Fernsehshow eingeladen und freuten uns mal wieder in das sommerliche Berlin zu kommen. Es war eine Gala Show zum 75sten Geburtstag von Harald Juhnke, 10.06.2004, dem größten zu diesem Zeitpunkt noch lebenden deutschen Entertainer.
Die Show wurde von Carmen Nebel moderiert und ich glaube hier auch im Namen meiner Bandkollegen schreiben zu können, dass wir lieber andere Formate für unser Zeug hätten, aber was soll man machen…..!
Meine Mutter meinte aber, dass Frau Nebel immer sehr nett wäre und ich mich benehmen sollte, da ihre Freunde und Bekannten alle Shows mit der guten Carmen Nebel sehen würden.

Die Breiten und Carmen Nebel im ZDF

Wir freuten uns auf den Besuch in der Hauptstadt und das hatte seine ureigenen Gründe:

1.) Eine Reise ins mondäne Berlin, diese TV Geschichte, da kann man dann immer ein bißchen Präsens beweisen, nach der Devise : Seht her, es gibt uns noch! Aber das war es eigentlich nur so am Rand. Scheiß auf die Formate, loch die Arbeitskarte!

2.) Molto mehr importante; wir hatten vor, diese Berlinreise für ein Livekonzert im EXnPOP, einem Berliner Club, zu nutzen und ein paar von den Liedern auf „Frieden“, unserem neuen Album an dem wir gerade arbeiteten, zu spielen. Wir waren gebucht.

3.)
Da die Band bis zu ihrem verfrühten und wieder aufgehobenem Ende, 1998, ihren Sitz in Berlin hatte, wäre es auch schön ein paar alte Bekannte zu treffen. ( Berliner Zeit 1995 –1998)

4.)
Unsere Tourbegleiterin von der „Hotel Monopol – Tour“ und Freundin des Hauses, Gabi Kowarik, betrieb jetzt mit ihrem Mann ein Hotel in Berlin. Wir hatten das Etablissement noch nicht gesehen und waren von der öffentlich rechtlichen Anstalt in diesem Haus untergebracht worden!

Perfektamento !!

Live spielen, Freunde und Bekannte treffen, in einem von Freunden geführtem Hotel, umsonst übernachten und Geld verdienen. Wieder 2 Tage im Leben wo man sich um nichts kümmern muß!

Ein gütiger Gott bückte sich, um seinen Schuh zuzumachen und entdeckte dabei Extrabreit. Er warf uns ein paar Krümmel Glück zu, bevor er sich wieder um Herbert und Konsorten kümmerte.

Das Leben kann schön sein, das Wetter auch und auf dieser Reise war beides nicht zu verbessern, es war; .... einer von diesen Tagen!

Wir trafen, nach einer ereignislos verlaufenden Autofahrt, am Abend vor der Aufzeichnung in Berlin ein. In der Hotellobby des Hotel Johann gab es bewegende Momente des Wiedersehens mit der guten Gabi und ich erspare mir jetzt die Schilderung, weil es allzu schnell ins Kitschige abgleiten könnte.

Wir alle lieben Gabi, sie war immer gut zu uns.

Lecker und gesund mit WodkaJopi und FrauWir bezogen unsere Zimmer und man traf sich in meinem, um bevor es zum Essen ging, noch ein bißchen vorzuglühen.

Ich hatte eine kleine Kühlbox dabei, gefüllt mit Caprisonne Citrone und einem Fläschchen Wodka, dem wegen seiner bekömmlichkeit bevorzugten Schnäpschen der Kapelle Extrabreit.

Jeder kam mit seinem Zahnputzbecher in meine Kammer und wir entspannten uns bei der von uns zu dieser Zeit des Jahres so beliebten „Wodka Sonne“.

Ein erfrischendes Mixgetränk aus Caprisonne Zitrone und Wodka mit etwas Eis. Es ist sehr gesund und hilft auch gegen Skorbut.

Die Flasche war rasch geleert (sie war nicht ganz voll gewesen) und wir gingen zusammen aus dem Haus, über die Straße, in einen kleinen Park, in dem praktischerweise ein kleines Restaurant war. Keine 2 Minuten vom Hotel. Einfach Spitze!

Fließende Übergänge, so soll es sein. Mein Gott, dieses Glück!

Es war so ein kleines Ausflugsrestaurant und wir bestellten irgendwelche Schniposa Gerichte, ich kann mich aber auch nicht mehr so genau daran erinnern. Dazu Pils! Das alles in Gottes freier Natur. Das Wetter war phantastisch!
Schon bald waren wir in bester Trinklaune und die Sorgen des Alltags schlossen murrend die Tür hinter sich. Wir riefen ihnen zu, sie sollen beim runtergehen den Müll mitnehmen und sich besser nie mehr blicken lassen, sonst….!
Kai war noch nicht angereist. Da es aus Hamburg per Zug viel schneller ging als die 500 Meilen aus Hagentown würde er erst am nächsten Tag zu uns stoßen.

Bubi hatte inzwischen den Pegel erreicht, der es ihm und seiner Stimme möglich macht, mühelos seine Sicht der Dinge darzulegen, auch wenn neben ihm ein Jumbojet mit Fehlzündungen startet und ungefähr 30 Leopard 2 Panzer ein Burnout auf einer Kette machen würden.

Das ist keine Übertreibung!

Leute, der schaltet auf Frequenzen, die sind eigentlich durch die Genfer Konvention und die Haager Landkriegsordnung vom 18.Okt.1907 geächtet, weil sie grausamer sind als alles, was sich ein teuflisches Gehirn überhaupt ausdenken kann.
Stört ihn aber nicht, er kommt dann immer näher an einen ran und trötet was die Trompete hergibt, direkt ohne irgendeinen Umweg , in das Ohr seines Opfers.
Selbst wenn eine Band mit hoher Lautstärke spielt und Bubi ein Opfer hinter deinem Rücken in die Mangel nimmt, kann man dem Vortrag Bubi`s mühelos folgen.
Bubi ist auf der Gitarre sehr behende, aber mit dem Wort ist er noch schneller.

Er war einsam, aber schneller. Unrecht das war sein Gesetz. Sein Steckbrief hing in Tennessee in Utah und in Laramie!

Rolf unterhielt sich mit Gabi und ich blutete so vor mich hin, (aus dem Ohr), während Lars, mit ein paar uns unbekannten jungen Leuten am Nachbartisch, leise in ein Gespräch über die Probleme des Universums vertieft war. Viel mehr passierte nicht und als wir total besoffen waren, robbten wir zurück zum Hotel auf unsere Zimmer, um uns so richtig vollzukotzen.

(Scherz, Scherz! Wir waren nicht betrunken. Nur beschwipst.)

Der nächste Morgen.

Wir trafen uns zum Frühstück und nachdem wir den Krankenbericht eines jeden abgehandelt hatten, machten wir uns jetzt zu Fünft auf den Weg ins Studio. Kai war inzwischen auch eingetroffen und wir waren allerbester Stimmung.
Die Atmosphäre dieser öffentlich rechtlichen Sendeanstalten ist genau so wie die Stimmung, die ihr Name hervorruft.

Öffentlich – Rechtlich – Anstalt – „Hände hoch, keine Bewegung!“

Na ja, man soll sich auch nicht immer beschweren. Die junge Dame, die uns in Empfang nahm, war sehr um uns bemüht und brachte uns gleich zu einer Garderobe, an deren Tür das Logo der Sendung und unser Bandname angebracht war.
Das ist ein alter Trick; so soll dem sich beim Playback Auftritt zum Horst machenden Künstler eine Bedeutung beigemessen werden. Nach dem Motto: “He, du bist die Show! Mach ruhig weiter, ist alles nicht so schlimm mit dem Playback! Du bist Deutschland, auch wenn du nicht willst, die andern wollen auch nicht! Das ist voll O.K.“
Da wir aber eiskalte, von allen Hunden des deutschen Showgeschäftes gehetzte Top Profis sind, entlockt uns die Besorgnis von nervösen Sendeleitern nicht mehr als ein fröhliches: „Fuck you!“

Wir machen das!
Wir machen noch ganz andre Sachen!
Ob 50plus, ob Force Attack, die Breiten rocken alles weg!

Wir gingen in den kleinen Garderobenraum, stellten fest, dass er nichts von Wert (endlich mal wieder das Lieblingswort auf der Tastatur) enthielt und lümmelten uns, auf unseren Maskentermin wartend, auf dem Flur herum. Maske beim Fernsehen ist auch Maske. Nette Visagistinnen/Visagisten knallen dir jede Menge Prestolid – artige Make up Masse in die zarten kaum zu sehenden Fältchen, um dich für den Zuhause vor dem Fernsehapparat vor sich hin modernden Zuschauer visuell akzeptabel zu machen!
Wir hatten jetzt alle das Make up hinter uns und sahen aus wie die Busenwitwe Tatjana Gsell, nach einer Gesichtsbesamung. Jetzt sollte es zur ersten Kameraprobe in das Studio gehen.

Da öffnete sich die Tür des Flurs und ich könnte schwören, dass man das Geräusch eines eiskalten Hauch`s hören konnte. Ihr kennt das, wenn man
den Mund so halb öffnet und die Luft hörbar ausstößt. Wie Wind auf einer menschenleeren Planetenoberfläche.

Jopi und FrauDurch die Tür trat ein: Johannes Heesters mit Gattin. Er 100 Jahre alt, ihr Alter ist mir unbekannt, aber deutlich jünger.
Trat ein ist jetzt auch ein großes Wort, er wurde mehr getragen. Rechts und links von ihm gingen je ein Bodyguard, die ihn höchst respektvoll stützten.
Dahinter glaube ich ein Arzt, oder Rechtsanwalt oder beides in Personalunion.

Wir waren wirklich beeindruckt. Ich meine, ich bin kein Fan von Herrn Heesters und kenne auch aus dem Stand keinen Film, Operette oder irgendwas, wo ich sagen würde : “Spitze Jopi, feiste Sache, das!“ Bis vielleicht auf den Schmachter „Heut geh` ich ins Maxim. “Ne, auch nicht wirklich! Aber Leute, ein hundertjähriger Mensch hat eine völlig andere wahrnehmbare Aura, eine andere Physionomie.

Der ist noch einen Step weiter als der übliche Gang; Baby, Kind, Jugendlicher, junger Mann/Frau, alter Mann/Frau, Greis/Greisin, Leiche/Leichin?
Nein!—100ter /100terin!

Wir deuteten einen Gruß an und er erwiederte mit einem huldvollen, aber keinesfalls arroganten Nicken seines Kopfes. Die junge Dame betrat den Flur und guckte uns an. Dann schaute sie auf ihr Clipboard und verkündete, dass sie es sei, die uns jetzt zur Kameraprobe bringen würde. Wir guckten Jopi noch hinterher und sahen, dass er in einem total abgedunklten Raum mit seiner Entourage verschwand.

Mit dem Geräusch des Windhauchs.
Uhhii! Dunnerlittich!

Wir rieben uns die Augen, schüttelten uns und folgten mit unseren Gitarren der jungen Dame in das Aufnahmestudio, wo schon ein wüstes Treiben herrschte. An die 30 – 40 Leute, mit den verschiedensten Aufgaben betraut, wuselten durcheinander. Wir von unserer Firma blieben dicht zusammen, um in dem geordneten Touwahbou nicht unterzugehen. Die Dame mit dem Clipboard forderte uns auf, ihr zu der für uns eingerichteten Bühne zu folgen, auf der wir die grausame Playbackarbeit verrichten sollten.

Ein Schlagzeug war schon aufgebaut und Rolf machte sich erst einmal bemerkbar. „Bitte machen Sie sich mit der Bühne vertraut, wir nehmen den Auftritt mit 4 Kameras. Die, die, die und die da.“ Sie deutete auf die Geräte, hinter denen Kameramänner mit Kopfhörern standen. Wir winkten ihnen dümmlich zu, sie konterten mit einem Kopfnicken.
„Ich werde Ihnen in einer Minute Carmen vorstellen und dann geht es auch schon los.“ Sie schwebte hinfort, mit ihrem Board.

Und da war es wieder, dieses unheimliche Windfauchen, leise aber doch unüberhörbar. Uhhhh!!

“Leute, ich bin hier der Aufnahmeleiter, wenn es Probleme gibt, behaltet sie für euch, Ha, Ha, Ha ! Nein im Ernst, wie wollt ihr das Playback?“ Da dieses Mimen zu der eigenen Musik immer irgendwie peinlich ist, hilft einem nur Lautstärke um die Hemmungen zu besiegen.
„Wir fänden es sehr nett, wenn Sie es brüllend laut machen würden, sonst sieht man uns an, wie scheiße wir es finden, dass wir uns in dieser Nebulösen Show zum Affen machen. Danke!“
Natürlich sagten wir das nicht so!
„Wenn Sie es ein bißchen lauter machen würden, wären wir Ihnen sehr dankbar!“
„Kein Problem!“ – tritt ab.

Ich sah jetzt, dass ich mich nicht getäuscht oder verhört hatte. Johannes Heesters hatte auf einem der herumstehenden Stühle Platz genommen und flüsterte seiner Frau, die sich über ihn beugte, irgendwelche für uns unverständlichen Sachen ins Ohr.

„Guten Tag, die Herren, ich bin Carmen Nebel!“
Die Moderatorin war auf die Bühne gekommen und begrüßte uns sehr kollegial. Wir plauderten ein bißchen über Harald, der ja nun wegen Demenz im St. Katerinen Stift abgesafed, nur noch mit seinem Teddy sprach. Er hatte bereits die Reise in die Abenddämmerung seines Lebens angetreten.
Das hört sich natürlich alles ganz furchtbar an, aber wer weiß, vielleicht hatte Harald am Ende seiner Tage eine Entdeckung gemacht, welche die Grenzen der normalen Wahrnehmung sprengte.
Auf jeden Fall ging es ihm wohl besser als in der Zeit, als er in einem Berliner Hotel, von Bildzeitungshyänen belagert, mit einer merkwürdigen Schülerin ein Fläschchen nach dem selben leerte. Könnt ihr euch noch daran erinnern? Die dicke Schnalle mit unserem Harald? Nein, dann lieber der Teddy.
Wer hat dieses Stofftier eigentlich jetzt? Das müßte bei Ebay ein Vermögen wert (da ist es wieder!) sein.

„Wir werden jetzt die ganze Sache spielerisch durchgehen. Nachdem Sie Ihre Nummer gebracht haben, geselle ich mich zu Ihnen, Herr Havaii und Herr Kleinkrieg, und dann stelle ich Ihnen einige Fragen, zur Zusammenarbeit mit Harald. Sie haben ja eine Single, ein Video und mehrere TV Shows mit ihm zusammen gemacht, nicht wahr ?“

Kai: „Ja, das ist richtig. Ich habe auch noch Interviews mit Herrn Juhnke anläßlich der Aufnahmen im Berliner Hansa Tonstudio gegeben und da hat man sich kennen und schätzen gelernt.“
Carmen: „Wie war denn Herr Juhnke im Umgang mit Ihnen. Es war ja auch für ihn nicht alltäglich mit einer Rockband, das seid ihr ja, im Studio aufzunehmen!?“
Kai: „Oh, na ja, Harald Juhnke hatte keinerlei Berührungsänste. Er ist halt so wie wir, ein Profi. Er hat sich das Ding vorgenommen und erledigt.“
Carmen: “Herr Kleinkrieg, hat Sie das Zusammentreffen mit Herrn Juhnke beeindruckt?“
St.Kleinkrieg:“ Ja, sehr. Es war ja nur eine kurze, aber
sehr intensive Zusammenarbeit. Wir haben eine Menge in der wenigen Zeit von ihm gelernt.“
Carmen: “Darf ich fragen, was genau Sie von Harald Juhnke gelernt haben?“

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Das war jetzt eine Billy Wilder Frage !!

Billy Wilder, (1906-2002) hatte mal den Satz geprägt, dass er lieber einen guten Freund verlieren würde, als sich eine Pointe entgehen zu lassen.
Außerdem ist alles akzeptabel, wenn man auf Billy Wilder verweist. Selbst der rassistischste Witz. Wenn Billy das Ding abgesegnet hat, dann ist es O.K.

Und ich war noch nicht einmal mit Carmen befreundet!
ALSO -
St.Kleinkrieg: „Wie man `ne Bierflasche mit den Zähnen aufmacht !

Stille – Gelächter der Band – Stille –Gelächter der Kameraleute – Betretene Stille – Allgemeines Gegröhle!
Carmen: “Das machen Sie aber gleich im richtigen Interview nicht, Herr Kleinkrieg, mein Gott, was für ein übler Scherz!“ Ich fand es toll, dass sie mich „Herr Kleinkrieg“ nannte und verzichtete darauf hinzuweisen, dass ich der St.Kleinkrieg bin!

Eine Stimme aus dem Studiolautsprecher verkündete, dass die Technik jetzt soweit sei und mit der „Standprobe“ des Playbacks begonnen werden könnte.
Carmen ging ab, drehte sich noch einmal zu mir um und grinste wirklich dreckig. Ich glaube sie ist ein richtiges ….
Wir brachten uns in Positur und warteten auf die Musik.
Die krachte dann unvermittelt aus den 4 enorm großen Monitoren mit unerwartet höllischem Volumen und wir legten wie vom Blitz getroffen mit dem Mimen unseres Harald-Duetts los.

Die Lautstärke war den Verantwortlichen im Studio sofort zu groß, sie stoppten die Wiedergabe innerhalb von 3 Sekunden.
Diese 3 Sekunden hatten ausgereicht um das Leben von Johannes Heesters in allergrößte Gefahr zu bringen. Seine sorgfältig gekämmten Haare standen igelartig ab und er schien einen elektrischen Schlag von mindestens 12 Millionen Volt versetzt bekommen zu haben.

„Hum Goottes Willän!“

stieß er mit größter Kraftanstrengung und dem jahrzehntelang gepflegten Niederländisch-deutschen Showakzent aus. Dabei bemühte er sich nach Kräften aus dem Stuhl zu kommen, um das Weite zu suchen. Seine Leute halfen ihm dabei und er verschwand ohne Wind und wurde von uns nicht mehr gesehen. Er hatte aber keinen Schaden genommen. Das kann ich versichern.

Wir probten dann noch 3-4 mal, und das dann bei der Sendung entstandene Interview ist auf der Internetseite des ZDF nachzulesen. Sehr gediegen! Meine Mutter fand uns in der Carmen Nebel Show von allen am besten. Auch besser als Jopi!
Am frühen Nachmittag waren wir fertig und fuhren ins Hotel, von wo aus wir uns direkt in den Biergarten des kleinen Restaurants begaben, um uns da das Gesicht abzureißen.
Gegen 4 Uhr morgens gingen wir dann, nach einem Absacker an der Hotelbar des Hotel Johann, auf unsere Zimmer, um uns für den abends stattfindenden Gig auszuschlafen.

keine Ahnung wie ich das geschafft habeWer wissen will wie der war, muß auf der Seite vom Ex-Hometowner vorbeischauen. Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern.

Wir trafen noch Steve the Machine und Sebastian, aus der Berliner-Besetzung und es wurde viel gelacht.

Auch Conny Conzack, unser Manager aus der Hilde – Phase, war vorbeigeschneit und man tauschte Artigkeiten aus.

Am nächsten Tag hatte Gott uns wieder vergessen und wir fuhren Heim.

Ich habe aber immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich „Nichts ist für immer“ höre, oder abends der Wind ums Haus geht und dieses eiskalte Geräusch macht.

So wie auf einer menschenleeren Planetenoberfläche.

„Hum Goottes Willän!“

Das Rumpsteak

März 2nd, 2006 by St.Kleinkrieg

Es war auf der Festivalkampange 1996 als wir wieder einmal mit einem Nightliner eine Tank- und Raststätte der Bundesautobahn ansteuerten.
Das Touren mit den großen Bussen ist wirklich eine entspannte und komfortable Sache. Man hat sein Bett immer dabei, muß nicht selber fahren oder sich um die technischen Belange einer Reise kümmern, kurz, man kann sich ganz dem Vergnügen hingeben durch die Gegend kariolt zu werden, ohne an irgendwas zu denken. An den Auftrittsorten kann einen selbst die versiffteste Garderobe nicht schocken, man hat ja das traute Heim auf Rädern dabei.

Abgesehen von Kameradenschweinen die im Vollrausch anderen in die Stiefel pissen und der übliche Pfadfinderblues, ist diese Art zu Touren für mich immer das Beste gewesen.

Zurück zur Tanke und Raste. Ich könnte mich selbst unter Folter nicht mehr an den Namen der Tanke erinnern, was aber verständlich ist, weil die folgende Schilderung den vorhandenen Speicherplatz voll beansprucht.

Wir enterten also die Raste um was zum Mittag zu essen. Unter den mißtrauischen Blicken der Gäste und des Personals nahmen wir an einem Ecktisch Platz, von dem man den ganzen Raum gut überblicken konnte. Die Gaststätte war ziemlich leer und es waren auch keine Leute da die uns irgendwie gefährlich werden konnten, aber man hat so seine Angewohnheiten. An der Wand und in einer Vitrine hingen und standen gerahmte Bilder die sofort auf sich aufmerksam machten. Ein leuchtendes Orange oder Gelb explodierte förmlich aus ihnen heraus.

Ich guckte mir das Bild an und erkannte sofort die Kellnerin die schon ganze Zeit im Gastraum rumwuselte, neben dem Dalai Lama!

Jetzt näherte sich die Dame unserem Tisch und fragte nach unseren Wünschen. Ich sagte,:“ Hör´n Sie mal, ist das da auf den Fotos neben Ihnen, der echte Dalai Lama, oder nur so ein Doppelgänger?“ – Es gibt ja richtige Agenturen für Doppelgänger. Da könnte man ja mal auf den Gedanken kommen sich den Dalai Lama zu Omas Geburtstag zu mieten.

„Nein,“ sagte sie ,“das ist der echte Dalai Lama, der hat hier vor nicht allzulanger Zeit zu Mittag gegessen. Genau da wo Sie jetzt sitzen.“

P E N G

Ich war angezählt, es hat mich wirklich ein bisschen gefröstelt. Ich meine der Dalai Lama! Das ist der Chef einer Weltreligion und mit den guten Mächten dieser Erde praktisch auf du und du. Das ist keine Billigfranse.

Hier St.Kleinkrieg mit seinem brühmten Gitarrengurt voll mit christlichen Symbolen!

Wir standen jetzt alle auf und sahen uns die Bilder genaustens an. Man will sich ja nicht so vorführen lassen. Ich kenne den Dalai Lama nicht, aber das freundliche Gesicht und das entspannte Grinsen auf den Fotos war mir bekannt. Das war der Kerl! Ich war begeistert und sah zu wieder auf den Platz zu kommen auf dem der Dalai gegessen hatte, bevor einer der anderen ihn mir wegnahm. Ich wollte jetzt mit der zufälligen Begegnung der kosmischen Art eins werden und fragte die Serviererin „Was hat der Chef denn gegessen?“

KLICK —- KLICK —-KLICK

Jetzt sah man richtig, wie sie die Situation für sich gewinnbringend kontrollieren wollte. Sie checkte ab, : Der Kerl fährt auf den Dalai Lama ab, die sind mit dem dicken Liner gekommen, das ist so eine wichtige Kultband aus den 80ern, am Ende sogar Extrabreit, die haben Geld !!,

Kellnerin: “Der hat das Rumpsteak genommen!

Ich:”????

S C H E I ß E

Wenn einer auf dieser Welt als Vegetarier bekannt ist, außer Hitler – und der hat bestimmt nur wegen dem VegetARIER die fleischlose Kost bevorzugt – dann ist das doch der Dalai Lama !!

Der geht doch nicht das Risiko ein, einem längst verblichenen Verwandten auf seinem Teller zu begegnen! Das Rumpsteak war das teuerste Gericht auf der Karte und die alte Tante wollte uns auf das schmale Brett locken.
Wir teilten ihr unseren Verdacht mit und ich war echt entäuscht von ihrem widerlichen Geschäftssinn in diesem heiligen Moment. Die Magie war weg – mein Hunger auch – wir tranken einen Kaffee und gingen dann zum Bus. Sebastian unser damaliger Basser schenkte mir auf dem Weg zum Bus einen Badge mit dem Konterfei des Dalai Lama.

Wieso hatte der das Teil, ausgerechnet jetzt…...................????

Ich steckte den Sticker an und wir fuhren zum Gig. Als ich hinter der Bühne mit dem Badge rumlief fragte mich einer von irgendeiner anderen Band, wobei er auf den Anstecker deutete,:

Eh, Kleinkrieg, seit wann stehst du denn auf Gregor Gysi ?“

Das Leben ist grausam

Ich esse kein Rumpsteak mehr

Ponderosa-Depression

Februar 23rd, 2006 by St.Kleinkrieg

Liebe Leute,

Knarregestern Abend habe ich meine gesammelten Werke nach einem neuen Download durchforstet und mir dabei einige geistige Getränke durch den Kopf gehen lassen.

Gutgelaunt und nicht mehr ganz nüchtern hörte ich mir dann das ein oder andere Stückchen an und saß tränenüberströmt hinter meinem Mischpult, in der einen Hand die Zigarette in der anderen den Wodka Kirsch. Geradezu überwältigt von meiner ureigenen Schaffenskraft und meinem Genie.

Das aber nur am Rande, denn der heutige Tag war dann der Realität und Reue gewidmet. Bußfertig verkroch ich mich vor den Fernseher in meinen Sterbesessel und machte das was ich wirklich gut kann – TV glotzen. Da ich ein begnadeter TV Konsument bin, empfange ich naturalmente „Premiere.“

Ich lag also da so vor der Idiotenlaterne und ließ mich bescheren. Die Wahl meines Kanals war „Premiere-Nostalgie“ und wegen meiner Konditionsprobleme konnte ich auch nicht mehr auf andere Stationen wechseln. Ich sah also das Weltkrieg 2 Drama „Nacht fiel über Gotenhafen“, was mich nicht so richtig erbaute.

Danach kam aber „Bonanza“ und das war ein ganz anderer Stoff. Da konnte ich doch mitreden, das war doch meine Zeit !!
„Dengdegedegdegdeng…...............BONANZA!!“
Ich erinnerte mich an die Sonntage meiner Kindheit. Man freute sich auf Bonanza, aber wenn es dann vorbei war, war das Wochenende unwiderruflich zu Ende und die abgefuckteste Sache der Welt erhob ihr hässliches Haupt. Die neue Woche. Die Schule. Die NDW - Neue Deutsche Woche!
Nach der Schlußmelodie revoltierte sogar heute morgen bei mir der Magen. Ich musste kotzen. Kann man mal sehen wie tief das sitzt.
Dabei war es eine wirklich lustige Episode aus dem bewegten Leben der Familie Cartwright.

dummLeider habe ich nicht die ganze Kiste mitgekriegt, weil ich noch bei „Nacht fiel über Gotenhafen“ die Hände vor mein Gesicht gehalten habe. Es war diese schreckliche Szene in der sich der Funker mit dem tragbaren Funkgerät in den ….......“Tod abmeldet!“ Furchtbar!

Habe danach die Küche für ein Frühstück aufgesucht und kam erst wieder auf die Ponderosa als Little Joe schon das Augenlicht verloren aber eine blinde Blindenlehrerin gewonnen hatte. Die brachte ihm in ermüdenden Wiederholungen die Tricks und Lebenshilfen der Blinden bei.

Little Joe durfte aber aus pädagogischen Gründen nicht wissen, dass die schon ältere Dame, auch an Blindheit litt. Als er sich dann nach der gesamten Sendezeit mit seinem Geschick abgefunden hatte und nun seinerseits auch Blindenlehrer werden wollte, wachte er nach einer durchstudierten Nacht auf und konnte wieder sehen.

Schockschwerenot ! Hoss sah nach der frohen Nachricht so verheult aus als hätten sie ihm von der Maske 2 Monate alte Biozwiebeln in die Augäpfel gesteckt. Nur Pa hatte den gleichen sparsamen Gesichtsausdruck wie immer und grummelte vor sich hin.

Jetzt wollte Little Joe seine Lehrerin sofort davon in Kenntnis setzen das er über Nacht eine weitgreifende biologische Veränderung durchgemacht hätte. Er stürmte durch die Ponderosa, jetzt wieder lächelnd und voller Kraft. Raus auf die Terrasse und dann der Alten die Kunde gesteckt. Dabei fand er dann raus, dass die Lehrerin auch blind ist.

Wahrscheinlich hat Hoss ihm unten am Bildrand wo man es nicht sehen kann die Zwiebeln gegeben, denn der heulte dann los wie ein abgesprengter Hydrant.

zur ProbeIch musste jetzt pissen und habe danach in der Küche nach was leckerem gesucht. Habe also nicht mitgekriegt ob die gute Alte von den Cartwrights noch irgendeine Dotation erhalten hat.

Ich wollte wieder ins Wohnzimmer aber da lief der Abspann mit dem berühmten „Dengdegedeng….....Bonanza!!“ Ich musste kotzen, wegen meiner verkackten Kindheit und vielleicht auch wegen der Wodka/Kirsch Zuteilung gestern Abend/Nacht. Als ich mir den Schmodder aus dem Mund spülte habe ich noch so gedacht:
Was fand man eigentlich an seiner eigenen Familie so Scheiße das man auch gerne ein Cartwright gewesen wäre? Und warum zum Teufel hat man sich einen solchen Schwachsinn jeden Sonntag wieder angesehen?

Man ist halt immer wie viele Menschen. Je älter man wird, desto mehr kriegt man von sich mit – Wenn man Premiere und Zeit es zu gucken hat!!

Ich fahre jetzt in die Rockranch zur Probe – Ich wünschte es wäre die Ponderosa.
Mit Hop Sing, oder wie der Koch bei den Herren hieß.

Morgen gibt es ein paar Bilder von der Probe.

Euer
St.Kleinkrieg


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